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Die Angst vor PSD2 geht um © Strategy&

Andreas Putz empfiehlt den Banken, sich umgehend mit PSD2 zu beschäftigen.

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Andreas Putz empfiehlt den Banken, sich umgehend mit PSD2 zu beschäftigen.

Helga Krémer 01.07.2016

Die Angst vor PSD2 geht um

Konsumenten wollen es banktechnisch immer bequemer haben – wenn die Hausbank dem nachkommt, fein. Wenn nicht, so suchen sie bei Drittanbietern ihr Glück.

••• Von Helga Krémer

WIEN. Strategy&, die Strategieberatung von PwC, wollte es bezüglich der Novelle der „Payments Services Directive 2” (PSD2, Richtlinie über Zahlungsdienste) genauer wissen und befragte 30 führende europäische Banken sowie FinTechs aus acht verschiedenen Ländern; parallel dazu wurden 1.000 Bankkunden zu ihrem Zahlungsverhalten interviewt.

Der Hintergrund für diese Studie „PSD2 – Start of a new era of open Banking?” sind die Umbrüche in der Finanzindustrie: Digitalisierung, neue Kundenerwartungen, herausforderndes Marktumfeld durch die andauernde Niedrigzinsphase, steigender Wettbewerb von FinTechs und Tech-Firmen sowie die Umsetzung regulatorischer Maßnahmen – und jetzt also auch noch PSD2. 88% der Befragten erwarten zunehmenden Wettbewerb von Drittanbietern, 68% befürchten den Verlust der Kundenschnittstelle und 68% gehen davon aus, dass PSD2 die Bankenposition (weiter) schwächen wird.

Des einen Freud, des andren Alp

Zwei zentrale, neue Anforderungen offenbaren sich als der wahre Alp der Banken: Zum einen werden künftig Drittparteien wie FinTechs, Telekommunikationsanbieter, Tech- und Datenunternehmen in den Regulationskreis miteinbezogen und somit offiziell als Teilnehmer auf dem Zahlungsverkehrsmarkt anerkannt. Zum anderen müssen Banken diesen Drittparteien Zugang zu den Konto- und Zahlungsdaten gewähren und ihnen die Möglichkeit geben, Zahlungen im Auftrag des Kunden auszuführen – eine vorliegende Kundenzustimmung vorausgesetzt. Dies wiederum bietet Drittparteien die Möglichkeit, Produkte und Services auf Basis der von den Banken bereitgestellten Daten (weiter)zuentwickeln.

Die Profiteure wären Anbieter von digitalen Finanzübersichten (Personal Financial Management), Zahlungs-Apps oder Vergleichsportalen – eine für Banken besorgniserregende Entwicklung, da Drittparteien mit ihren Angeboten häufig an der Kundenschnittstelle ansetzen. Wie die Studie zeigt, bestehen die Sorgen zu Recht. „In einer zunehmend digitalisierten Welt suchen Konsumenten nicht nach Spezialisten, sondern schätzen eine bequeme Bündelung von Produkten und einfacher Bedienung”, meint Andreas Putz, Partner und Bankenexperte bei Strategy& Österreich.
Die Konsumentenbefragung zeigt deutlich, dass Drittparteien bereits ein etablierter Bestandteil des Konsumentenlebens sind: 88% der Befragten nutzen das Angebot von Online-Bezahlsystemen, also Dritt­anbietern, für Online-Einkäufe, 82% stimmen voll oder teilweise zu, dass diese Zahlungen so sicher und zuverlässig handhaben können wie ihre Hausbank.

Handlungsbedarf erkannt

„Unsere Studie zeigt, dass einige Banken PSD2 vor allem als Compliance-Übung begreifen, sich selbst als ‚Datenlieferanten' sehen und nicht über die regulatorischen Muss-Anforderungen hinaus Chancen prüfen”, führt Putz aus. Den Handlungsbedarf haben die Banken jedoch erkannt; 76% der Banken nennen Kundenfokus als ihre Top-Priorität für die kommenden Jahre.

„PSD2 wird ein Katalysator für Entwicklungen sein, die bereits jetzt beobachtbar sind”, sagt Putz. Die Banken seien daher gut beraten, sich jetzt mit PSD2 zu befassen.

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