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Durch Fitness fette Prozente in der Krankenversicherung © Panthermedia.net/lzf
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Gerald Stefan 01.04.2016

Durch Fitness fette Prozente in der Krankenversicherung

Immer mehr Assekuranzen belohnen ihre gesundheitsbewussten Kunden mit Goodies wie Urlauben oder saftigen Prämienrabatten.

••• Von Gerald Stefan

WIEN. Es wäre so einfach, meinen viele Versicherungsmanager: Was bei der Autoversicherung oder Haushaltsversicherung längst gang und gäbe ist, sollte doch eigentlich auch bei der Krankenversicherung nur recht und billig sein: Wer aggressiv in einem PS-Boliden unterwegs ist, der zahlt eine höhere Versicherungsprämie als jemand, der auf Übermotorisierung & Co verzichtet.

Verbraucherschützer: Status quo

Auch wer in sein Haus eine Alarmanlage einbaut oder bauliche Maßnahmen zum Überschwemmungsschutz trifft, kann häufig mit ­Prämiennachlässen rechnen.

In der Krankenversicherung ist es dagegen in Österreich nur innerhalb sehr enger Grenzen möglich, bei der Prämienhöhe für Versicherte auf deren „Zustand” (Gesundheit) oder ihren „Fahrstil” (Lebensführung) abzustellen. Gerade Verbraucherschützer gehören oft zu den engagiertesten Befürwortern des Status quo: Schließlich soll die Versicherungspolizze auch dann helfen, wenn die Gesundheit schlechter geworden ist und nicht genau dann unleistbar teuer werden – so jedenfalls ihre Befürchtung.

Viele zahlen für wenige?

Die Versicherer dagegen versprechen mehr Fairness: Wer z.B. regelmäßig Sport treibt, soll weniger Prämie bezahlen müssen als die übrigen Mitglieder der Versichertengemeinschaft.

Denn immerhin belastet er oder sie das System vermutlich weniger mit Kosten für künftige Heilbehandlungen als jene Zeitgenossen, die weder auf Gewicht noch Nikotinkonsum achten. Das sei gleichzeitig auch eine erzieherische Maßnahme, denn viele Studien zeigen, dass Menschen bereitwilliger etwas für ihre Gesundheit tun, wenn sie dafür finanziell belohnt werden – obwohl doch eigentlich die Gesundheit selbst mehr als genug Belohnung sein sollte.

Der Stein kommt ins Rollen

In Deutschland will ein großer Player, die Generali, nun jedenfalls Fakten schaffen: Man schließt Verträge mit Supermärkten und ­Fitnessstudios ab, die die Weiterleitung von deren Kundendaten zum Inhalt haben.

Ab Juli 2016 will die Generali in Deutschland dann einen Tarif anbieten, bei dem die Kunden für ihre gesundheitsbewusste Lebensweise – untermauert mit den Kundendaten – Rabatte oder eine andere Form der Belohnung erhalten: Konkret soll belohnt werden, wer im Supermarkt gesunde Lebensmittel einkauft, körperliche Aktivität per Fitness-Armband nachweist oder regelmäßig ins Fitnessstudio geht.

Auf den Score kommts an

Das Ergebnis dieser Lebensführung ist ein automatisch berechneter „Score”, der dann entsprechende Vergünstigungen nach sich zieht. Die Bandbreite könne von einem Nachlass auf die Versicherungsprämie bis zu einem Rabatt auf den Mitgliedsbeitrag im Fitnessstudio reichen. Dabei werde niemand bestraft, wird betont: Auch behinderte oder kranke Menschen könnten profitieren, wenn sie sich entsprechend verhielten. Und der Preis könne nicht steigen – bloß durch gesunde Lebensführung sinken.

Zunächst soll das unter dem ­Titel „Vitality” laufende Programm jenen Kunden angeboten werden, die eine Risiko-Lebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollen, so Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani in der Süddeutschen Zeitung. Danach soll es auf die private Krankenversicherung ausgeweitet werden.

Die Varianten in Österreich

In Österreich sind solche Rabatte derzeit nicht erlaubt, aber die Versicherer suchen andere Wege. Einige haben sogar schon konkrete Schritte gesetzt, die meist das Ziel haben, die Gesundheit ihrer Versicherungsnehmer zu bewahren, die Fitness zu steigern und damit die Leistungsfälle für den Versicherer zu reduzieren.

Bis zum Jahr 2017 will auch der neue Generali Österreich-Chef Alfred Leu ausgelotet haben, welche Möglichkeiten sich ergeben; die Kunden müssten in Österreich eben andere Benefits erhalten.

Ausgefeilte Extras

Eine beliebte Variante sind in ­Österreich Fitnessprogramme mit immer ausgefeilteren medizinischen Extras.

Ein Vorreiter ist die Uniqa, die derzeit die Vorsorge- und Fitnesspakete „VitalPlan” und „VitalPlan Plus” anbietet. Dabei kommen rund 100 sogenannte VitalCoaches in Österreich zum Einsatz, die bei der Erstellung eines persönlichen Trainingsprogramms helfen. Weiters nehmen 180 Hotels am „VitalPlan” teil, es gibt Vorsorgeuntersuchungen, Fitnesstests und eine Gratis-24h-Ärztehotline.
In der Kombination wird ein umfangreiches Fitnessprogramm plus Hotelurlaub und medizinischer Checks geboten; abschließbar ist es in Kombination mit einer Krankenversicherungspolizze. Besonders spannend ist „VitalPlan Plus”, das es nur für Krankenhaus-Sonderklasse-Versicherte gibt.
Hier werden zusätzlich zur staatlichen Vorsorgeuntersuchung spezielle Gesundheitsdaten erhoben (z.B. Oberbauch- und Nieren-Ultraschall). Danach kommt ein normiertes weiteres Prüfverfahren (u.a. EKG-Untersuchungen), zwei Wochen Gratis-Training und bis zu 50% Rabatt bei Partner-Fitnesscentern der Uniqa hinzu.
Wer zwei Jahre in Folge dieses Vorsorgeprogramm absolviert und beim FitnessProfil (das ist das Prüfverfahren) zweimal hintereinander den Normwert erreicht, wird laut aktueller Uniqa-Leistungs­beschreibung mit „1 Gratisaufenthalt in einem VitalPlan Hotel” und „1 Prämiengutschrift für eine Uniqa-Krankenhauskosten-Versicherung” belohnt.
Übrigens bietet die Uniqa, wie viele andere Versicherer auch, ­einen Prämienrabatt im Nach­hinein, wenn während des Jahres kein Leistungsfall eingetreten ist.

„Unser Beitrag zur Gesundheit”

Auch die Vienna Insurance Group (VIG)-Tochter Wiener Städtische hat neuerdings das „Besser-Leben”-Programm im Angebot: „Unser aktiver Beitrag zu einer gesünderen Lebensweise” (Eigenbeschreibung). Dabei haben Versicherte die Möglichkeit, alle zwei Jahre eine der Leistungen aus dem Besser-Leben-Programm in Anspruch zu nehmen.

Der Kunde hat die Wahl zwischen einem Wellnessaufenthalt in einem Partnerhotel, einer Mitgliedschaft in einem Partner-Fitness-Club und einer umfassenden Vorsorgeuntersuchung in einer medizinischen Einrichtung wie z.B. dem Wiener mediclass-Zentrum.
Eine dieser Leistungen kann auf Wunsch sofort nach dem Abschluss des Programms in Anspruch genommen werden (danach alle zwei Jahre). Seit 2016 ist die Buchung auch online möglich und mit „Besser-Leben Junior” gibt es jetzt auch eine Variante für unter 14-Jährige.
Die neue VIG-Chefin Elisabeth Stadler will heuer übrigens einen besonderen Fokus auf die Krankenversicherung legen: Sie werde immer wichtiger, da in vielen Ländern die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems diskutiert werde.

Von Schulmedizin bis Feng Shui

Ein Spezialist in der Krankensparte ist die Merkur Versicherung, die unter anderem die Gesundheitsvorsorge-Programme ego4you und time4me im Angebot hat.

Mit ego4you können Versicherungsnehmer alle zwei Jahre ihr Programm auswählen: ob klassische Schulmedizin, fernöstliche Medizin oder spezielle Programme für mehr Lebensenergie und ­Lebensfreude, wie es heißt.
Wellness-Wochen bietet dagegen time4me. Auch die Merkur Versicherung hat spezielle „Gesundheitspartner” unter den Fitness­studios und Hotels.

Ansparen fürs Alter

Von einer ganz anderen Richtung geht der Versicherungsriese Allianz das Thema in Österreich an: Man bietet neuerdings mit „PrämienBonus 65” ein Produkt an, das die Prämie für den Sonderklassetarif im Krankenhaus ab dem Alter von 65 Jahren halbiert.

Dafür muss bis dahin freilich mehr Prämie bezahlt werden. Diese Variante kann auch nachträglich abgeschlossen werden. Die Idee ist also, die Fixkostenbelastung im Alter zu senken, in dem man in jungen und gesünderen Jahren (mit Aktiveinkommen) dafür anspart.

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