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Konjunktur brummt – Pleiten legen zu in CEE © APA/AFP/Bartosz Siedlik
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Redaktion 19.10.2018

Konjunktur brummt – Pleiten legen zu in CEE

Trotz hoher Auslastung und solider Nachfrage gibt es im CEE-Raum mehr Insolvenzen, meldet Coface.

••• Von Reinhard Krémer

Die Zahl der Insolvenzen in Zentral- und Osteuropa stieg im Vorjahr an, obwohl die Region in diesem Jahr mit 4,5% den höchsten Anstieg des durchschnittlichen BIP-Wachstums seit 2008 erwirtschaftete.

Privater Konsum und Eingänge durch die Erholung der Anlageinvestitionen leisteten einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum. Dennoch reichte das günstige Geschäftsumfeld 2017 nicht aus, um die Liquiditätssituation der Unternehmen zu verbessern, wie die aktuelle Coface-Insolvenzstudie für Zentral- und Osteuropa zeigt.

Die Trendumkehr

Während 2016 und 2015 ein Rückgang von -6 und -14% zu verzeichnen war, stiegen die Insolvenzen im Jahr 2017 um 6,4%. Insgesamt neun Länder zeigten zunehmende Insolvenzzahlen: Kroatien, Estland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowenien und Ungarn.

Nur fünf CEE-Länder hatten weniger Insolvenzen als im Vorjahr: Bulgarien, Lettland, Slowakei, Tschechische Republik und die Ukraine. Innerhalb der Region zeigten sich große Unterschiede. Den größten Rückgang der Insolvenzen verzeichneten die Slowakei mit -27,1% und die Tschechische Republik mit -26%.
Leichte Erhöhungen von +2,4% gab es in Estland und in Rumänien (+2,5%). Zu einem massiven Anstieg von +40,1% kam es in Kroatien. Die Gründe für die abnehmende Geschäftsliquidität, die in einigen Fällen zu Insolvenzen führten, waren einheitlich.
„Eine hohe Kapazitätsauslastung und eine solide Nachfrage haben die Unternehmen dazu bewogen, ihre Kapazitäten zu erweitern”, erklärt Grzegorz ­Sielewicz, Regional Economist ­Coface Central & Eastern Europe.

Gründe sind bekannt

„Zudem führte die positive Konjunktur dazu, dass trotz des hohen Wettbewerbs in einigen Branchen neue Unternehmen gegründet wurden. Die Unternehmen erzielten zwar häufig Umsatzsteigerungen, aber geringere Gewinnzuwächse. Die Gewinne wiederum wurden durch steigende Kosten, einschließlich des Lohnwachstums und der höheren Kosten für Vorleistungen, eingeschränkt. Dies bestätigt der beschleunigte Erzeugerpreisindizes”, so Sielewicz.

Zu wenige Fachkräfte

Zudem wurde der Fachkräftemangel zu einem Hauptproblem für Unternehmen in der Region. Dies bremst Aktivität und Expansion. Laut den Konjunkturerhebungen von Eurostat gaben die Unternehmen diese Barriere häufiger als Unsicherheit an als die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. Die wirtschaftliche Beschleunigung ist somit nicht der einzige Faktor, der die Liquidität der Unternehmen beeinflusst.

„Für 2018 und 2019 prognostizieren wir einen weiteren Anstieg der Insolvenzen in der Region. Dies bestätigt einen Wandel eines Konjunkturzyklus in Zentral- und Osteuropa”, erklärt Declan Daly, CEO Coface Central & Eastern Europe.

Deftiger Anstieg in Polen

„2018 wird die durchschnittliche Zahl der Insolvenzen um +10,4% steigen und mehr Länder eine Zunahme der Verfahren verzeichnen. In Polen erwarten wir eine Zunahme von +20,2% bei Unternehmensinsolvenzen und Restrukturierungsverfahren. In Serbien und der Slowakei hingegen werden die Insolvenzen zurückgehen. Bedingt durch ein schwächeres Wirtschaftswachstum, wird der Anstieg in der Region im Jahr 2019 plus 15,9% betragen”, sagt Daly.

„Diese Entwicklungen haben für Österreich enorme Bedeutung”, erläutert Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Österreich. „Die Handelsbeziehungen zwischen Österreich und den CEE-Ländern sind nicht nur traditionell sehr eng, sie haben sich in den letzten Jahren intensiviert. 1/5 aller österreichischen Exporte gehen in die CEE-Region, die Hälfte davon in die benachbarten Länder Tschechische Republik, Ungarn, Slowakei und Slowenien”, so Tawrowsky.

Rot-weiß-rote Investitionen

Der Automobilsektor sei nach wie vor dominierend, aber auch andere Sektoren seien für den Handel wichtig. „Die Beziehung zwischen Österreich und CEE wird wesentlich durch die heimischen Investitionen in der Region geprägt. Etwa jeder zehnte Euro, der in Zentral- und Osteuropa investiert wird, kommt aus Österreich”, sagt Tawrowsky. Anteil der österreichischen FDI-Bestände in CEE: über 28%. Hauptziele sind die Tschechische Republik, Rumänien, Ungarn, Russland und Slowenien.

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