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Neue starke Partner wollen den Fondsmarkt aufrollen © Union Investment
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reinhard krémer 20.05.2016

Neue starke Partner wollen den Fondsmarkt aufrollen

Die Union Investment will mit den Volksbanken bei Fonds ordentlich mitmischen; Marc Harms, Union Investment Austria, sagt, wie.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. 2015 hat der deutsche Fondsriese Union Investment das Fondsgeschäft der ÖVAG gekauft. medianet sprach mit dem Direktor der Union Investment Austria, Marc Harms, über die weitere Strategie, die neuen Schwerpunkte und seine Erfahrungen in Österreich.
medianet: Sie liegen bei Publikumsfonds auf Platz Drei in Deutschland. Mit welchem Marktvolumen rechnen Sie realistischerweise in Österreich bzw. welche Umsätze und Marktposition streben Sie hierzulande an?
Marc Harms: Österreich stellt für Union Investment einen der wichtigsten ausländischen Märkte dar. Unser Ziel ist es aktuell, den Marktauftritt zu vertiefen und weitere Kundengruppen zu erschließen. Bislang konzentrierten sich die Aktivitäten von Union Investment in Österreich auf institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Vorsorgekassen und Versicherungen sowie auf vermögensverwaltende Einheiten von Banken. Künftig können durch den lokalen KAG-Status Spezialfonds nach österreichischem Recht angeboten und die Kundenansprache nunmehr auf Stiftungen und öffentliche Institutionen erweitert werden. Union Investment will jedoch nicht nur das bestehende institutionelle Geschäft in Österreich kräftig ausbauen, sondern auch in einer engen Zusammenarbeit mit den Primärbanken das Privatkundengeschäft. Mit dem Markteintritt und der Beibehaltung der übernommenen Geschäftseinheiten zeigen wir ein starkes Commitment für den österreichischen Markt. Die örtliche, sprachliche und regulatorische Nähe beider Länder ist hierbei ein klarer Marktvorteil, hinzu kommt eine vergleichbare Kultur der genossenschaftlichen Unternehmen.

medianet: Kann man die Fonds der Union Invest jetzt in allen Volksbanken in Österreich kaufen? Sind die Berater darauf bereits ­geschult?
Harms: Seit Jahresanfang sind insgesamt knapp 120 Union Investment Fonds zum Vertrieb in Österreich zugelassen. Unsere Anleger profitieren somit von einer breiten und mehrfach ausgezeichneten Produktpalette. Sämtliche Berater und Beraterinnen wurden bereits geschult, Workshops finden laufend im gesamten Sektor statt. In Kombination mit einer guten Beratung der regionalen Volksbank bekommen unsere Kunden somit nun einen deutlichen Vorteil bei der Geldanlage.

medianet: Auf welchen Fonds wird der Schwerpunkt in der ­Beratung liegen?
Harms: In Zeiten eines aktuell so niedrigen Zinsniveaus möchten wir unserer Kunden Alternativen zu klassischen Sparmöglichkeiten aufzeigen. Welcher Fonds zu welchem Anleger passt, muss immer in einem persönlichen Gespräch mit dem Berater in den Volksbanken geklärt werden. Besonders nachgefragt werden von unseren Kunden aktuell aber sogenannte Multi-Asset-Fonds, die ihr Vermögen auf verschiedene Anlageklassen verteilen und gleichzeitig das individuelle Sicherheitsbedürfnis abdecken.

medianet: Werden im Gegenzug die Fonds der Volksbank Invest, die jetzt Union Investment Austria heißen, auch in Deutschland vertrieben?
Harms: Union Investment ist in Deutschland bereits seit 60 Jahren am Markt erfolgreich vertreten. Als Vollsortimenter beinhaltet die bestehende Produktpalette umfassende Lösungen für alle nachgefragten Anlegerbedürfnisse. Die Notwendigkeit, die österreichischen Produkte nach Deutschland zu bringen, ist daher nicht vorhanden.

medianet: Gibt es einen Know-how-Transfer zwischen den österreichischen und deutschen Fondsmanagern?
Harms: Ein wechselseitiger, enger Informations- und Meinungsaustausch ist wichtig und spiegelt auch den Teamansatz von Union Investment wider. Ein Beispiel für den Wissenstransfer ist das übergeordnete Union Investment Committee (UIC; Anm.), das die Einschätzungen und Anlage­ideen aller Bereiche des Portfoliomanagements bündelt und die Kapitalmarktstrategie von Union Investment definiert. Von diesem Orientierungsrahmen profitieren dann alle Fondsmanager bei ihrer täglichen Arbeit.

medianet: Fürchten Sie Probleme beim Navigieren des Supertankers Union Investment in den im Vergleich zu Deutschland doch deutlich seichteren österreichischen Gewässern?
Harms: Durch die Zusammenarbeit und den intensiven Austausch mit den österreichischen Volksbanken erhalten wir sehr schnell eine Rückmeldung, welche Wünsche die Kunden vor Ort haben. Union Investment mag zwar aufgrund der Größe wie ein Supertanker wirken, kann aber durch die enge Verzahnung mit den lokalen Banken sehr schnell auf Veränderungen reagieren und attraktive Lösungen zur Verfügung stellen.

medianet: Was gefällt Ihnen an der österreichischen Mentalität besonders gut?
Harms: In der Zusammenarbeit ist eine offene, aufnehmende Art durch die österreichischen Geschäftspartner klar bemerkbar. Es zählt die Handschlagqualität, das heißt besprochene Sachen werden auch so umgesetzt – das sehe ich als solide Basis einer langfristig für beide Seiten erfolgreichen ­Partnerschaft.

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