WIEN. Die Stimmung im heimischen Mittelstand bleibt insgesamt verhalten. Das zeigt die aktuelle Frühjahrsumfrage von Creditreform unter ca. 1.400 mittelständischen Unternehmen in Österreich. Demnach liegt das Creditreform Geschäftsklimabarometer für den Mittelstand mit minus 3,8 Punkten weiterhin im negativen Bereich, hat sich jedoch leicht von den Tiefständen der Vorjahre erholt. Für einen positiven Indexwert reicht es bislang aber noch nicht.
Kraftvoll wird leider nichts
Die Einschätzungen der Unternehmen lassen auch für die kommenden Monate keinen kräftigen Aufschwung erwarten. In allen Wirtschaftssektoren sind die Geschäftserwartungen negativ, besonders ausgeprägt im Bauwesen. „Im heurigen Jahr dürften die Auswirkungen des Nahostkonflikts das Wirtschaftswachstum dämpfen und die Geschäftserwartungen im Mittelstand bleiben verhalten. Zwar haben sie sich im Vergleich zum Vorjahr etwas aufgehellt, insgesamt überwiegt jedoch weiterhin der Pessimismus“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform.
Das zarte Pflänzchen Hoffnung
Im Mittelstand rechnen 17,3% der Befragten in den nächsten Monaten mit steigenden Auftragseingängen, während 21,3% Rückgänge erwarten (i.e. negativer Saldo von 4,0 Prozentpunkten).
Der Anteil der Pessimisten ist damit zwar gesunken, dennoch bleiben positive Erwartungen die Ausnahme. Nur im Dienstleistungssektor überwiegen mehrheitlich steigende Auftragserwartungen. Die Umsatzerwartungen zeigen eine leichte Aufhellung: 19,6% der Unternehmen rechnen im nächsten halben Jahr mit steigenden Umsätzen. Gleichzeitig erwarten weiterhin 21,3% einen Rückgang – im Vorjahr waren es noch rund 30%. Insbesondere im Handel und im Dienstleistungssektor überwiegen inzwischen die positiven Erwartungen.
Die Inflation zieht wieder an
Die Preisdynamik dürfte in den kommenden Monaten wieder etwas zunehmen. 22,0% der mittelständischen Unternehmen planen Preiserhöhungen – im Vorjahr hatten dies 19,1% der Befragten angekündigt. Weniger als jeder zehnte Betrieb (9,4%) plant hingegen Preissenkungen. Aufgrund gestiegener Rohstoffkosten dürfte die Inflationsrate erneut über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von rund zwei Prozent liegen.
Steigende Preise zeichnen sich vor allem im Bauwesen ab. Knapp 30% der befragten Bauunternehmen planen Preiserhöhungen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch im Handel werden Preiserhöhungen erwartet. 27,4% der befragten Unternehmen beabsichtigen, ihre Preise anzuheben. Auch dieser Anteil liegt über dem Vorjahreswert (21,5%). Im Verarbeitenden Gewerbe dürften die Angebotspreise in den kommenden Monaten hingegen weniger stark steigen.
Die Bürokratie muss weg
Die Eigenkapitalsituation im Mittelstand hat sich zuletzt verschlechtert. Schwache Erträge bremsen den Kapitalaufbau, während Verluste teilweise durch Eigenkapital gedeckt werden müssen. Der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen ist dadurch gestiegen: 20,1% verfügen über eine Eigenkapitalquote von höchstens 10%. Gleichzeitig weisen nur noch 40,8% der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30% auf.
Als wichtigste wirtschaftspolitische Themen nennt der Mittelstand den Bürokratieabbau (79,0%), gefolgt von den Energiekosten (64,2%) und dem Fachkräftemangel (59,8%). Die Dringlichkeit des Bürokratieabbaus hat sich gegenüber dem Vorjahr weiter erhöht. Auch die Bedeutung der Inflation hat zugenommen: 56,8% der Unternehmen sehen sie als zentrales Problem und fordern mehr Engagement der Wirtschaftspolitik. (rk)
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