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Unrentabel für Kleine © AFP

Fatale Nebenwirkungen der globalen Regulierungsagenda, vor allem jener der EZB.

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Fatale Nebenwirkungen der globalen Regulierungsagenda, vor allem jener der EZB.

02.10.2015

Unrentabel für Kleine

Studie: Kosten für Anlegerschutz übersteigen Ertrag aus Wert­papier­geschäft bei Häusern mit weniger als 50 Mio. Bilanzsumme.

FRANKFURT. Der Verkauf von Wertpapieren ist für kleine Banken wegen der steigenden Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu einem Verlustgeschäft geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom deutschen Genossenschaftsverband BVR finanzierte Studie der Professoren Roman Inderst und Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt.

Bei Geldhäusern mit einer Bilanzsumme von weniger als 50 Mio. Euro übersteigen die Kosten zur Einhaltung der Anlegerschutzgesetze inzwischen die Erträge aus dem Wertpapiergeschäft, wie Inderst erläuterte. Seiner Einschätzung nach belaufen sich die Kosten für neue Informations- und Dokumentationspflichten bei allen Genossenschaftsbanken pro Jahr auf rund 100 Mio. Euro. Die Studie unterstreicht, dass kleine Banken durch die verschärften Aufsichtsregeln überdurchschnittlich belastet werden. Die Untersuchung basiert auf der Befragung von mehr als 500 Volks- und Raiffeisenbanken, die meisten Schlussfolgerungen dürften aber auch für kleine ­Sparkassen und Privatbanken zutreffen.

Noch mehr Kosten für AnaCredit

Neben dem Anlegerschutz machten den Instituten die höheren Anforderungen im Meldewesen zu schaffen, sagte Inderst. Durch das geplante Kreditregister der Europäischen Zentralbank (EZB) drohe weiterer Gegenwind. Die EZB möchte künftig alle Kredite ab 25.000 Euro zentral erfassen (AnaCredit), bisher liegt die Obergrenze bei 1 Mio. Euro. Die Bundesbank erwägt zudem, auch alle Kredite unter 25.000 Euro abzufragen. BVR-Präsident Uwe Fröhlich hat dafür kein Verständnis. „Daten-Friedhöfe anzulegen, sollte nicht der Ehrgeiz der Bundesbank sein.”

Auswirkungsstudien gefordert

Für kleine Volks- und Raiffeisenbanken steige der Druck, mit anderen Instituten zu fusionieren. Inderst fordert, dass EZB und Regierung künftig nach dem Vorbild der UK-Finanzbehörde FCA kurze Auswirkungsstudien veranlassen, bevor sie neue Regeln erlassen. (ag)

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