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Wenn Hochhäuser zum Assekuranzrisiko werden
03.04.2015

Wenn Hochhäuser zum Assekuranzrisiko werden

Allianz Report Drang nach oben: 75 Prozent der höchsten Gebäude in Österreich wurden seit dem Jahr 2000 errichtet

Feuer, Windlast und Naturkatastrophen machen beim Thema „Wolkenkratzer” Kopfzerbrechen.

Wolkenkratzer: Der Wiener DC-Tower liegt europaweit auf Platz 20 im Höhenranking.

Wien. Ein normaler Hausbau birgt schon Etliches an Risiken, der Bau eines Hochhauses hat es aber noch ganz anders in sich. So analysierte der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) im aktuellen Supertall Buildings Risk Bulletin die Herausforderungen und größten Risiken beim Bau von Hochhäusern weltweit.Dabei zeigt sich, dass Feuer eines der Top-Risiken für Hochhäuser ist – speziell während der Bauphase, so das Risk Bulletin.

Darüber hinaus sind es vor allem Naturkatastrophen, die für hohe Gebäude gefährlich werden: Das Fundament von Hochhäusern muss stark genug sein, um Erdbeben und Stürme gefahrlos zu überstehen. Weitere Gefahren sind Überschwemmungen und Wasserschäden – gerade zum Baustart sind Risiken wie Sturzfluten zu berücksichtigen, die große Baugruben fluten können.Der jüngste Bauboom lässt sich auch aus den aktuellen Zahlen ableiten: 55 Prozent der höchsten Gebäude der Welt entstanden in den letzten vier Jahren. Noch in diesem Jahr wird der weltweit 100ste Wolkenkratzer mit über 300 Meter Höhe fertiggestellt. Dabei ist eine Verlagerung von den USA nach Asien deutlich erkennbar: Die überwiegende Mehrheit derartiger Bauprojekte konzentriert sich heute auf China, Südostasien und den Mittleren Osten. Aber nicht nur in Asien ist der Hochhaus-Boom sichtbar: Wie der Allianz-Vergleich zeigt, bestätigt sich der internationale Trend auch hierzulande. „75 Prozent der 20 größten Gebäude Österreichs wurden seit dem Jahr 2000 gebaut”, erklärt Ole Ohlmeyer, Country Manager von AGCS Austria. Österreichs einziger „echter” Wolkenkratzer, der DC Tower 1 in der Donaucity in Wien, wurde 2013 errichtet und nimmt mit 220 Metern in der Europa-Rangliste aktuell den 20. Platz ein, weltweit befindet sich der DC Tower 1 allerdings nicht unter den Top 100. Österreichs 20 höchste Gebäude weisen aktuell eine durchschnittliche Höhe von rund 113 Metern auf – knapp sechs Meter höher als die Freiheitsstatue in New York. Beim Bau von immer höheren Wolkenkratzern betreten Bauunternehmer und Versicherer jedenfalls Neuland – es entstehen dadurch auch neue Risiken, wie zum Beispiel das Design-Risiko; darunter versteht man die Gefahr von Fehlkonstruktionen, die bei „Supertall-Buildings” weitaus schwerwiegendere Folgen als bei kleineren Projekten haben.

Enorme Herausforderungen

Viele der Wolkenkratzer sind einmalige Projekte, bei denen erstmals neue Baumaterialien zum Einsatz kommen, die bis zu diesem Zeitpunkt beispielsweise nur in Windkanälen getestet worden waren. Die immer kurzfristigeren und komplexeren Bauprojekte stellen auch die Versicherer vor enorme Herausforderungen. Dabei geht es vor allem um die Bewertung und Steuerung der komplexen Risiken dieser außergewöhnlichen Projekte. „Die Projektbegleitung der Versicherer in Form einer engen Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, in der Bau- als auch in der Planungsphase, ist besonders wichtig”, erklärt Ahmet Batmaz von AGCS.

Aufzugstechnik bremst

Aufgrund der außerordentlichen Dimensionen der derzeit höchsten Gebäude und der Tatsache, dass ihr Wert schnell über die 1-Mrd.-Euro-Marke steigt, wird das Gesamtprojekt generell von einem Konsortium von (Rück-)versicherern versichert. Den Drang nach oben – Entwürfe für den ersten „Mile-High”-Turm (Höhe von 1,6 Kilometern) gibt es bereits – bremsen noch Aufzugs-technik und Baumaterialien; findige Ingenieure könnten auch das in Zukunft lösen.(rk)

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