HEALTH ECONOMY
Insolvenzen kosten die  Kassen heuer Millionen © APA/Herbert Pfarrhofer
© APA/Herbert Pfarrhofer

Redaktion 11.02.2016

Insolvenzen kosten die Kassen heuer Millionen

Zielpunkt und bauMax lassen die Einnahmen der Kassen ­schrumpfen. Entlastung bringen neue Jobs aus der Pharmaindustrie

••• Von Martin Rümmele

WIEN/ST. PÖLTEN. Die jüngsten Insolvenzen von Zielpunkt und bauMax belasten die Gebietskrankenkassen – vor allem jene von Wien und Niederösterreich. Denn mit den Jobs fallen teilweise auch Einnahmen für die Kassen weg. 1.250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verlieren etwa nach der Zielpunktpleite ihren Arbeitsplatz, knapp 500 davon in Wien. Neben Wien sind vor allem auch Niederösterreich, das Burgenland und die Steiermark betroffen. Von den mehr als 3.000 ehemaligen bauMax-Mitarbeitern verlieren etwa 500 den Arbeitsplatz. Der Löwenanteil der Betroffenen dürfte auf Niederösterreich entfallen. Die Beispiele führen bei genauerer Betrachtung auch vor Augen, wie stark die Krankenkassen mit Entwicklungen der Konjunktur und am Arbeitsmarkt zusammenhängen.
Schulden als Problem
„Egal, ob eine Firma insolvent wird, absiedelt, ein Standort ausgebaut oder eine Firma gegründet wird, die zuständige Krankenkasse ist von diesen Entwicklungen immer betroffen“, sagt WGKK-Obfrau ­Ingrid Reischl, die auch Vorsitzende der Trägerkonferenz im Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist. Die Auswirkungen für die Kassen hängen im Fall einer Insolvenz davon ab, ob die Firma die Beiträge für ihre Dienstnehmer bis zum Ende entrichtet hat oder nicht. Wenn eine Firma insolvent wird, aber bis zum Ende die Beiträge entrichtet hat, sind die Folgen weniger schwer, als wenn ein Unternehmen am Tag der Pleite der zuständigen Krankenkasse Beiträge schuldig ist.  
Schätzt man die Folgen der Zielpunktpleite für die WGKK beziehungsweise von bauMax für die NÖGKK, dürften beide Kassen rund  eine Million Euro an Krankenversicherungseinnahmen pro Jahr verlieren – vorausgesetzt, die betroffenen Beschäftigten finden in dieser Zeit keinen Job.  
Entlastung könnte der Wiener Krankenkasse jener Sektor bringen, die Obfrau Reischl zuletzt aus Verursacher von steigenden Ausgaben kritisierte – die Pharmabranche. Wie berichtet, haben neue Medikamente im Bereich Hepatitis C und gegen Krebs der Kassen Ausgabensteigerungen in zweistelliger Millionenhöhe allein im Vorjahr gebracht.
Neue Jobs in der Pharmabranche
Zuletzt haben aber die Hersteller Boehringer Ingelheim und Baxalta angekündigt, insgesamt rund 650 neue Jobs in Wien schaffen zu wollen. Geht man davon aus, dass diese als hochqualifizierte Arbeitsplätze auch besser bezahlt werden wie jene bei Zielpunkt, dürfte die Kasse daraus rund zwei Millionen Euro an zusätzlichen Krankenversicherungseinnahmen lukrieren. „Bei gut bezahlten Jobs kommt hinzu, dass Personen, die besser als der Durchschnitt verdienen, in der Regel weniger krank sind und somit weniger Leistungen benötigen“, heißt es aus der WGKK.

Zu einem Geldsegen könnte eine andere Entwicklung führen: Wie berichtet, sollen die rund 3.300 aktiven Mitarbeiter der Bank Austria, für die die Bank Austria derzeit Pensionsträgerin ist, in das normale staatliche Pensionssystem überführt werden. Was die Pensionsversicherung Millionen kosten wird, bringt der WGKK Millioneneinnahmen. Statt bisher in der Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien (KFA) sind die Bank Austria-Mitarbeiter nämlich dann bei der WGKK versichert. Reischl bremst den Jubel aber. In der Vergangenheit haben die Gebietskrankenkassen viele Beitragszahler an die Beamtenversicherung BVA verloren. Dies kam zustande, weil das entsprechende Gesetz geändert und die Vertragsbediensteten von den Gebietskrankenkassen zur BVA gekommen sind.

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