HEALTH ECONOMY
ITSV GmbH: Wo alle Fäden zusammenlaufen © Dieter Sajovic/www.dieabbilderei.at

Service„Moderne Kundeninteraktiondurch Digitalisierung” betitelt sich der aktuelle Jahresbericht des zentralen IT-Dienstleisters der österreichischen Sozialversicherung.

© Dieter Sajovic/www.dieabbilderei.at

Service„Moderne Kundeninteraktiondurch Digitalisierung” betitelt sich der aktuelle Jahresbericht des zentralen IT-Dienstleisters der österreichischen Sozialversicherung.

sabine bretschneider 26.04.2019

ITSV GmbH: Wo alle Fäden zusammenlaufen

Sie steuern die Digitalisierung der Sozialversicherung: Hubert Wackerle und Erwin Fleischhacker im Gespräch.

••• Von Sabine Bretschneider

Es war im Jahr 2014, als die ITSV GmbH (IT-Services der Sozialversicherung GmbH) mit einem großen Festakt in Wien die ersten zehn Jahre des Unternehmens feierte. Fünf Jahre später ziehen Hubert Wackerle und Erwin Fleischhacker, Geschäftsführer der ITSV GmbH, im Gespräch mit media-net Bilanz zum „halbrunden” nächsten Jubiläum.

„Die Motivation zur Gründung der ITSV GmbH”, erzählt Erwin Fleischhacker von den Anfängen des Unternehmens, „war, systematisch Synergien im Bereich der Sozialversicherung zu suchen und zu lukrieren – durch die Bündelung von Standards, durch gemeinsame IT-Architekturen.” Es sollte „zentralisiert werden, was sinnvollerweise gemeinsam gemacht werden kann”.
Der jetzige Status, so Hubert Wackerle, sehe so aus, „dass die Rechenzentren konsolidiert und die gesamte IT von Hauptverband und Wiener Gebietskrankenkasse übernommen werden konnten”. Regionale Competence Center, Expertenpools, etwa in Linz und in Graz, betreuen weiterhin Bereiche wie Meldewesen oder Leistungswesen.

Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel im Technik- und IT-Bereich ist auch für die ITSV GmbH ein Dauerproblem, trotz Kooperationen mit Unis, mit Fachhochschulen und einigen HTLs. Die Lösung, die man gewählt hat: Man bildet selber Personal aus, Bürofachkräfte ebenso wie IT-Fachkräfte – „allerdings nur so viele, wie wir im Anschluss dann auch nachhaltig beschäftigen können”, so Wackerle. „Der Markt ist so umkämpft, wir halten überall den Angelhaken hinein.”

Das Employer Branding lässt man sich Zeit und Mühe kosten: Als Lehrbetrieb wurde die ITSV GmbH schon ausgezeichnet, als frauen- und familienfreundlicher Betrieb (die Frauenquote liegt, trotz Ausrichtung auf Technik und IT, bei ca. 30%) – „nicht nur im Backoffice-Bereich”, bekräftigt Wackerle, „sondern auch im technischen Bereich und in der Führungsebene”.

Mega-Wachstumspotenzial

Ein großes Thema war und ist die Digitalisierung: „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein Markt, der das größte Wachstumspotenzial überhaupt hat”, sagt Fleischhacker. Eine digitale SV-Inhouse-Entwicklung der ITSV GmbH ist beispielsweise das Online-Service-Portal der Sozialversicherung, „MeineSV”, für über 8,7 Mio. Versicherte.

Das Service-Portfolio, das inzwischen zum Teil auch per App am Smartphone nutzbar ist, reicht vom Einreichen der Wahlarztrechnung, der Antragstellung zur Selbstversicherung und dem Versicherungsdatenverlauf bis zur Übersicht über alle Arztbesuche und die Höhe des derzeitigen Pensionswerts.

Einsatz von KI

„Die Nutzung von MeineSV nimmt extrem zu”, so Wackerle. „Wir waren auch die ersten, die eine App mittels Handysignatur zugangssicher gemacht haben. Das Portal war der erste große Schritt in die Digitalisierung – und der zweite war, das Ganze auf das mobile Endgerät zu bringen. Allein 2.000 Wahlarztrechnungen kommen jeden Tag auf elektronischem Weg bei der SV herein.”

Eben erst wurde „eine Riesenausschreibung zum Thema Künstliche Intelligenz” gemacht, die sogar mit einem Preis für „die innovativste Ausschreibung im öffentlichen Bereich” ausgezeichnet wurde.
Der Hintergrund: Der wachsende Berg an elektronisch eingereichten Wahlarztrechnungen wird nach wie vor von Sachbearbeitern einzeln abgearbeitet. Hier soll demnächst eine KI vollautomatisiert und per Text Recognition eingreifen. Dann wird man die Rechnung hochladen, sie wird elektronisch ausgelesen und gleichzeitig der rückzuerstattende Betrag ermittelt. Mit Anfang 2020 wird die KI im Einsatz sein.

„Caro” im Einsatz für Wien

Ein weiteres eben erst fertiggestelltes Projekt ist der für die WGKK entwickelte Chatbot „Caro” (angelehnt an die e-Card). Caro beantwortet alle Fragen rund um das Angebot der WGKK – von der E-Card bis zur Gesundheitshotline. Wackerle: „Da sind wir schon stolz drauf, denn von der Erstanfrage bis zur Inbetriebnahme von Caro hat es genau vier Monate gedauert.”

Ein Mega-Projekt für die ITSV GmbH ist natürlich die von der Bundesregierung beschlossene Zusammenführung der Krankenkassen – und damit auch der SAP-Systeme, der Buchhaltungs- und Personalsysteme. „Das Fusionsprojekt hat jetzt natürlich Priorität eins bei uns”, sagt Fleischhacker. Der Zeithorizont für dieses äußerst anspruchsvolle Projekt ist ebenfalls der 1. Jänner 2020. Ganz nebenbei wurden im Laufe der vergangenen zehn Jahre massiv Kosten eingespart (siehe Grafik).
Bleibt dann noch Zeit für Innovationen? „Das muss sich ausgehen”, so Fleischhacker, „die Fusion ist ganz wichtig. Aber die Bereiche Innovation und Digitalisierung dürfen deswegen nicht gestört werden. Sonst steht man in ein paar Jahren vor einer Wand, die dann nicht mehr zu überbrücken ist.”
Parallel zur Großbaustelle Kassenfusion laufen Pilotversuche zur Tele-Rehabilitation, der Rollout der elektronischen Gesundheitsakte ELGA sowie die e-Medikation, für die ebenfalls demnächst der flächendeckende Rollout vorgesehen ist ... Noch jongliere man nicht mit zu vielen Bällen, versichert Wackerle. Aber den Spagat zwischen Infrastruktur, Konsolidierung, Fusion, Innovation und Digitalisierung zu schaffen, das sei schon „eine Herausforderung”.

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