HEALTH ECONOMY
Mehr Fälschungen © BMF/Wilke

Der Großteil der Arzneimittelfäschungen betrifft nach wie vor Potenzmittel, berichten Zoll und Finanzministerium.

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Der Großteil der Arzneimittelfäschungen betrifft nach wie vor Potenzmittel, berichten Zoll und Finanzministerium.

Martin Rümmele 20.04.2018

Mehr Fälschungen

Neuer Rekord bei Arzneimittelfälschungen: Der Zoll sieht einen Schaden von 109 Mio. € für Industrie und Großhandel.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Der österreichische Zoll hat im Vorjahr bei 1.018 Sendungen 54.895 Medikamentenplagiate aus dem Verkehr gezogen. „Arzneimittelfälschungen stellen die gefährlichste Form der Produktpiraterie dar”, sagt Finanz-Staatssekretär Hubert Fuchs und hält weiter fest: „Hier ist nicht nur der gesamtwirtschaftliche Schaden, sondern vor allem auch das gesundheitliche Risiko durch die Einnahme gefälschter Medikamente alarmierend.” Nachdem 2016 mit insgesamt 53.389 gefälschten Medikamenten bereits ein Höchststand erreicht worden ist, stellt sich mit dieser Bilanz neuerlich ein trauriger Rekord ein.

Enorme Schäden

Studien des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) zufolge belaufen sich die wirtschaftlichen Kosten der Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums in Österreich bei Arzneimitteln auf etwa 109 Mio. € pro Jahr – diese Zahl betrifft die Industrie und den Großhandel.

„Hinter den Medikamentenfälschungen steht eine organisierte Kriminalität – den Machern ist der gesundheitliche oder finanzielle Schaden für die betrogenen Kundinnen und Kunden angesichts ihres eigenen Gewinns egal”, stellt Gerhard Marosi, Produktpiraterie-Experte im Finanzministerium, fest und warnt: „Die Risiken beim Arzneimittelkauf im Internet dürfen nicht unterschätzt ­werden.”

Großteil aus Indien

98,78% der aufgegriffenen Medikamentenfälschungen kamen 2017 aus Indien. Der Vertrieb der Fälschungen erfolgt meist über Online-Portale, die den Konsumenten Echtheit und Seriosität vortäuschen. Oft werden die gefälschten Arzneimittel auf solchen Internetseiten auch beworben, indem eine Lieferung aus Deutschland angegeben wird. Hier bedienen sich viele Arzneimittelfälscher sog. Fulfillment Center, um die wahre Herkunft der Produkte zu verschleiern. Von allen 2017 aufgegriffenen Medikamentenplagiaten waren immerhin rund 43% über solche Fulfillment Center abgewickelt worden. Nach wie vor wurden 2017 hauptsächlich Potenzmittel vom Zoll sichergestellt.

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