HEALTH ECONOMY
Probiotische Pflege © PantherMedia/ternavskaia.o@gmail.com

Hauterkrankungen wie Neurodermitis hängen auch mit Bakterien zusammen. Andere Bakterien könnten aber helfen.

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Hauterkrankungen wie Neurodermitis hängen auch mit Bakterien zusammen. Andere Bakterien könnten aber helfen.

Redaktion 01.10.2021

Probiotische Pflege

Ein steirisches Konsortium aus Firmen und universitärer Forschung entwickelt Probiotika für die Haut.

GRAZ. Ein intaktes Mikrobiom schützt nicht nur den Darm, sondern auch die Haut als natürlichen Schutzschild. Ist dieses empfindliche System gestört, kann es zu schwerwiegenden Hautkrankheiten – wie Neurodermitits – kommen. Ein steirisches Konsortium – darunter die Interdisziplinären Gesellschaft für Sozialtechnologie und Forschung IGSF, das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib), die Medizinische Universität Graz und die Lactosan GmbH – setzt sich zum Ziel, eine natürliche, medizinische Hautpflege zu entwickeln.

Gefährliche Bakterien

Als äußerst gefährlich für die Gesundheit sind antibiotikaresistente Bakterien wie Staphylococcus Aureus (MRSA) einzustufen, welche ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung dauerhaft auf der Haut- oder Schleimhaut trägt, erklärt Projektleiterin Katrin Susanna Wallner. Ziel des Konsortiums und dem Human Technology Cluster HTS als Netzwerkpartner ist es, längerfristig ein breites Portfolio an Therapien und Anwendungen gegen unterschiedlichste Hautkrankheiten zu entwickeln. „In der Forschung hat sich gezeigt, dass bestimmte Arten von natürlichen Bakterien positive Wirkungen auf die Haut- und Schleimhautbarrierefunktion besitzen”, erklärt Wallner. Die meisten probiotischen Produkte werden bisher oral eingenommen und haben den Zweck, die Darmflora gesund zu halten. Die Haut probiotisch zu versorgen, ist jedoch ungleich schwieriger. Das liegt daran, dass in vielen Kosmetika mit hohem Wasseranteil Konservierungsstoffe zur längeren Haltbarkeit enthalten sind, welche auch die probiotischen Bakterien abtöten.

Megamarkt Clean Cosmetics

Langfristig sollen die Erkenntnisse in marktfähige Kosmetik- und Medizinprodukte umgesetzt werden. Ein konkreter Anwendungsfall ist für die Prävention und Spezialpflege bei Dermatitiden, wie etwa Neurodermitis oder Windeldermatitis, vorgesehen. Gemessen am hohen Marktvolumen von Hautpflegeprodukten für Babies und Kinder – allein 70 Mio. € in Österreich und Deutschland und 4 Mrd. € weltweit – könnte die neue probiotische Anwendung auf eine hohe Nachfrage stoßen und einen schonenderen, natürlicheren Therapieansatz gegen zahlreiche Hautkrankheiten bieten.

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