Schwere Probleme
© APA/dpa/Boris Roessler
Viele Erkrankungen und damit auch hohe Gesundheitskosten könnten durch Ernährungsumstellung verhindert werden.
HEALTH ECONOMY Redaktion 06.07.2018

Schwere Probleme

Ernährungsmediziner warnen: Die Zahl der Übergewichtigen steigt und damit auch die Zahl an Folgeerkrankungen.

••• Von Karina Schriebl

WIEN. „Es ist dramatisch.” Mit diesen Worten beschreibt Markus Pock, Gesundheitsökonom vom Institut für Höhere Studien (IHS), die ökonomische Bedeutung von Übergewicht und Adipositas. Allein die medizinischen Kosten der Diabetes mellitus würden laut einer Joanneum Research-Studie in Österreich rund 1,5 Mrd. € pro Jahr ausmachen, was fünf Prozent der Gesundheitsgesamtausgaben wären. Doch das ist nur ein Bruchteil. Denn Übergewicht wird auch für Herz-Kreis-Erkrankungen, Krebs, Arteriosklerose, Rückenprobleme und vieles mehr verantwortlich gemacht. Und: 3,4 Mio. Menschen in Österreich sind bereits übergewichtig.

Die Ursache dafür ist, dass die Österreicher zu viel und dazu auch noch das Falsche essen. Ein zu hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren, Transfetten, Zucker und Salz und eine zu geringe an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten steht weiterhin auf dem durchschnittlichen Speiseplan. Nicht das Wissen muss sich daher verändern, sondern das Verhalten, folgert Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin (ÖAIE).
Die simple Tatsache, dass die Energiebilanz bestimmt, ob man normal oder übergewichtig ist, hebt der Ernährungswissenschafter und Biochemiker Clemens Röhrl hervor: „Der Mensch hat über Jahrtausende in einem Mangelzustand gelebt”, so der Experte, daher sei er darauf konditioniert, Fett zu speichern, anstatt es auszuscheiden. „Es liegt also auf der Hand, dass wir in Zeiten des Nahrungsüberschusses ein Problem haben.”

Kleine Ursache, große Wirkung

Allein ein Krügel Bier pro Tag zusätzlich, das man sich etwa während der Fußball-WM angewöhnen könnte, bedeute 8,8 Kilogramm mehr Fett pro Jahr, erläutert Röhrl die „großen Auswirkungen von kleinen Modifikationen”. Aber diese gelte auch im Positiven, denn das eine Bier zu streichen, hätte natürlich langfristig den gegenteiligen Effekt.

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