HEALTH ECONOMY
Warum Ärzte fehlen © APA/Hans Punz

Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart fordert bessere Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte.

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Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart fordert bessere Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte.

Redaktion 25.09.2020

Warum Ärzte fehlen

Die neue Ärztestatistik zeigt, dass sich das Problem des Ärztemangels verschärft. Die Kammer fordert Lösungen.

WIEN. Die Ärztekammer fordert einen „nationalen Schulterschluss” gegen einen drohenden Ärztemangel. Vizepräsident Johannes Steinhart rief am Dienstag in einer Pressekonferenz Politik und Sozialversicherungen auf, der Nachwuchsförderung höchste Priorität einzuräumen. Gerade die Coronakrise habe gezeigt, wie wichtig die niedergelassenen Ärzte als erste Ansprechpartner seien. Steinhart begründete seine Forderung mit der Altersstruktur der Ärzte: Von den insgesamt 18.753 Ärzten mit Ordination werden 25,83% in fünf Jahren und 47,48% in zehn Jahren in Pension gehen.

Weniger Kassenärzte

Noch schlechter sieht die Situation bei den 7.205 Ärzten mit Vertrag bei der Gesundheitskasse aus. Hier werden in fünf Jahren 28% und in zehn Jahren 52% das Pensionsalter erreicht haben. Die Ärztekammer hat einen altersbedingten, jährlichen Nachbesetzungsbedarf von 969 Ärzten errechnet, allein um die pensionsbedingten Abgänge in niedergelassenen Bereich kompensieren zu können.

Steinhart bekräftigte als Folge dieser Entwicklung seine Forderungen nach mehr Geld für das Gesundheitssystem und nach besseren Rahmenbedingungen, um junge Ärzte gewinnen zu können. Außerdem bedürfe es international konkurrenzfähiger Arbeitsbedingungen, um Ärzte in Österreich halten zu können beziehungsweise sie zum Zuzug nach Österreich zu bewegen. Neben mehr Kassenstellen wünscht sich der Vizepräsident auch eine Übergangszeit, um das Pensionsalter von 70 Jahren für Kassenärzte aufzuheben. Und zu den Rahmenbedingungen gehört für Steinhart auch, dass die niedergelassenen Ärzte für ihre Umsatzeinbußen während des Shutdowns Kompensationszahlungen bekommen. Die meisten Praxen hätten zwar geöffnet gehabt, aber Patientenrückgänge um bis zu 90% verzeichnet, weil den Patienten von den Behörden geraten worden ist, Praxen nur im Ernstfall aufzusuchen.

Mehr Kompetenzen

Die Politik reagiert indes mit einer neuen Regelung bei Coronatests, die niedergelassene Ärzte stärker in den Fokus rückt. Am Mittwoch beschloss der Nationalrat, dass künftig auch niedergelassene Ärzte Coronatests machen können – bezahlt wird vom Bund via ÖGK.

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