INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Apple-Doyenne „iKuntner” © Tools at Work

Berenice Kuntner

© Tools at Work

Berenice Kuntner

Redaktion 15.04.2022

Apple-Doyenne „iKuntner”

Berenice Kuntner, CEO Tools at Work, über Innovationen, die Zukunft von Apple und was Blattschneiderameisen mit ihrem Team gemein haben.

WIEN. Im Jahr 1996 gründeten Walter Kuntner und seine Frau Berenice Tools at Work in der Wiener Zirkusgasse 40 – damals bereits mit zehn Jahren Erfahrung als Mitgründer von Hard+Soft, die die Vermarktung des damals neuen Apple-Computers (Macintosh Plus) im Fokus hatte.

Den Kern von Tools at Work bildet heute ein Stab von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die den Mac seit mehr als 30 Jahren kennen – ergänzt um junge Kolleginnen und Kollegen der neuen Technikergeneration. Viele von ihnen sind von Apple zertifizierte Spezialisten. Ihnen voran geht seit Jahren Berenice Kuntner, Österreichs Apple-­Doyenne und Innovationstreiberin. medianet bat zum Interview.

medianet: Seit dem ersten Mac­intosh in Wien in den Achtzigern ist viel Zeit vergangen – Mac, iPad, iPhone – wie wird sich nach Ihrer Einschätzung Apple weiterentwickeln? Und wie sollte sich Apple weiterentwickeln?
Berenice Kuntner: Klarerweise wird Apple bestehende Produkte weiterentwickeln, um Schnelligkeit und Leistungsfähigkeit weiter auszubauen. Dabei ist es meiner Meinung nach gar nicht nötig, dass alles immer schneller und stärker wird – das ist für die User manchmal sogar ein Nachteil.

Was soll noch alles beschleunigt werden? Sind wir doch ehrlich: Viele Menschen, natürlich auch jüngere, sind mit Multitasking einfach überfordert und kämpfen zum Teil mit den gesundheitlichen Auswirkungen. Was natürlich Sinn macht, sind die Bemühungen von Apple, die Produkte möglichst umweltverträglich und nachhaltig zu produzieren.
Ich finde, Apple sollte wieder mehr in die Langlebigkeit der Geräte investieren und weggehen von geschlossenen Systemen. Wenn wieder mehr Komponenten austauschbar wären, wie noch vor einigen Jahren, könnten wir mehr reparieren und damit zur Nachhaltigkeit beitragen. Warum muss ich bei einer defekten Festplatte ein ganzes Motherboard tauschen? Man sollte Apple-Geräte wieder ordentlich reparieren und updaten können und ein MacBook nicht wegschmeißen müssen, weil zum Beispiel die Festplatte für ein Update zu klein ist. Das wäre mein Wunsch an Apple.

 medianet: Ihr seid zwar die erste Adresse für Apple-Angelegenheiten, Tools at Work hat aber noch viel mehr zu bieten, das jetzt nicht zwingend mit dem angebissenen Apferl zu tun hat. Wie kam es dazu?
Kuntner: Das hat sich über die Jahre so entwickelt. Wir haben uns immer den Kundenwünschen entsprechend spezialisiert, zugehört, was unsere Kunden brauchen, und überlegt, wie wir ihnen dabei helfen können. Deshalb gibt’s zum Beispiel unseren Video/Audio-Bereich, in dem wir zahlreiche Kunden aus der Film- und Medienbranche betreuen. Oder auch Tools4Safe, unsere Abteilung für Gebäude-, Sicherheits- und Elektrotechnik, die wir gerade weiter ausbauen – mit Schwerpunkt auf die Errichtung von E-Ladestationen.

Es gibt laufend interessante Entwicklungen, bei denen wir einfach am Ball bleiben. Zum Beispiel wird Smart Home immer komplexer: Heute kann man nicht einmal sein Schlafzimmerlicht ohne iPhone ausschalten!
Oder Stichwort MDM, Mobile Device Management – das betrifft die Verwaltung der vielen mobilen Geräte in Firmen, wo wir den Kunden ein Tool in die Hand geben, um die Funktionstüchtigkeit und Güte der Batterien zu überprüfen oder festzustellen, ob das System aktuell ist, ohne ein Gerät in die Hand nehmen zu müssen. So kann man Geräte auch sperren, damit Daten nicht in die falschen Hände geraten.

medianet: Und dann auch noch Photovoltaik? Welche Rolle spielt ihr da?
Kuntner: Gerade in Zeiten wie diesen, wo wir feststellen, wie abhängig wir von fossiler Energie sind, bestätigt sich unser Weg, uns um nachhaltige Energiequellen im kleinen Bereich zu kümmern. Zielgruppe sind Leute, die sich energiemäßig so weit autark machen wollen, um ihre Kommunikation am Laufen zu halten. Hier bieten wir zum Beispiel in Zusammenarbeit mit einer innovativen Grazer Firma Photovoltaik-Module für Balkon und Garten an.

medianet:
Ich habe den Eindruck, der innovative Apple-Esprit längst vergangener Tage schlägt bei euch auf Bereiche durch, mit denen man Apple jetzt nicht gleich in Zusammenhang bringen würde? Zufall?
Kuntner: Nein, wenn man über 35 Jahre lang versucht, diesen Spirit zu tragen, bleibt das natürlich nicht aus. Gerade bei innovativen Energiekonzepten spielt die Steuerung eine große Rolle. Da bieten sich iPhone und iPad an. Diese Steuerungstechniken sind leider nicht ganz so einfach wie immer gedacht. Auch hier braucht man Spezialisten, die wir schon seit Langem ausbilden.

Ein Zukunftsthema ist für uns zum Beispiel Urban Gardening. Die Leute wollen etwas für die Umwelt tun und unabhängiger werden, aber das ist sehr aufwendig. Mit Steuerungstechnik via iPhone wird das Gemüsebeet am Balkon auch gegossen, während man auf Urlaub ist.

medianet: Sie haben zweifellos im Bereich Hard- und Software einiges kommen und gehen gesehen. Was war für Sie das Innovativste – das mit dem größten Wow-Effekt? Und was das Seltsamste bzw. Entbehrlichste?
Kuntner: Das Seltsamste war etwas, was die meisten Menschen gar nicht kennen, und zwar der Pippin, eine Spielkonsole von Apple. Ehrlich gesagt wissen wir gar nicht, ob die jemals wirklich geliefert wurde. Wir haben ein amerikanisches Einzelstück in unserem Archiv …

Das Coolste war sicher das erste iPhone. Mein Mann und ich sind damals bei der Vorstellung durch Steve Jobs im Auditorium in San Francisco in der zweiten Reihe gesessen und haben das Ganze live miterlebt.

medianet: Was planen die ‚Tulser' at für 2022?
Kuntner: Wie bereits erwähnt, planen wir den Ausbau unserer Elektrotechnik-Abteilung. Außerdem bietet uns der neue Mac Studio jetzt im Profibereich die Basis für neue, interessante Projekte. Auch unsere Schwesterfirma ToolsOnAir, die seit 2008 Software für Fernsehstationen entwickelt und weltweit vertreibt, sieht hier neues Potenzial.

medianet:
Tools at Work hat vor Kurzem die Patenschaft für die Blattschneiderameisen im Haus des Meeres übernommen. Was steckt da dahinter?
Kuntner: Wir sind relativ gut durch die Krise gekommen, das Haus des Meeres dagegen braucht Unterstützung. Daher haben wir uns entschlossen, die Patenschaft der Blattschneiderameisen zu übernehmen.

Diese kleinen Tierchen sind wie wir: sehr fleißig, perfekt organisiert und echte Teamplayer. Das entspricht auch unserer Philosophie: Die wirklich gute Zusammenarbeit eines Teams funktioniert nur, wenn Menschen auch lange zusammenarbeiten. Sie basiert auf Vertrauen zu und zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auf gegenseitiger Unterstützung. Die Kundin bzw. der Kunde ist Teil dieses Ganzen, viele von ihnen werden zu Freunden. Kurz und gut: Im ‚Tulser Dorf' in der Zirkusgasse hat man Familienanschluss! (hk)

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