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Bange Zeiten © AFP / Sergei Gapon

Die fehlenden Kalisalze aus Russland sind nur ein Grund von vielen für die trüben Konjunkturaussichten der IV.

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Die fehlenden Kalisalze aus Russland sind nur ein Grund von vielen für die trüben Konjunkturaussichten der IV.

Redaktion 29.04.2022

Bange Zeiten

2022 sei kein starker Wachstumsbeitrag der Industrie zu erwarten, so die IV, und blickt sorgenvoll auf die Inflation.

WIEN. Die heimische Industrie werde heuer laut Industriellenvereinigung (IV) nicht mehr jener Konjunkturmotor sein, wie sie es in Österreich zuletzt war – vor allem auch in der Coronakrise.

Für die Gesamtwirtschaft erwartet die IV heuer mit 3,25% ein geringeres Wachstum als Wirtschaftsforschungsinstitute und Notenbank. Damit dieses Wachstum erreicht werde, dürfe sich die Ukrainekrise nicht verschlimmern und schon gar kein Embargo auf russisches Gas kommen, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und -Chefökonom Christian Helmenstein.

Pessimistischer als IHS & Co.

Die IV sieht aus mehreren Gründen ein geringeres Wachstum für heuer. Ein Grund sei laut Helmenstein, dass man vom Tourismus einen geringeren Wachstumsbeitrag erwarte, als dies Institute wie Wifo, IHS oder OeNB täten. Dabei verwies er auf den Ukrainekrieg und fehlende Übersee-Touristen. Die Indus­trie gewichtet auch die immensen Lieferkettenprobleme schwerer als andere Institute oder etwa, dass fehlende Kalisalze aus Russland für Dünger auf viele Branchen wirkten.

Russische Aspekte

Ein weiterer Aspekt werde laut Helmenstein bisher wenig beachtet: Russland würde nämlich Investitionsgütereinkäufe in Europa absagen – und gerade Österreich sei ein Investitionsgüterlieferant. So käme es zu keinem „Recycling” der Gas-Ausgaben. Die Gelder würden nicht mehr wie bisher für Produkte aus Österreich zurückfließen. Auch das gewichte die IV in ihrer pessimistischeren Rechnung stärker.

Auch bei der Inflation hat die IV negativere Erwartungen. Die derzeit prognostizierte Inflation von 6,8% fürs heurige Jahr werde „nicht das Ende der Fahnenstange” sein, meint IV-Chefökonom Helmenstein: „Wir befürchten eine weitere Beschleunigung bis ins kommende Jahr hinein.” Sollte es zu einem Boykott von russischem Gas kommen, der die österreichische Wirtschaft vier- bis fünfmal stärker treffen würde als etwa jene in Frankreich oder Italien, erwartet die IV eine zweistellige Teuerung. (hk)

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