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Das Wachstumsklima wird zunehmend frischer © APA / AFP / Jean-Christophe Verhaegen
© APA / AFP / Jean-Christophe Verhaegen

Redaktion 23.09.2022

Das Wachstumsklima wird zunehmend frischer

Nach den aktuellen Konjunkturindikatoren sollte sich die heimische Wirtschaft im Winter besser warm anziehen.

••• Von Helga Krémer

WIEN. Die Tage werden wieder kürzer, die Sonne steht auch nicht mehr so hoch, und es wird merklich kühler – der Herbst des Jahres 2022 nähert sich in Riesenschritten. Dem nicht genug, hat sich den Ökonomieexperten der UniCredit Bank Austria zufolge auch die Abkühlung des Konjunkturklimas in Österreich fortgesetzt. Während die Probleme in den Lieferketten nur langsam nachlassen, stellen die Auswirkungen der hohen Energiepreise als Folge des Kriegs in der Ukraine eine immer stärkere Belastung für die österreichische Wirtschaft dar.

„Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im September auf minus 2,5 Punkte gesunken und liegt damit den zweiten Monat in Folge im negativen Bereich. Der erneute Rückgang senkt den Indikator auf den niedrigsten Wert seit dem Frühjahr 2020, als infolge des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie die österreichische Wirtschaft in eine Rezession schlitterte”, meint UniCredit Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Mittlerweile ist die Eintrübung der Konjunktur in allen Wirtschaftsbereichen spürbar. Nach der Abkühlung der Stimmung am Bau und in der heimischen Industrie seit Beginn des Kriegs in der Ukraine erhielt Ende des Sommers erstmals der Optimismus im Dienstleistungssektor einen deutlichen Dämpfer.”

Raues Klima

Während der Stimmungsrückgang am Bau im August angesichts der noch guten Auftragslage und nachlassender Lieferprobleme vorerst noch relativ gering war, habe sich das Konjunkturklima in der heimischen Industrie deutlich eingetrübt. Die Verschlechterung des Exportumfelds schlage sich laut Experten in einem rückläufigen Neugeschäft nieder. Zudem sei es nur zu einer geringfügigen Entspannung der Lieferverzögerungen gekommen, während die Kosten für Vormaterialien und vor allem für Energie erneut stark gestiegen seien und mittlerweile die Rentabilität der Produktion gefährden würden.

Rezession im Winter erwartet

Nach einem starken Jahresbeginn und der Wachstumsverlangsamung im Frühjahr signalisieren die aktuell negativen Werte des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators, dass eine moderat rückläufige Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Monaten bevorstehen dürfte.

Das kräftige Wachstum der ersten Jahreshälfte sei bereits über den Sommer weitgehend zum Erliegen gekommen, da die Industrie und die Bauwirtschaft nicht mehr zulegen konnten. Der Dienstleistungssektor hielt, gestützt auf den Tourismus, zwar dagegen, mehr als eine Stagnation im dritten Quartal dürfte jedoch nicht erreicht worden sein. Mit dem Ausfall des Dienstleistungssektors als Wachstums­träger dürfte gegen Ende 2022 die österreichische Wirtschaft in eine – voraussichtlich milde – Rezession abgleiten. Und dann?
„Nach der milden Rezession über den Winter erwarten wir mit einer beginnenden Entspannung der Inflation im weiteren Jahresverlauf 2023 eine langsame Erholung der Nachfrage und die Rückkehr der österreichischen Wirtschaft auf einen moderaten Wachstumspfad. Für das Gesamtjahr 2023 haben wir unsere BIP-Prognose von 1,5 auf nur noch 0,4 Prozent zurückgenommen”, meint UniCredit Bank Austria-Ökonom Walter Pudschedl.
Der Prognose unterliegt die Annahme, dass es zu keinen Produktionsausfällen aufgrund mangelnder Energieversorgung kommen werde, die Preisentwicklung jedoch aus Rentabilitätsgründen bei einzelnen Unternehmen zu Produktionseinschränkungen führen könne.

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