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Im Tourismusland Tirol blüht (auch) die Industrie © Jenbacher
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PAUL CHRISTIAN JEZEK 28.06.2019

Im Tourismusland Tirol blüht (auch) die Industrie

Fast drei Prozent Wirtschaftswachstum hatte das Heilige Land im Vorjahr – und die niedrigste Arbeitslosenquote.

••• Von Paul Christian Jezek

Den aktuellen Auftragsstand bezeichnen immerhin 55% der Tiroler Industrieunternehmen derzeit als gut; 42% der Firmen verfügen über die saisonübli­chen Aufträge.

Und auch an der Export-Front ist die Lage ähnlich: 50% bewerten die Situation als „gut” und für 43% der Befragten entsprechen die Auslandsauf­trä­ge den saisonalen Erwartungen.
Das sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Tirol.
Um das gute Niveau zu halten, sei allerdings auch die Politik gefordert: „Es geht um eine ausgewogene Steuerreform, wirksame Maßnahmen zur Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften, ein zukunftsorientiertes Bildungssystem und um wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen”, stellt dazu IV-Tirol-Präsident Christoph Swarovski fest.

Stabile Produktion

Im Einklang mit der Auftrags­lage gestalten viele Betriebe auch ihre Produktionsplanung für die nächsten drei Monate vorsichtig: Nur mehr sieben Prozent der befragten Unternehmen – das sind um 10 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Quartal – rechnen mit einer steigenden Produktion.

86% allerdings gehen von einer gleichbleibenden Lage aus, was für Stabilität und Kontinuität spricht.
Weiterhin gut sind die Aussichten für Mitarbeiter in der Tiroler Industrie: 76% der Unternehmen wollen ihren Beschäftigtenstand zumindest in den nächsten drei Monaten nicht verändern; 13 Prozent beabsichtigen, ihren Mitarbeiterstand auszuweiten.
Laut UniCredit Bank Austria Volkswirtschaft-Bundesländeranalyse weist Tirol mit 4,9 Prozent aktuell sogar erstmals die niedrigste Arbeitslosenquote Österreichs auf.
Insgesamt wies Tirol im Vorjahr 2,8 Prozent Wachstum auf, da das Heilige Land (wie auch Salzburg) zusätzlich von einem guten Tourismusjahr und einem starken Handel profitieren konnte. Dennoch gilt Tirol als Industrieland, weil der industrielle Sektor fast doppelt so viel erwirtschaftet wie der Fremdenverkehr: Der Produktionswert der Industrie hat 2018 um knapp vier Prozent auf mehr als 11 Mrd. € zugelegt, und die Zahl der Industrie-Mitarbeiter ist insgesamt auf mehr als 42.000 gestiegen.
In Sachen Steuerreform fordert die IV-Tirol vor allem eine Entlastung jener Unternehmen, die am Standort Österreich in Produktion und Arbeitsplätze investieren: „Wir halten an dieser Forderung fest und gehen davon aus, dass es weitere Anpassungen im Steuersystem geben wird. Sehr wichtig ist uns auch, dass die Entlastung der Wirtschaft für alle Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe und der Gesellschaftsform – gelten muss”, verlangt Swarovski. „Wir freuen uns, dass mit der Reform unseren Mitarbeitern mehr von ihrem Gehalt übrig bleibt. Das ist auch wichtig im Wettbewerb um die Fachkräfte.” Die Anpassung der Unternehmenssteuern sei absolut notwendig gewesen, denn auch nach der Senkung der KÖSt wird Österreich innerhalb der EU mit dem Steuersatz im oberen Mittelfeld liegen – weit über Deutschland mit 15 oder der Schweiz mit 8,5 Prozent.
Mit einem Plus von 1,4 Prozent auf aktuell 1.328 Lehrlinge konnte die Tiroler Industrie zuletzt zulegen. Die Tiroler Industrie leistet damit weiter einen wichtigen Beitrag zur qualifizierten Berufsausbildung.
Für Tirol erfreulich ist auch, dass nur 123 Lehrlinge – österreichweit sind es über 8.000 – in überbetrieblichen Einrichtungen ausgebildet werden müssen. Das zeigt deutlich, dass in Tirol die Unternehmen auch benachteiligten Jugendlichen als Lehrlinge eine Chance geben.

Das Lehrlingsproblem

Allerdings beweisen die Daten der Tiroler Wirtschaftskammer zum Lehrstellenmarkt deutlich, dass in Tirol der Lehrstellenüberhang nach wie vor sehr groß ist: 367 Lehrstellensuchenden stehen 1.551 offene Lehrstellen gegenüber. „Der Trend bei den Lehrstellen in der Tiroler Industrie gibt Hoffnung, es ist aber noch viel zu tun”, meint dazu der Geschäftsführer der IV-Tirol, Eugen Stark. So müsse etwa die Berufsorientierung in den Schulen weiter verbessert werden:

„Es braucht auch mehr Transparenz über Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten.”

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