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Industrie sieht keine Rezession in Österreich © IV
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PAUL CHRISTIAN JEZEK 03.05.2019

Industrie sieht keine Rezession in Österreich

Während die Ausgangslage vor Jahresfrist kaum besser sein konnte, kehrt nun doch etwas Ernüchterung ein.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Es geht um den Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und jener in sechs Monaten, wobei dafür mehr als 380 heimische Industrieunternehmen mit rund 252.500 Beschäftigten befragt wurden.

Gar nicht so kompliziert also – und vor allem: ein wichtiger Indikator mit sehr viel Aussage­kraft, der von der Industriellen­vereinigung regelmäßig erhoben wird. Aktuell hat sich das Konjunkturbarometer der IV vom (bereits reduzierten) Niveau der beiden Vortermine von 29,7 auf nunmehr 24,9 Punkte zurückgebildet. Der Rückgang ist dabei (ausschließlich) auf die neuerliche Eintrübung der aktuellen Geschäftslage von +60 auf +49 Punkte zurückzuführen.
Beim Geschäftsausblick für das nächste halbe Jahr ist dagegen sogar eine kleine Verbesserung von –1 auf +1 Punkt und somit bereits zum zweiten Mal eine Stabilisierung zu verzeichnen.

Der Blick über die Grenzen

„Einerseits zeichnet sich damit kein Abgleiten in die Rezession ab, andererseits wäre es verfrüht, schon die Wende zum Besseren auszurufen”, interpretiert IV-Chefökonom Christian Helmenstein diese Zahlen.

„Würden die aktuellen geopolitischen Risiken eine positive Wendung erfahren – etwa durch den Abschluss von Freihandelsabkommen zwischen den USA und China bzw. der EU oder auch einen Exit vom Brexit –, hellten sich die konjunkturellen Aussichten deutlich auf und die Risikoprämien auf den Aktienmärkten würden, verbunden mit steigenden Kursen, ausgepreist. Insbesondere die Investitionstätigkeit würde davon beflügelt, zumal das Zinsumfeld nach wie vor expansiv wirkt.” Zudem profitiert die österreichische Wirtschaft aufgrund ihrer starken Verankerung in Zentral- und Osteuropa von der anhaltenden Einkommenskonvergenz gegenüber Westeuropa.
Kommt es zu keinen substanziellen Änderungen, erwartet die IV ein zum Vorjahr vergleichsweise niedriges Wachstum in der Größenordnung von 1,5 bis 1,75 Prozent für Österreich 2019.
Helmenstein: „Umso wichtiger ist es, dass sich Österreich standortpolitisch bestmöglich positioniert. Neben der Bekämpfung des Fachkräftemangels kann eine kluge, ausgewogene Steuerreform hier ein optimaler Hebel sein.”

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