INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Romanzen & Vernunftehen © Amag

Kooperationen Die Start-ups nehmen bei Betrieben wie Amag (Bild), ­Borealis oder Lenzing die Rolle von Zulieferern oder Partnern in Joint Ventures ein, die in der Regel mit Test- und Pilotprojekten in einem Nischenbereich beginnen.

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Kooperationen Die Start-ups nehmen bei Betrieben wie Amag (Bild), ­Borealis oder Lenzing die Rolle von Zulieferern oder Partnern in Joint Ventures ein, die in der Regel mit Test- und Pilotprojekten in einem Nischenbereich beginnen.

Redaktion 07.09.2018

Romanzen & Vernunftehen

Wenn es um die zarten Bande einer technologisch-wirtschaftlichen Kooperation von Industriebetrieben mit Start-ups geht, „läuft’s” (fast) so wie beim Menschen.

LINZ. „Große Betriebe tun sich schwer mit Innovationen”, sagt Werner Pamminger, Leiter der oö. Standortagentur Business Upper Austria. „Das liegt an der Compliance und zum anderen am Effizienzauftrag, der den zum Erfinden notwendigen Freigeist zu stark einschränkt.”

Viele Traditionsbetriebe haben auch ihre liebe Not mit der unbekümmerten Strategie von Versuch und Irrtum, die für Start-ups typisch ist; ­Pamminger: „Wo Absicherungsmentalität herrscht, ist Scheitern imagemäßig ganz schlecht konnotiert.” Bei „Frischlingen” dagegen steht Scheitern quasi auf der Tagesordnung, wie tech2b-Geschäftsführer Markus Manz aus langjähriger Arbeit mit Start-ups weiß: „Das gehört zum Risiko, mit dem Start-ups ganz bewusst leben.”

OÖ versus Süddeutschland

Der beidseitige Nutzen einer Ehe der ungleichen Heiratskandidaten ist offensichtlich. In der Tat „vergeht kein Tag, an dem es nicht in den verschiedensten Formen zu einer Berührung zwischen Corporates und Start-ups kommt”, bestätigt Manz. Dafür haben er und sein Team mit der tech2b-Submarke Pier4 eine eigene Dockingstation geschaffen, auf der Leitbetriebe mit gezielt vorselektierten Start-ups in Kontakt kommen.

Mit aufblühender Gründerszene und bundesweit einmaliger Industriebetriebsdichte ist Oberösterreich der perfekte Markt für diese ‚Datingplattform': „Wir kämpfen nicht gegen Silicon Valley, auch wenn wir unter Garantie die bessere Infrastruktur für neue industrielle Anwendungen haben als in der Metropolregion San Francisco, sondern wir matchen uns mit Regionen wie Stuttgart und München”, erklärt der tech2b-GF – erfolgreich, denn bei den Pier4-Sessions präsentieren sich vermehrt Start-ups aus Süddeutschland und Tschechien, die in ihren Heimatregionen einen ähnlich gut gebahnten Zugang zu industriegesellschaftlichen Leistungsträgern missen.
Innerhalb kurzer Zeit haben Manz und Pamminger schon etliche Partnerschaften einfädeln können. Als Beziehungsstiftern liegen ihnen, allen Größen- und Altersunterschieden zum Trotz, Allianzen auf Augenhöhe am Herzen. Manz: „Die Industrie annektiert die Start-ups nicht, sondern begegnet ihnen mit Respekt für ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten. Allerdings ist die Branchenexklusivität der Partnerschaft schon immer ein ­Thema.” www.pier4.tech

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