INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Vorsorge ist besser © APA/AFP/Ronny Hartmann

Die systematische Erfassung von Risiken ist die Basis für ungestörte Lieferketten auch im Krisenfall.

© APA/AFP/Ronny Hartmann

Die systematische Erfassung von Risiken ist die Basis für ungestörte Lieferketten auch im Krisenfall.

Redaktion 27.03.2020

Vorsorge ist besser

Systematisches Risikomanagement wird im Mittelstand nach wie vor vernachlässigt – schlecht in Krisenzeiten wie diesen …

KÖLN/WIEN. Wenn kurzfristige (und noch dazu so starke) Krisen ausbrechen wie jetzt durch das Coronavirus, rächt es sich, wenn systematisches Risikomanagement vernachlässigt wird. Unternehmen, die wichtige Lieferanten in Italien oder Südostasien haben, könnten dann schon bald vor leeren Lagerhallen stehen.

„Basis für den Einsatz ausgefeilter Strategien ist die systematische Erfassung von Risiken”, erklärt Philipp Mall, Principal bei Inverto und verantwortlich für deren aktuelle Risikomanagementstudie. „Hier haben die Unternehmen definitiv Nachholbedarf.” So erfassen und bewerten laut Studie lediglich 55% der deutschen Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Mrd. € Risiken systematisch; von den kleineren und mittelständischen Unternehmen tun dies gar nur 29%.
Es ist davon auszugehen, dass die entsprechenden Zahlen in der österreichischen – ja noch „kleiner” geprägten – Firmenlandschaft nicht wesentlich anders aussehen …

Nicht „nur” das Virus …

Befragt nach den allgemeinen Geschäftsrisiken, geben 56% der Studienteilnehmer die Konjunkturschwäche an. Während Handelsbarrieren und Brexit als Risiken mit 52 und 48% nahezu gleich stark bewertet werden wie im Vorjahr, ist der Abschwung neu auf der Liste – ein Beleg dafür, dass die Unternehmen ihn nun konkret spüren.

Mit 35% immer noch stark vertreten, aber von deutlich weniger Befragten benannt wird eine unzureichende Digitalisierung.
Offenkundig erkennen Unternehmen hier nicht mehr nur den Handlungsbedarf, sondern setzen inzwischen Maßnahmen um.
Auch bei den einkaufsspezifischen Risiken hinterlässt die Rezession Spuren. So sehen sich in der aktuellen Umfrage deutlich weniger Teilnehmer von Versorgungs-, Preis- oder Qualitätsrisiken bedroht – die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr jeweils um zehn bis 15% gesunken.
Gegen den Trend gestiegen ist die Furcht vor Lieferantenausfällen: Sie liegt mit 57% gut zehn Prozent höher als im Vorjahr und basiert darauf, dass mehr als die Hälfte der Befragten in den vergangenen sechs Monaten mindestens einen Ausfall hinnehmen mussten. Diese Zahl dürfte sich durch Covid-19 deutlich erhöhen, fürchtet Mall: „Die Pandemie zeigt sehr deutlich, wie wichtig vorausschauendes Risikomanagement ist. Firmen, die bereits vorab Monitoring implementiert haben, können jetzt schneller reagieren und Ausfälle kompensieren.” (pj)

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