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Der wahre Luxus ist Raum © Michael Goldgruber (4)

Zeitlose Moderne nennen die Architekten den Umbau der Wohnung selbst. Nur feinste Materialien, wie Stein und Holz, kommen zum Einsatz.

© Michael Goldgruber (4)

Zeitlose Moderne nennen die Architekten den Umbau der Wohnung selbst. Nur feinste Materialien, wie Stein und Holz, kommen zum Einsatz.

Manuela Hötzl 25.10.2018

Der wahre Luxus ist Raum

Interview mit Thomas Bärtl, Söhne & Partner Architekten, über modische Materialien, Verner Panton und Abu Dhabi.

Wien. Mit der Babenberger Passage, dem Restaurant „The Room” in den ehemaligen Sofiensälen und der 2011 realisierten Albertina Passage sind Söhne & Partner in Wien bekannt für eine zeitgemäße und gehobene Luxusklasse im Interieurdesign. Auch einige private Villen und Appartments konnten die beiden Architekten, Guido Trampitsch und Thomas Bärtl, in den letzten Jahren verwirklichen. Wie sie sich vor modischen Beeinflussungen schützen, was Luxus für sie persönlich bedeutet und welche Ziele sie für die Zukunft verfolgen, erzählt Thomas Bärtl im Interview.

medianet: Der Dinner Club in der Albertina Passage war sicher euer öffentlichkeitswirksamstes Projekt? Welchen Effekt hatte das für euer Büro?
Thomas Bärtl: Die Babenberger Passage war für uns der erste Meilenstein, und dann natürlich die Albertina Passage. Lokale in dieser Preisklasse zu gestalten, ist an sich eine Herausforderung. Besonders bei einem schwierigen Raum unter der Ringstraße und bei der Exklusivität des Clubs haben wir auch einiges ausprobiert – eine Bühne mitten im Raum, zum Beispiel. Aber ja, der Marketingeffekt war auch immens. Eine Wohnung hat einen, hoffentlich zufriedenen, Bauherrn, ein Lokal jedoch viele Gäste über lange Jahre. Das ist eine große Öffentlichkeit für ein Architekturbüro.

medianet:
Die Lebensdauer für ein Lokal ist dennoch eine andere als für ein Wohnhaus.
Bärtl: Das stimmt. Man rechnet mit fünf bis 15 Jahren. Wobei es einen großen Unterschied macht, ob man einen Club oder ein Restaurant gestaltet – also welche Stimmungen man erzeugen möchte, welche Lichtsituation man hat. Tageslicht verzeiht nichts, und die Atmosphäre in einer Bar ist auch eine andere. Es kommt aber auch auf das Zielpublikum an. Will man am Zahn der Zeit sein, muss man auch mit der Gestaltung modischer sein. Anders als beim Glacis Beisl, das wir mit Arkan Zeytinoglu gestaltet haben. Das Glacis Beisl basiert auf einem klassischen Wiener Gasthauskonzept – das baut man für die Ewigkeit. ‚The Room' in den ehemaligen Sofiensälen ist wesentlich spezieller.

medianet:
Wie geht man als Architekt mit modischen Aspekten um?
Bärtl: Natürlich glaubt man, gerade als Architekt, dass man von jeglichen modischen Beeinflussungen befreit ist. Das stimmt natürlich nicht ganz. Gerade Interieurdesign ist immer ein wenig von modischen Tendenzen beeinflusst. Welche Materialien man zum Beispiel wählt. Aber da man als Architekt auch meist die Küchen oder Möbel selbst entwirft, glaubt man an Prototypen, die, zugegeben, dann und wann sicher eine Variation des Zeitgeists sind.

medianet:
Was ist denn gerade besonders beliebt im Innenraum?
Bärtl: An den Oberflächen und Materialien ändert sich ständig etwas. Stein ist gerade besonders hipp, ebenso florale Motive und Art Deco. Messing ist out, dafür ist Bronze wieder im Kommen. Das sind zwar Nuancen, aber wenn man sich auf die Materialien einlässt, arbeitet man natürlich auch mit ihren Eigenschaften und Besonderheiten. Der Entwurf für einen Raum oder ein Haus manifestiert sich jedoch immer noch im Grundriss, und nicht an der Oberfläche oder der Fassade. Der Kontext, die Lebensweise und Wünsche des Bauherrn, die Sicht- und Lichtbezüge und vieles mehr fließen in den Entwurf. Das ist dann das Einzigartige an der Architektur. Wenn alles ein großes Ganzes ergibt, ist es perfekt.

medianet:
In welchem Raum, den ihr gestaltet habt, würdest du gern sein?
Bärtl: In der Babenberger Passage gibt es ein Hinterzimmer, das Rosengartl. Dort trifft man sich, umgeben von Samtdekortapeten, Teppichen und Chesterfieldsofas. Sehr gemütlich, sehr rot. Aber der Weg dorthin ist auch ein besonderer.

medianet:
Welches Design oder welcher Designer hat dich persönlich beeindruckt?
Bärtl: Verner Panton hat mich als Kind der 70er immer schon fasziniert. Sein Design entspricht der damaligen Zeit, ist revolutionär und dennoch zeitlos. Er schafft es außerdem immer, einen räumlichen Aspekt einzubringen. Auch sein Klassiker, der Panton Chair, ist ein dreidimensionales Objekt. Egal ob Sitzmöbel oder ganze Interieurkonzepte, alles sind Landschaften.

medianet:
Ihr habt auch einen eigenen Stuhl für die Albertina Passage entwickelt.
Bärtl: Diesen Stuhl hat mein Partner, Guido Trampitsch, mit einem Tischler, einem Jugendfreund aus Kärnten, entworfen. Das Projekt ist aus dem Bedarf entstanden, dass wir in der Passage eine tribünenartige Anordnung hatten; dafür brauchten wir einen sehr niedrigen Stuhl. Und im Endeffekt war es auch eine Budgetfrage. Aber Möbelentwürfe sind geniale Aufgaben. Und nicht einfach.

medianet:
Hast du ein besonderes Objekt bei dir zu Hause?
Bärtl: Ich habe sehr viele Objekte, Möbel und anderen Krimskrams bei mir in der Wohnung. Ich bin ein Sammler. Aber mein Lieblingsstück ist ein Kasten. Das ist ein alter, schlichter Biedermeierschrank, sehr fein und klassisch verarbeitet, mit leichten Rundungen. Er dient uns als Aufbewahrung unserer Weingläser – und das macht ihn nicht nur schön, sondern nützlich.

medianet:
Haben sie auch die Ansprüche geändert in den letzten Jahren? Oder wie würdest du die Situation der Bau- und Immobilienindustrie kurz beschreiben?
Bärtl: Das Qualitätsbewusstsein ist jedenfalls höher geworden. Aber es gibt eine große Spanne zwischen Bauen und Bauen. Einerseits ist der Preisdruck enorm. Beim geförderten Wohnbau etwa steht die Verantwortung in keiner Relation zu den Kosten. Andererseits ist durch die Konjunktur eine so große Auslastung bei fast allen Baufirmen, dass Bauen auf der anderen Seite teuer wie nie ist. Und es gibt ein totales Ost-Westgefälle – nicht nur in den Kosten, sondern in der Qualität. Die Baukultur im Westen geht einher mit den handwerklichen Fähigkeiten. Das sieht man am Holzbau, an den Betonwänden und an vielen anderen Details.

medianet:
Ihr habt neben den vielen Interieur-Projekten auch gerade ein Hotel in Abu Dhabi fertiggestellt. Was nehmt ihr aus dem Projekt mit?
Bärtl: Was man insgesamt an Abu Dhabi sehen kann, ist, wie amerikanischer Städtebau funktioniert. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Verglichen mit der Seestadt Aspern, ist das auch ein Statement. Ein See wäre ein See und keine Lacke. Und alle Gebäude, egal ob Hotel, Bürogebäude oder Einkaufszentrum, gehen funktional und gestalterisch an ihre Grenzen – daraus kann man viel mitnehmen. Persönlich hat mich aber der immense Energieaufwand für das Funktionieren dieser Stadt erschreckt. Alles ist sehr artifiziell, und man hat das Gefühl, wenn das System kippt, ist alles vorbei. Es ist wie ein Versuchslabor für ein Leben auf einem anderen Planeten.

medianet: Wenn du einen Architektenwunsch offen hättest, welche Bauaufgabe würdest du dir aussuchen?
Bärtl: Wir haben sehr viel Interieurdesign gemacht in den letzten Jahren. Ein Hochbau wäre eine schöne Abwechslung. Und mein Wunschprojekt wäre ein Museum. Ein Gebäude für die Kunst ist eine große Herausforderung, wo man mit Raum freier arbeiten kann. Andererseits wäre ein Freibad auch eine schöne Aufgabe.

medianet:
Was bringt also die Zukunft? Hoch bauen?
Bärtl: Design ist wunderschön. Wir können sehr gut im Detail arbeiten und haben tolle private Bauherrn, mit denen wir viele schöne Projekte realisieren konnten. Wir wollen uns in den nächsten Jahren aber wieder fokussierter mit Hochbau beschäftigen. Deswegen nehmen wir auch wieder vermehrt an Wett­bewerben teil, national und ­International.

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