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62. Song Contest endete mit dem ersten Triumph Portugals Patricia de Melo Moreira / AFP

In Kiew überzeugte Salvador Sobral.

Patricia de Melo Moreira / AFP

In Kiew überzeugte Salvador Sobral.

Redaktion 15.05.2017

62. Song Contest endete mit dem ersten Triumph Portugals

Salvador Sobral überzeugte mit der Ballade "Amar pelos dois"; Österreich auf Rang 16.

KIEW/WIEN. Samstagnacht endete in der ukrainischen Hauptstadt Kiew der 62. Eurovision Song Contest mit einem klaren Sieg Portugals: Zum ersten Mal ging mit der Kür des Jazzsängers Salvador Sobral Platz 1 beim ESC an den Staat von der Iberischen Halbinsel, der zuvor 48 Mal erfolglos angetreten und nie über Platz 6 hinausgekommen war. Umso eindeutiger fiel nun der Triumph mit 758 Punkten aus.

So kam der Zweitplatzierte Bulgarien auf 615 Punkte und Moldau als Dritter am Stockerl auf nurmehr 374 Punkte. Österreichs Kandidat Nathan Trent landete letztlich auf einem sehr passablen 16. Platz - der allerdings ausschließlich auf das Votum der internationalen Jurys zurückzuführen war, die insgesamt 93 Punkte an den 25-jährigen Tiroler für sein selbst geschriebenes Lied "Running on Air" vergaben. Dies verhinderte dann auch die Luftnummer - vergaben die Zuschauer der 42 abstimmenden Länder Österreich doch keinen einzigen Punkt. "Natürlich ist es schon wichtig, bei den Leuten anzukommen; ich weiß nur nicht, was ich hätte anders machen können", zeigte sich Trent nach dem Finale nachdenklich.

Salvador Sobral indes konnte sowohl bei Jury als auch dem Publikum punkten - beide Stimmen zählen je 50%. Dabei verzichtete der 27-Jährige auf eine Choreografie im eigentlichen Sinne, sondern setzte ganz auf seine Stimme und die berührende Kraft seines fadoinspirierten Liedes "Amar pelos dois" (Lieben für zwei), das er in seiner Muttersprache vortrug. Am Ende standen er und seine Schwester Luisa, die das Stück für ihn geschrieben hatte, gemeinsam auf der Bühne und sangen im Goldglitter das ESC-Siegerlied.

Zugleich äußerte der Spross einer Adelsfamilie nach seinem Sieg indirekt Kritik an den Kollegen: "Wir leben in einer Welt völlig austauschbarer Musik - Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt. Dies könnte ein Sieg für die Musik sein, für Leute, die Musik machen, die noch etwas zu sagen hat."

Vielleicht etwas zu sagen, aber nichts zum mitreden hatte da indes Italiens Kandidat Francesco Gabbani mit seiner Italopophymne "Occidentali's Karma", die lange Zeit als absoluter Top-Favorit auf den Titel gegolten hatte. Die Nummer, die sich im Text ironisch mit der Erleuchtungssuche des westlichen Menschen beschäftigt, kam trotz als Gorilla verkleidetem Tänzer mit 334 Punkten überraschend nicht über Platz 6 hinaus.

Auf Platz 2 landete stattdessen der erst 17-jährige Kristian Kostow aus Bulgarien mit seiner vom gebürtigen Tiroler Sebastian Arman mitgeschriebenen Nummer "Beautiful Mess". Und auch die beiden anderen 17-Jährigen des heurigen Bewerbs stiegen in die Top Ten auf: Die mit betörend androgyner Stimme ausgestattete Belgierin Blanche kam mit der Elektronummer "City Lights" auf Platz 4, während der Australier Isaiah ("Don't Come Easy") Rang 9 belegte.

Der junge Aborigine war der nun dritte Vertreter von Down Under beim ESC, hatten doch Schweden und jetzt die Ukraine die von Österreich zum Wiener ESC aufgebrachte Idee der einmaligen Einladung an das Song Contest-begeisterte Land fortgesetzt. Dabei blieb Isaiah nicht der einzige Australier, der in Kiew ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet: Während einer Showeinlage von Vorjahressiegerin Jamala erklomm ein ESC-Fan mit australischer Fahne die Bühne und präsentierte den Kameras sein nacktes Hinterteil, bevor er von der Security abgeführt wurde.

Dieser Lapsus überrascht letztlich, denn die Sicherheitsvorkehrungen in der vom Konflikt mir Russland an seiner Ostgrenze gebeutelten Ukraine waren äußert streng. In Kiew waren im und rund um das Messezentrum, in dem der ESC über die Bühne ging, Hunderte Polizisten im Einsatz, während die Nationalgarde die Straßen bewachte.

Schließlich war bereits der Sieg der Krimtatarin Jamala in Stockholm mit "1944" - einem Lied über die Vertreibung ihres Volkes durch Stalin - ein Politikum, das sich im Vorfeld des heurigen ESC fortsetzte. So untersagte die Ukraine der russischen Kandidatin Julija Samoilowa nach deren Nominierung die Einreise, da die im Rollstuhl sitzende Sängerin zuvor auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim aufgetreten war. Nach erfolglosen Vermittlungsbemühungen durch die European Broadcasting Union (EBU) zog sich Russland schließlich für heuer vom Bewerb zurück.

Zugleich sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Abend kurzfristig seinen Finalbesuch ab, nachdem es in der Ostukraine zu einem blutigen Anschlag gekommen war. Die EBU kündigte jedenfalls an, vermutlich im Juni über mögliche Sanktionen gegen die beiden Streithähne wegen Verstoßes gegen die Statuten zu beraten, die bis zu einer Sperre reichen können. Insofern sind wohl nicht wenige aus dem Song Contest-Tross froh, dass der Musikreigen kommendes Jahr nicht nur in wärmeren, sondern auch politisch stabileren Gefilden stattfinden wird - vermutlich in Lissabon. (APA)

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