MARKETING & MEDIA
Die Oligarchen sind nun digital
Redaktion 15.01.2021

Die Oligarchen sind nun digital

Die Twitter-Sperre von Trumps Account zeigt, in wessen Händen die digitale Macht liegt.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

PFUTSCH. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Zeitung oder einen TV-Kanal oder von mir aus einen Radiosender, wo Ihnen quasi 24/7 rund 80 Millionen Nutzerinnen und Nutzer an den Lippen hängen. So in etwa ging es Donald Trump mit seinen über 80 Millionen Followern auf Twitter – bis vor einigen Tagen.

Fairerweise muss man sagen, dass ihm ja – so ist Twitter angelegt – nicht nur Fans folgten, sondern auch Menschen, die einfach nur wissen wollten, was er da so getrieben hat. Ich muss gestehen, ich habe auch zu diesen Followern gehört – einfach nur, um am Laufenden zu sein.

Ihn erst jetzt zu sperren, war etwas feig

Damit ist nun Schluss, denn Twitter hat den noch amtierenden Präsidenten der USA dauerhaft von seinem wichtigsten Kommunkationskanal wegen seiner dort verbreiteten Falschnachrichten ausgeschlossen. Natürlich hätten sie das schon früher tun können, denn auch früher hat es Trump auf Twitter mit der Wahrheit nicht so genau genommen, aber mit einem abgewählten Präsidenten fährt es sich halt leichter Schlitten, als mit einem, der sich ob seiner Machtfülle als Präsident eventuell noch rächen könnte.

Was erlauben Twitter?

Die Frage, die sich alle nun stellen, ist, ob Twitter hier nicht seine Macht missbraucht hat.

Im konkreten Fall vermutlich nicht, denn man hat gesehen, worin Trumps Kommunikation geendet ist – nämlich in Wahrheit in einem gescheiterten Sturm auf das Kapitol.
Doch was ist, wenn Twitter das nächste mal eine Galionsfigur der Linken sperrt, weil ihnen das Getwitterte politisch nicht in den Kram passt? Werden dann auch alle applaudieren?
Der Fall Trump hat gezeigt, wie mächtig die neuen, digitalen Oligarchen sind, und es ist vor allem auch eines klar geworden: Nicht die Bosse der digitalen Giganten dürfen darüber entscheiden, wer das Recht hat, sich ihrer Kanäle zu bedienen, sondern es braucht hier transparente, allgemeingültige Regularien – dringend.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL