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Die zehnte Goldene MedienLöwin ist Eva Linsinger © APA Jacqueline Godany

Martha Schultz, Eva Linsinger, Maria Rauch-Kallat.

© APA Jacqueline Godany

Martha Schultz, Eva Linsinger, Maria Rauch-Kallat.

Redaktion 11.11.2021

Die zehnte Goldene MedienLöwin ist Eva Linsinger

Für ihren Bericht über Frauen mit Behinderungen im ORF-Magazin „konkret“ nimmt Marianne Waldhäusl die Silberne MedienLöwin entgegen.

WIEN. Das Frauenmagazin Woman wird für die Aktion „Gegen Gewalt an Frauen“ mit dem MedienLöwen ausgezeichnet. Eva Linsinger wollte schon als Kind Journalistin werden und hat sich gegen alle anderslautenden Ratschläge aus Familie und Bekanntschaft durchgesetzt. Jetzt ist sie stellvertretende Chefredakteurin und Innenpolitik-Chefin beim profil. Sie ist gerngesehener Talkshow-Gast, wo sie mit ihrer ruhigen Art und ihren messerscharfen Analysen brilliert. Sie schreibt leidenschaftlich gerne über Politik und sie hat „die Lizenz zum Fragen“, sieht das Fragen als Auftrag. Kollegial ist die Buchautorin, hartnäckig ist sie und sie lässt sich ungern blenden von so mancher politischen Persönlichkeit. Das ist der studierten Historikerin und Literaturwissenschaftlerin wohl gelungen. Sie hat vor profil bei Der Standard, AZ und beim Kurier gearbeitet. Mit Sibylle Hamann, auch eine Goldene MedienLöwin (2016), hat Eva Linsinger 2008 das „Weißbuch Frauen / Schwarzbuch Männer“ veröffentlicht. Eva Linsinger – immer am Puls der Zeit – ist jetzt auch regelmäßig im profil-Innenpolitik-Podcast zu hören. In ihrer Dankesrede bezieht sich die frischgebackene Gold-Löwin auf die Glaubwürdigkeitskrise der Medien: „Es liegt an uns Medien, an uns Journalisten, an Interessensvertretungen und Kongressen wie diesem, die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen und die jetzige Krise für einen Neustart zu nützen.“ Die MedienLöwin in Gold wird vom Club alpha verliehen und von der Wirtschaftskammer Österreich unterstützt.

Über die Silberne MedienLöwin freut sich ORF-Gestalterin Marianne Waldhäusl. Mit einem „konkret“-Beitrag mit dem Titel „Frauen, die behindert werden“ überzeugte sie die Jury. Verliehen wird der Preis vom Clubalpha und unterstützt von Sanofi Austria. Das 20-Minuten-Feature handelt von Frauen mit Behinderungen, ihre Kämpfe, ihre im Vergleich zu Männern mit Behinderung verminderte Sichtbarkeit und ihre andere Art, mit der eigenen Behinderung umzugehen. Der Beitrag oszilliere zwischen menschlicher Nahaufnahme, politischer Ansage, werfe Schlaglichter auf unterschiedliche Lebenskonzepte und baue sich so geschickt auf, dass man vergesse, dass die Frauen mit einer körperlichen Behinderung leben. Der Beitrag, der auch als feministischer Weckruf gelesen werden kann, zeigt, wie Frauen mit dem eigenen Handicap umgehen: „Frauen mit Behinderung werden mehr behindert als Männer mit Behinderung. Diese Frauen sind sehr mutig, selbstbestimmt und vor allem stark.“

Der MedienLöwe (ebenfalls vom Club alpha verliehen und powered by Jacques Lemans) – die jüngste unter den Löwinnen-Auszeichnungen – ging an das Frauenmagazin Woman unter der Leitung von Euke Frank, das sich dem sehr heiklen Thema „Gegen Gewalt an Frauen“ annahm. Stories, Online-Features, Inserate – alles drehte sich im Aktionszeitraum um häusliche Gewalt. „Aber nicht pessimistisch, deprimierend oder hoffnungslos, sondern ganz im Gegenteil klar aufzeigend und empowernd“, wie die Jurorinnen befanden. Weil betroffene Frauen selbst zu Wort kamen und erzählten, wie sie es aus der Gewaltbedrohung geschafft haben. Die Redaktion wollte Frauen eine Stimme geben und Bewusstsein schaffen für die stillen Qualen, die diese oft viel zu lange erdulden. Journalistinnen interviewten betroffene Frauen und veröffentlichten anonymisiert deren Erzählungen in vielen Tageszeitungen und Magazinen als doppel-, ganz- oder halbseitige Sujets. Außerdem erzählten Betroffene in Radiospots ihre Geschichte. Diese Aktion soll Frauen Mut machen, einen Schritt raus aus toxischen, oft lebensgefährlichen Beziehungen zu wagen – und uns allen die Augen öffnen. „Was diese Aktion geschafft hat, ist, jenen Frauen ein Sprachrohr zur geben, die nach wie vor in der prekären Situation sind und sich nicht trauen, sich Hilfe zu holen. Wir wollen den Frauen eine Stimme geben, dass sie anderen Frauen Mut machen, sich zu befreien und zu wissen, dass es ein Leben danach gibt.“

MedienLöwin in Gold
Die MedienLöwin in Gold wird an Journalistinnen mit Vorbildfunktion und für ihr bisheriges Schaffen vergeben. Medienfrauen konnten vorgeschlagen werden, der Beirat des Journalistinnenkongresses hat durch Punktevergabe drei Frauen nominiert. Nominiert waren ebenfalls: Renate Graber (Der Standard, Wirtschaft) und Claudia Reiterer (ORF). Durch eine Jury aus 77 bekannten Medienmenschen wurde die Gewinnerin via Punktevergabe ermittelt.

MedienLöwin in Silber
Mit der MedienLöwin in Silber werden journalistische Beiträge ausgezeichnet, die sich mit den Lebenssituationen von Frauen kritisch auseinandersetzen. Die weiteren Nominierten in dieser Kategorie waren: Christina Höfferer und Christine Pawlata, mit ihrem Beitrag „Corona und Wirtschaft: Das EU-Hilfspaket landet nicht bei den Krisenverliererinnen“ in Der Standard. Er zeigt nach tiefgreifenden Analysen, dass die Begünstigten der EU-Hilfen wieder einmal mehr überwiegend Männer oder männerdominierte Bereiche sind. In Claudia Manns Beitrag „Was geht? – Catcalling“ im Magazin „Futter“ der Kleinen Zeitung (mit A1now TV) nimmt die Journalistin das Thema verbal-gewalttätige, sexistische Anmachsprüche, denen Frauen im öffentlich Raum alltäglich ausgesetzt sind, ins Visier und berichtet über Betroffenheit, Befindlichkeit und Aktionismus.

MedienLöwe
Der MedienLöwe geht an Redaktionen oder Medien, die sich durch besonders frauenfreundliche, frauenunterstützende und stärkende Aktionen auszeichnen. Die weiteren Nominierten in dieser Kategorie waren: Beatrice Frasl mit ihrem Podcast „Große vTöchter“. Sie interviewt Experten, Aktivisten, und Journalist:innen zu Themen rund um Feminismus, Frauenbewegungen und Frauenpolitik. Frasl versucht, Feminismus in seiner Breite und Vielfalt abzubilden und einer möglichst großen Bandbreite an Perspektiven Raum zu geben. Weiters waren die Sendereihen „Die Zudeckerin“ und „fm4 Klitoris“ von Antonia Stabinger in fm4 nominiert. Die Kabarettistin und Radiomoderatorin bespricht mit scharfer Zunge Frauenfragen, angefangen bei Leben, Gesellschaft über Körper sowie Sexualität bis zu Politik und Strukturen. Ihre Waffe ist der Humor, denn sie nimmt alles gehörig aufs Korn.

Der Gala-Abend der MedienLöwinnen ist eine Veranstaltung des Club alpha, des Österreichischen Journalistinnekongresses und der mrk diversity. (red)

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