Elefantenbaby oder doch Babyelefant
MARKETING & MEDIA Redaktion 22.05.2020

Elefantenbaby oder doch Babyelefant

Vergessen Sie Zentimeter oder Inch – die neue mediale Maßeinheit ist das Elefantenbaby.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

DUDEN. Jedes Jahr kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache das sogenannte Wort des Jahres. Seit 1999 gibt es übrigens auch ein österreichisches Wort des Jahres, denn man ist draufgekommen, dass die bisherige Auswahl, also bis 1999, vor allem von deutschen Politikerinnen und Politikern – nein, meist waren es Politiker – stammten, und so hat man sich entschieden, auch eine österreichische Version einzuführen. An der Auswahl kann man übrigens auch ganz gut die damalige politische Entwicklung erkennen, bzw. was damals gerade so los war.

Von „Lebensmensch” bis „Ibiza”

So war das Wort des Jahres im Jahr 2000 zum Beispiel „Sanktionen” und 2008 der berühmte „Lebensmensch”. Sie sehen also, kaum hört man das Wort, weiß man, worum es geht. Vergangenes Jahr war es übrigens Straches „Ibiza” und für heuer wäre ich ganz klar für den „Babyelefanten”. Wobei: Laut Duden gibt es dieses Wort gar nicht. Korrekt müsste es „Elefantenbaby” heißen, was angesichts der Posse, die sich rund um das betreffende Thema entwickelt hat, auch schon egal ist.

Weil, wie man sieht, als Maß gilt der Babyelefant dann auch nicht immer, denn als man etwa dem Kanzler vorwarf, im Kleinwalsertal den Mindestabstand nicht eingehalten zu haben, was auch auf Bildern gut dokumentiert war, waren zunächst „die Medien” schuld. Gemeint wird er haben „die Journalisten”, die den Babyelefanten zwischen sich und dem Kanzler vergessen hätten, und als man damit nicht durchkam, war es plötzlich der Blickwinkel, aus dem die Fotos gemacht worden wären; der sei unglücklich gewesen und hätte quasi mit einer verzerrten Perspektive die Politiker optisch zusammengerückt.
Es gibt übrigens nicht nur das Wort des Jahres. Gleichzeitig mit diesem wird auch das Unwort des Jahres gewählt, wie etwa ein „Negerkonglomerat” (2014) oder auch „Bubendummheiten” (2004). Mein Liebling ist aber eine andere Kategorie, nämlich jene des Spruchs des Jahres und hier Maria Fekters unvergessliches „Shortly, without von delay”.

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