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Frauennetzwerk Medien verleiht "Rosa Handtaschl" an Josef Geisler © APA/EXPA/Johann Groder

Josef Geisler, ÖVP

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Josef Geisler, ÖVP

Redaktion 10.06.2020

Frauennetzwerk Medien verleiht "Rosa Handtaschl" an Josef Geisler

Journalistinnen und Medienfrauen fordern endlich ein Ende von Sexismus in der Politik.

WIEN. Der Negativpreis "Rosa Handtaschl" des Frauennetzwerks Medien für sexistische Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens geht in diesem Jahr verdientermaßen an den Tiroler
Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Der Politiker warf der WWF-Aktivistin Marianne Götsch bei einer Kundgebung in Innsbruck gegen das Kraftwerk Tumpen-Habichen "widerwärtiges Luder" an den Kopf.

Eigentlich hätte der sexistische Sager alleine schon für das
"Handtaschl" gereicht, aber Geisler und sein Büro zeigten mit ihrem Verhalten danach, dass sie offensichtlich nicht wissen, was Sexismus ist und dass diese Misogynie nicht mit fadenscheinigen Erklärungen kleinzureden ist. Egal ob aggressiv gebrüllt oder mit einem Lächeln auf den Lippen wie bei Geisler, "Luder" ist und bleibt ein Schimpfwort. Es ist auch kein Zufall, dass dieses nicht gegenüber Männern, sondern ausschließlich gegenüber Frauen verwendet wird.

Sexismus meint sowohl diskriminierendes Verhalten als auch
sexistische, abwertende Äußerungen gegenüber Frauen, Herr Geisler. Dass Sie Ihrem Gegenüber kein Kompliment machen wollten, zeigt sich auch am Zusatz "widerwärtig". "Widerwärtig" hat nicht einmal Ihr Büro in der anschließenden Stellungnahme schön zu reden versucht. Auf der
Suche nach Synonymen für "widerwärtig" reicht die Bandbreite von "abstoßend" und "unausstehlich" über "unerträglich" und "abscheulich" bis hin zu "ekelerregend" – was unterstreicht, dass Sie ihr Gegenüber abwerten wollten.

Wir verleihen das "Rosa Handtaschl" also an einen Mann, dem wir dringend eine Nachschulung in respektvollem Umgang mit Frauen, die sich kritisch äußern, empfehlen. Außerdem sollten die Tiroler ÖVP sowie die Tiroler Landesregierung überdenken, wen sie Tirols Frauen als politische Vertretung und Buben wie Männern als Vorbild zumuten wollen. Münire Inam, Martina Madner, Olivera Stajic, Andrea Vyslozil, Alexandra Wachter für das Frauennetzwerk Medien

Über das "Rosa Handtaschl"
Mit dieser "Trophäe" weist das Frauennetzwerk Medien auf
Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens hin, deren Frauenbild von offensichtlichem Sexismus geprägt ist. Bewertet werden unterschwellige Angriffe, herabwürdigende Aussagen, klischeehafte Darstellungen oder Ignoranz gegenüber Frauen und ihren Leistungen.

Bisherige Preisträger: Vor Josef Geisler wurden u.a. der ehemalige Verteidigungsminister Mario Kunasek, Felix Baumgartner, Christian Ortner, Richard Schmitt, ORF-Chefredakteur a.D. Werner Mück (Anblick einer profilierten Redakteurin eine "Beleidigung für die Zuseher") und Gunnar Prokop ("Die Frau gehört in die Kuchl, soll die Kinder erziehen und aus“) mit dem "Rosa Handtaschl" ausgezeichnet. (red)

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