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Freier Journalist Michael Bonvalot Bedrohungen aus rechten Kreisen ausgesetzt © APA/Michael Bonvalot

Michael Bonvalot.

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Michael Bonvalot.

Redaktion 21.10.2021

Freier Journalist Michael Bonvalot Bedrohungen aus rechten Kreisen ausgesetzt

Morddrohungen, physische Angriffe und zuletzt eine beschädigte Wohnungstür; Bonvalot: "Angriff auf die Pressefreiheit".

WIEN. Der freie Journalist Michael Bonvalot ist massiven Bedrohungen aus rechtsextremen Kreisen ausgesetzt. Seit längerer Zeit richten sich Morddrohungen und physische Angriffe gegen ihn. Neuerdings wurde eine ihm zugerechnete Wohnungstür beschmiert und beschädigt. Den Ausschlag gäben seine Recherchen zu rechtsextremen bis neonazistischen Gruppierungen in Österreich als auch seine kontinuierliche Berichterstattung über Corona-Demonstrationen, sagte er der APA.

"Ich stehe seit langer Zeit im Fokus extremer rechter Gruppen. Das hat sich zuletzt aber noch deutlich verschärft", so Bonvalot mit Verweis auf die mit "Zeit zum Handeln?" und "aufs Maul" beschmierte Wohnungstür, deren Schlüsselloch zugeklebt wurde. Die Beschädigung sei ein "Angriff auf die Pressefreiheit", diene sie doch der Einschüchterung. Stattgefunden habe sie in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zu einer Corona-Demonstration in Wien, in deren Rahmen ihn einschlägig bekannte Neonazis aus dem Fußball-Milieu direkt und namentlich bedroht hätten, erklärte er. Die Wohnung selbst wurde zwar ihm zugerechnet, dort wohnt allerdings eine Verwandte.

Die Sachbeschädigung und gefährliche Drohung habe er angezeigt. Zudem stehe er in Kontakt mit dem Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) und habe inzwischen verschiedene Sicherheitsmaßnahmen ergriffen."Ich hoffe, dass auch die Öffentlichkeit einen gewissen Schutz darstellt. Schließlich schauen die Behörden hoffentlich genau auf dieses Milieu, sollte mir etwas zustoßen", meinte der Journalist.

Die Behörden hatten bereits mehrfach mit der Aggression vonseiten Rechtsextremer und radikalisierter Corona-Leugner gegenüber Bonvalot zu tun. Schließlich wurde eine Frau im September 2021 für das Teilen einer gegen ihn gerichteten Morddrohung rechtskräftig verurteilt. Der Urheber des Textes wurde bisher aber noch nicht ausgeforscht. Zudem ist ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Körperverletzung im Gange, nachdem er bei einer Corona-Demonstration angegriffen wurde.

Die Attacken erklärt er sich mit seiner laufenden Berichterstattung auf diversen einschlägigen Aufmärschen und seinen umfangreichen Recherchen über die rechtsextreme Szene, wo er sich etwa in interne Chatgruppen eingeschleust hatte. In einer dieser Gruppen wurde bereits über den Bau von Bomben und die Organisierung von Waffen gesprochen, im Mai haben die Behörden als Reaktion Hausdurchsuchungen in mehreren Bundesländern durchgeführt. "Es ist diesen Kreisen sehr unangenehm, das ich deren Strukturen und handelnde Akteure kenne", meinte der Wiener und betonte, dass es auch auf andere Journalistinnen und Journalisten immer wieder Angriffe gebe – etwa Spuck- oder Pfeffersprayattacken im Zuge von Corona-Demonstrationen.

Der Szene attestiert er eine Radikalisierung, da sie sich von den gesetzten Corona-Maßnahmen – etwa der seit mehreren Wochen gültigen 2G-Regel in Fußballstadien – eingeschränkt fühle. Zudem würden sich immer mehr Personen von den Aufmärschen abwenden, womit lediglich der harte Kern übrig bleibe. Um Journalistinnen und Journalisten vor diesem auf Demonstrationen zu schützen, wurden Anfang des Jahres sogenannte Kontaktbeamte der Polizei installiert. Deren Sinnhaftigkeit stellt Bonvalot infrage. Attacken auf Pressevertreter seien Polizisten in unmittelbarer Nähe mittlerweile oft egal. "Sie verweisen auf die Kontaktbeamten. Der Anspruch, den ich an die Polizei hätte, ist aber, dass sich alle Polizisten in unmittelbarer Nähe bemüßigt fühlen, einzuschreiten." Einmal soll ihm von einem Polizisten in einer Bedrohungslage gesagt worden sein: "Nehmen Sie die Füße in die Hand und laufen Sie."

"Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei Rechtsextremen näher hinzuschauen und deren Umtriebe genauer zu verfolgen", so Bonvalot. Einschüchtern lassen will er sich jedenfalls nicht: "Die Attacken sind für mich Auftrag, noch näher zu recherchieren." (red)

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