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Journalist im Einsatz für Qualität: Engelbert Washietl wird 80 © APA/Herbert Neubauer

Engelbert Washietl.

© APA/Herbert Neubauer

Engelbert Washietl.

Redaktion 10.03.2021

Journalist im Einsatz für Qualität: Engelbert Washietl wird 80

Mitbegründer der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) sieht ein "Meer der Angebote", das zum "Lottospiel" für Menschen wird - Branchennachwuchs stimmt ihn zuversichtlich.

WIEN. Engelbert Washietl, ständiger Mahner für journalistische Güte und Mitbegründer der Initiative Qualität im Journalismus (IQ), wird 80. Heute, am Mittwoch, 10. März 2021, feiert der ehemalige Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten" und stellvertretende Chefredakteur der "Presse" und des "WirtschaftsBlatts" seinen runden Geburtstag. Die Finanzierung von journalistischer Qualität bereitet dem ersten Träger des "Kurt-Vorhofer-Preises" nach wie vor Sorge. Erfreut zeigt er sich über den Branchennachwuchs.

Der immer noch für die "Presse" als Verfasser der "Spiegelschrift" tätige Journalist sieht ein mediales "Meer der Angebote", das zwar vereinzelte Hochleistungen nicht ausschließe, aber die Auswahl für die Menschen zum "Lottospiel" werden lasse. "Man kann in der überdrehten Nachrichtenwelt in eine stark reduzierte Gemeinschaftlichkeit stürzen", warnte Washietl gegenüber der APA.

Ein weiteres Problem, das zwar nicht neu, aber "im Jahr der Corona-Epidemie sehr deutlich hervorgetreten" sei, betrifft die Finanzierung von Qualitätsjournalismus. "Es gibt Anzeichen, dass der unternehmerische Überlebensdrang in Verbindung mit finanziellem Druck gar nicht mehr nach Qualität fragt, sondern woher und wodurch genug Geld herein kommt", so der Jubilar. Er befürchtet, dass nur "eine sehr kleine Käuferschicht die Geldbörse für mehr Qualität öffnen" werde.

An seiner bereits vor zehn Jahren in Hinblick auf eine "Gratis- und Boulevardwelle" am Zeitungsmarkt geäußerte Skepsis hat sich zwar nichts geändert. "Wenn ich aber beobachte, wie sich Menschen in der Straßenbahn in Gratisprodukte vertiefen, dann beruhige ich mich. Lesen ist auch ein Wert", meinte Washietl. Erfreut stimmt ihn der journalistische Nachwuchs, der den Qualitätsanspruch aufrechterhält – etwa Ingrid Brodnig, "die im Großraum sozialer und sonstiger Media aufklärerische Pionierarbeit leistet".

Washietl wurde am 10. März 1941 in Stockerau geboren und absolvierte zunächst die Lehrerbildungsanstalt Wien/Strebersdorf. 1966 promovierte er an der Universität Wien zum Dr. phil. (Neuere und Alte Geschichte) und begann im selben Jahr als Außenpolitiker bei der "Presse", wo er 1985 zum stellvertretenden Chefredakteur avancierte. 1988 wechselte er als Chef der Wiener Redaktion zu den "Salzburger Nachrichten", die er 1995 kurzzeitig als Chefredakteur leitete, bald aber wieder verließ. Von 1996 bis 2004 war Washietl stellvertretender Chefredakteur des "WirtschaftsBlatt". Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2006 fungierte er dort noch als Kommentator.

Seitdem betätigte er sich als freier Journalist für unter anderem "Die Furche", "Der österreichische Journalist" oder "Die Zeit". Bis heute erscheint seine "Spiegelschrift" in der "Presse". Darin setzt er sich beharrlich mit fehlerhafter Berichterstattung auseinander. Washietl gab seinen Eifer für Qualitätsjournalismus auch an Studenten weiter und lehrte bis 2010 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.

Im Jahr 2000 begründete er die "Initiative Qualität im Journalismus" (IQ) mit und fungierte lange Jahre als ihr Sprecher und bis heute als Vorstandsmitglied. Dabei trat er etwa für ein modernes Informationsfreiheitsgesetz sowie eine Reform der Presseförderung ein und kritisierte die intransparente Vergabe von Inseraten durch die Regierung und staatsnahe Betriebe. Im Jahr 2014 weitete er seine Sprechertätigkeit auf den damals gegründeten Qualitätsbeirat der APA aus und freute sich, dass der "wichtigste Dienstleister fast aller Medien" nun auch aktiv mit Journalisten und Wissenschaftern kommuniziere.

Seine Bemühungen um Qualität und Ethik im Journalismus brachten Washietl auch Auszeichnungen ein. Im Jahr 1996 war er erster Träger des "Kurt-Vorhofer-Preises" für politische Berichterstattung. 2011 wurde Washietl der Berufstitel "Professor" vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur als Würdigung seiner publizistischen, volksbildnerischen, standespolitischen sowie wissenschaftlichen Verdienste verliehen. Zwei Jahre später erhielt er den renommierten Concordia-Medienpreis für sein Lebenswerk, da er sich "Zeit seines Lebens für Pressefreiheit, für Ethik und Qualität im Journalismus engagiert" hatte. In seiner Dankesrede wurde er seinem Ruf gerecht und nahm den Qualitätsverlust heimischer Medien ins Visier: Schlechte Recherche, Verbreitung falscher Behauptungen und Instrumentalisierung der Medien für "Dirty Campaigning" stießen ihm sauer auf. (red)

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