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Kritik an Förderung © Weekend Magazin

Christian Lengauer

© Weekend Magazin

Christian Lengauer

Redaktion 10.04.2020

Kritik an Förderung

In einem offenen Brief fordert Christian Lengauer zu einer neuerlichen Prüfung des Medien-Förderpakets auf.

WIEN. 32 Mio. € beträgt die Sonderförderung, die den österreichischen Medien in der aktuellen Situation rund um Covid-19 unter die Arme greifen soll. Profiteure sind dabei primär große Tageszeitungen. Christian Lengauer, Herausgeber des Weekend Magazin, sieht darin eine Verzerrung des Wettbewerbs, denn gratis Wochenzeitungen hätten keine Möglichkeit, eine Förderung zu erhalten. Mit seiner Kritik wandte er sich vergangene Woche an die Bundesregierung und fordert darin eine Anpassung des Förderpakets. Im Folgenden der offene Brief im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrter Herr Vizekanzler!

 

Sie beide haben in den letzten Wochen viel von Zusammenhalt und Solidarität gesprochen. Immer wieder haben Sie erklärt, dass niemand übriggelassen wird, sich niemand Sorgen zu machen braucht.

Daher sind die von der Regierung initiierten Maßnahmen auch wirklich hilfreich und sinnvoll.
Auch die am vergangenen Freitag im Parlament beschlossene Print-Medienförderung macht Sinn, sind doch Medien in dieser Krise auch extrem stark betroffen. Dieses 14,8 Millionen-Förderungspaket bevorzugt zwar Tageszeitungen überproportional, aber auch viele Nischenprodukte werden unterstützt.
So fördert die Republik unter anderem elf Kirchenzeitungen mit insgesamt knapp einer Million Euro. Besonders freuen dürfen sich das „Sonntagsblatt für Steiermark” und die „Kirchenzeitung Diözese Linz” über jeweils satte 129.738 Euro. Aber auch Publikationen wie die „Österreichische Bauernbundzeitung” (129.738 Euro) oder die „Raiffeisenzeitung” (111.930 Euro) wurden nicht vergessen. Und selbst ein Fernsehprogramm-Magazin wie „TV-Media” ist mit 129.738 Euro bedacht worden.
Leider werden derzeit vor allem aber Medien unterstützt, die über einen sehr hohen Abonnenten-Anteil verfügen und daher die Krise besser bewältigen können als Medien, die ausschließlich von Anzeigen leben.
Und genau dabei ist Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit ein ganz wesentlicher Sektor entgangen. Unter den von Ihnen geförderten Medien findet sich nämlich keine einzige (!!!) Gratis-Wochenzeitung – Medien wie „Tips OÖ”, „BZ Wien” oder eben unser „Weekend Magazin” haben keine Möglichkeit auf eine Förderung.
Sicher ist Ihnen bewusst, was der Shutdown gerade für Gratismedien, die ausschließlich von Anzeigen leben, bedeutet. Vielleicht ist Ihnen aber nicht bewusst, dass in Österreich an die 2.000 Mitarbeiter bei 240 Titeln beschäftigt sind und diese Menschen Inhalte für über 5 (!) Millionen Leser (lt. letzter Media-Analyse) produzieren.
Sie können sich sicher vorstellen, wie groß unser Erstaunen, aber auch unser Unmut über diese unfaire und unsolidarische Förderung war.
Das „Weekend Magazin” würde als Familienbetrieb mit knapp 200 Mitarbeitern und einer Auflage von über 900.000 Exemplaren nun komplett von den Förderungen ausgeschlossen werden?!
Dabei kann es sich doch nur um ein Versehen handeln. Es kann doch nicht im Sinne der Regierung sein, eine derart offensichtliche Wettbewerbsverzerrung mit Steuergeldern zu unterstützen.
Aus diesem Grund fordern wir Sie auf, diese Sonder-Medienförderung einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen und das beschlossene Paket noch einmal zu adaptieren.
Sie verschärfen nämlich durch diese Wettbewerbsverzerrung die Krise noch mehr, anstatt diese zu mildern.

 

Mit freundlichen Grüßen Christian Lengauer

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