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Multimedialer Newsroom des ORF wird bezogen © ORF / Thomas Ramstorfer
© ORF / Thomas Ramstorfer

Redaktion 17.06.2022

Multimedialer Newsroom des ORF wird bezogen

Transparenz in Glas und Anthrazit sowie hohe akustische Qualität, so zeigt sich die neue Nachrichtenzentrale.

••• Von Petra Stückler

WIEN. Der Weg dahin war weit. Das Projekt Multimedialer Newsroom wird im ORF seit gut zehn Jahren verfolgt und durchläuft jetzt, mit dem Beginn der Besiedelung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestern, Donnerstag, seinen ersten Praxistest.

Das festgeschriebene Ziel, wie es in einer Aussendung heißt („Die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die öffentlich-rechtliche Medienproduktion im Digitalzeitalter zu schaffen”)und wie es der ORF-Stiftungsrat 2014 beschlossen hat, wird nun auf die Probe gestellt.
Was erwartet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dort ihre neuen Arbeitsplätze nach und nach beziehen?
Zunächst einmal eine technische Ausstattung, die State of the Art ist, optisch unter der Doppelbodenkonstruktion versteckt ist, allerdings dadurch größtmögliche Flexibilität des Arbeitens ermöglicht. Die wabenartig angeordneten, höhenverstellbare Arbeitsplätze des Newsdesks warten darauf, genutzt zu werden. Es sind „Funktionsarbeitsplätze”, wie mehrfach betont wird, fixe Arbeitsplätze gibt es hier nicht mehr.

Viel Raum und Grün

Glas und Anthrazit dominieren den zweistöckigen Raum, im Zentrum sieht man einige Bäume in einem gläsernen Atrium und eine Treppe, die als Sitzplatz und als Austauschzone benutzt werden kann.

Die Screens, die überall schräg unter der Decke die neuesten Nachrichten zeigen, flimmern beständig.
„Es geht darum, eine moderne Arbeitswelt zu kreieren”, erklärt ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. „Wir reden immer über Arbeiten, vor allem modernes Arbeiten; das ist viel mehr, wie wir nach Corona wissen: Das ist auf der einen Seite Homeoffice und mobiles Arbeiten, auf das wir vermehrt zurückgreifen wollen.” Das sind aber auch kurze Arbeitswege im Multimedialen Newsroom, auf die man verstärkt setzen werde, wie er weiter erzählt.
„Ich erwarte keine Jubelgesänge auf den Neubau, sondern ein realistisches, professionelles Arbeiten in einem Arbeitsumfeld, in das wir 50 Millionen Euro für die Zukunft der multimedialen Kommunikation investieren”, so Weißmann weiter.

Drei tragende Säulen

Dass in Anbetracht der modernen Arbeitsweisen der Newsroom nur als „Station” im täglichen Workflow zu verstehen ist, unterstreicht „ZIB 2” Chefredakteur Matthias Schrom: „Wir sollten uns generell nicht so sehr damit beschäftigen, wo wir sitzen, sondern welche Geschichten wir machen. Und die passieren selten hier drinnen, sondern meistens draußen.”

Der Newsroom basiert auf drei Säulen: Erstens aus dem Newsdesk, zweitens den fünf multimedialen Fachressorts Innenpolitik, Außenpolitik, Wirtschaft Chronik und Wetter und drittens aus den Sendungs- und Plattformteams. Diese sollen künftig Hand in Hand arbeiten, um die Binnenpluralität und Unabhängigkeit der ORF-Berichterstattung zu gewährleisten.

Der Umzug läuft

Die Besiedelung des Neubaus findet bereits statt: Bis Ende Juni kommen die ersten Redakteurinnen und Redakteure, um ihre neue Arbeitsstätte in Betrieb zu nehmen, während bereits ihre Kolleginnen und Kollegen von Ö1 schon diese Woche die ersten Sendungen vor Ort produzieren. Ende August soll der Umzug aus dem Funkhaus finalisiert werden. Ö3 folgt im September, Ö1 wird im benachbarten, ebenfalls neu erbauten Gebäude Unterkunft finden. Ö3 darf sich künftig in einem eigenen Trakt im Anschluss an den Newsroom einrichten.

Insgesamt werden im gesamten neu geschaffenen Mediencampus inklusive Neubau rund 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre neue Wirkungsstätte finden.
Im Multimedialen Newsroom werden mehr als 100 Informationssendungen und News-Angebote entstehen – TV, Radio, Online und Social Media werden nahezu rund um die Uhr mit Inhalten beliefert. Die Online-Redaktion wird aufgestockt. Der ORF wolle die Menschen bestmöglich begleiten und informieren, deshalb sei man auch sehr interessiert daran, dass das neue Digitalgesetz auf den Weg gebracht werde.
„Viele Journalisten brennen darauf, ihre Geschichten zu erzählen, und dafür wird es im Multimedialen Newsroom neue Möglichkeiten geben, man wird eventuell mit Lust, wenn man unterwegs ist, eine Geschichte absetzen”, schildert Weißmann seine Sicht auf das neue Arbeiten. Gabi Waldner, stellvertretende Chefredakteurin von Ö1, arbeitet mit ihrem Team bereits vor Ort und weiß Gutes zu berichten. „Wir fühlen uns sehr wohl hier im neuen Newsroom, vor allem, weil die Technik viel besser ist als im Funkhaus.”
Pius Strobl, verantwortlich für den Gesamtbau, betont diesbezüglich, das der ORF mit der technischen Ausstattung europaweit im Spitzenfeld agiere.
Was besonders auffällt, ist die außergewöhnliche Akustik, die im gesamten Gebäude wahrzunehmen ist. Strobl dazu: „Die Studios und Produktionsräumlichkeiten wurden in einer ‚Raum in Raum'-Konstruktion errichtet, was einerseits flexible Raumvarianten und andererseits sehr hohe akustische Qualität ermöglicht.”
Und: Durch ein umfassendes Notfall- und Backup-System ist die Bereitstellung von Informationen für die Bevölkerung auch im Krisenfall gesichert.

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