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Presserat: 90 Prozent der Rügen an "Krone", "Österreich" und "Heute" Oesterreichischer Presserat/APA Fotoservice Schedl

Auditorium Öst. Presserat

Oesterreichischer Presserat/APA Fotoservice Schedl

Auditorium Öst. Presserat

Redaktion 12.10.2015

Presserat: 90 Prozent der Rügen an "Krone", "Österreich" und "Heute"

Seit 2010 insgesamt 807 gemeldete Fälle und 92 Verstöße gegen Ehrenkodex für die österreichische Presse. Griss hält Verzicht auf Rechtsweg für nicht gerechtfertigt

Wien (APA) - Der Presserat hat in den ersten fünf Jahren seiner Tätigkeit 92 Verstöße gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse festgestellt. Das Gros der medienethischen Verfehlungen, nämlich 90 Prozent, ging dabei auf das Konto der Boulevardtitel "Kronen Zeitung", "Österreich" und "Heute". Insgesamt beschäftigten sich die drei Senate des Presserats seit der Neugründung 2010 mit 807 Fällen.

Bei der "Kronen Zeitung" gab es demnach bei 159 gemeldeten Fällen bisher 41 Verstöße. Dahinter landeten "Österreicher" mit 28 Rügen (95 Fälle), "Heute" mit 14 (82 Fälle) sowie die FPÖ-nahe Zeitschrift "Zur Zeit" mit 3 (5 Fälle). Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gemeldeter Fall zu einem Verstoß führt, beträgt bei "Zur Zeit" 60 Prozent (die Zahl der gemeldeten Fälle war hier allerdings niedrig), bei "Österreich" 29,5 Prozent, bei der "Kronen Zeitung" 25,8 Prozent und bei "Heute" 17 Prozent.

Presserats-Präsidentin Astrid Zimmermann betonte Mittwochabend bei einer Festveranstaltung zum fünfjährigen Jubiläum die positive Entwicklung der vergangenen Jahre. "Bei den meisten wichtigen Medien und Institutionen genießt der Presserat heute wieder Anerkennung und Bedeutung", so Zimmermann

Die ehemalige Höchstrichterin und Hypo-Kommissionsleiterin Irmgard Griss, Vorsitzende des Senats 3 im Presserat, bezeichnete es allerdings als "Wermutstropfen", dass die drei auflagenstarken Zeitungen "Krone", "Österreich" und "Heute" nicht beim Presserat mitmachen. Der Presserat prüft die Boulevardblätter freilich trotzdem. Kritisch sah Griss auch, dass Personen, die von der Berichterstattung selbst betroffen sind, auf den Rechtsweg verzichten müssen, wenn sie eine Entscheidung des Presserats erwirken möchten. Da der Presserat nicht über gleichwertige Sanktionen wie die Gerichte verfüge, sei dies nicht gerechtfertigt.

 Aidan White, Direktor des "Ethical Journalism Network" London, betonte unterdessen den Stellenwert der Selbstreflexion für eine Demokratie. Im Bereich der Medienselbstkontrolle nehme Europa eine Vorreiterrolle ein. Dennoch könne die Selbstkontrolle auch hier noch ausgebaut werden. White sprach sich dafür aus, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für ethisch korrekten und unabhängigen Journalismus zu schärfen. Ethischer Journalismus sei die Lebensader einer Demokratie, so White.

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