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Presserat: "Best of böse"-Satire im "Falter" medienethisch zulässig © APA/ AFP/Joe Klamar
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Redaktion 21.02.2022

Presserat: "Best of böse"-Satire im "Falter" medienethisch zulässig

"geilzeit" betitelte Fotomontage zeigte Kurz' Lebensgefährtin mit entblößter Brust; ob sinnvoll und gelungen seien "Geschmacksfragen".

WIEN. Im Dezember 2021 hat der "Best of Böse"-Jahresrückblick der Wochenzeitung Falter für Aufregung gesorgt. Eine mit "geilzeit" betitelte Fotomontage im Stil einer Krippenszene zeigte Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz' Lebensgefährtin Susanne Thier mit entblößter Brust. Mehrere Personen - auch aus der Politik - befürchteten einen Eingriff in deren Persönlichkeitsschutz und wandten sich an den Presserat. Dieser erklärte die Montage nun als medienethisch zulässig.

Auf dem Bild sind Kurz und dessen Lebensgefährtin mit neugeborenem Kind als Josef und Maria zu sehen. Darüber hinaus sind zwei Politiker als Hirten dargestellt. Der Begleittext lautet: "Die liebe Familie". Der Presserat hielt in einer Aussendung zunächst fest, dass die Presse- und Meinungsfreiheit bei Satire und Karikatur besonders weit auszulegen sei. Dennoch gebe es Grenzen wie die Menschenwürde einer Person zu beachten.

Mit dem Titel "geilzeit" werde auf das Magazin Freizeit der Tageszeitung Kurier, "der der Falter offenbar eine besondere Nähe zu Sebastian Kurz zuschreibt", als auch das "Geilomobil" aus dem Wiener Wahlkampf 2010 angespielt, so das Selbstkontrollorgan. "Die liebe Familie" beziehe sich wiederum nicht nur auf die junge Familie Kurz, sondern auch auf die Gruppe junger Männer, die als "türkise Familie" bezeichnet werden. "Die Bildveröffentlichung ist eine Persiflage darauf, dass vor allem familiäre Gründe (und nicht belastende Chatnachrichten) für den Rückzug aus der Politik ausschlaggebend gewesen seien", interpretierte der Presserat.

Zu prüfen galt es, ob Thier auf diese Art und Weise in den politischen Diskurs miteinbezogen werden durfte. Die Darstellung mit entblößter Brust weise im Kontext mit der Überschrift "geilzeit" einen sexualisierten Gehalt auf, womit ein Eingriff in die Privatsphäre vorliegen könnte. Zwar übte Thier selbst keine politische Funktion aus, doch war sie während der politischen Tätigkeit von Kurz in den Medien präsent - etwa bei Wahlkampfveranstaltungen an seiner Seite oder nachdem ihre Schwangerschaft bekannt gegeben worden war. "Folglich nahm Thier am öffentlichen Leben teil, und die Beziehung mit Kurz wurde für die politische Erzählung des Politikers eingesetzt", hielt der Senat 1 des Presserats fest und maß diesem Umstand entsprechendes Gewicht hinsichtlich seiner Entscheidung bei. Zudem sei für die Betrachterinnen und Betrachter erkennbar, dass es sich um eine Montage handle.

Der Presserat anerkannte den Umstand, dass der Falter mehrere die Montage scharf kritisierende Leserbriefe veröffentlichte. Allerdings hätten sowohl Chefredakteur Florian Klenk als auch Herausgeber Armin Thurnher auf die "umfangreiche, mit Argumenten untermauerte Kritik der Öffentlichkeit differenzierter reagieren" können, merkte das Selbstkontrollorgan kritisch an.

"Ob die Satire als gelungen einzustufen ist und ob es sinnvoll war, die Lebensgefährtin des eigentlichen politischen Akteurs in den Mittelpunkt der Bildkomposition zu rücken, sind Geschmacksfragen, für die die Senate des Presserats nicht zuständig sind", wurde abschließend festgehalten. Fest stehe, dass nach Abwägung aller Aspekte der Beitrag medienethisch zulässig sei.

"Man konnte leider davon ausgehen, dass das Gremium unter dem Vorsitz von Ex-SPÖ-Justizministerin Maria Berger zu diesem Urteil kommt. Insofern ist das zwar entsetzlich, aber nicht überraschend", reagierte ÖVP-Frauensprecherin Elisabeth Pfurtscheller auf die Entscheidung. (red)

 

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