MARKETING & MEDIA
„Radio ist immer safe” © Sabine Hauswirth
© Sabine Hauswirth

Redaktion 09.07.2021

„Radio ist immer safe”

RMS-Geschäftsführer Joachim Feher über Brand Safety im Radio, DAB+, Green GRP und zur Frage, warum gerade Radio in 2020 so dazugewinnen konnte.

WIEN. Seit 2017 lenkt Joachim Feher als Geschäftsführer der RMS Radio Marketing die Geschicke des größten heimische Privatradio-Werbezeitenvermarkters. Im ausführlichen Gespräch mit medianet erklärt Feher unter anderem, warum es eigentlich nicht mehr Radiowerbung, sondern Audiowerbung heißen muss und weshalb in Zeiten der Pandemie gerade seine Gattung gewonnen hat.

medianet: Herr Feher, seit gut vier Jahren lenken Sie die Geschicke des Radio-Werbezeitenvermarkters RMS in Österreich und gerade in diesen und vor allem im letzten Jahr hat sich besonders bei dieser Gattung einiges getan. Wie war diese Entwicklung aus Ihrer Sicht?
Joachim Feher: Wir sprechen eigentlich nicht mehr nur von Radiowerbung allein. Wir sprechen von Audio, und ich habe mir schon damals, als ich den Job angetreten habe, das Ziel gesetzt, Radiowerbung zu entstauben.

medianet:
Warum war das notwendig?
Feher: Es gab wenig Neues, das Image war durchaus konservativ, und mir war es wichtig, vor allem die Attraktivität und die Stärke des Mediums deutlich in den Vordergrund zu stellen. Ich glaube auch, dass uns das ganz gut gelungen ist. Gerade wenn man auf die letzten 16 Monate während der Pandemie zurückblickt, fällt die Bilanz von Radiowerbung exzellent aus.

medianet:
Apropos: Warum wächst gerade Radiowerbung in Zeiten wie diesen? Wir sprechen hier zum Teil von 20 Prozent Plus, die der Gattung Radio ausgewiesen werden.
Feher: Audio hat sich als Critical Success Factor etabliert – auch, weil Audiowerbung beim Thema Geschwindigkeit im Vergleich zu anderen zu produzierenden Werbeformen unschlagbar schnell ist. Und in Zeiten wie diesen, die wie eine Art Brennglas den Fokus auf das nur Wichtigste gelenkt haben, ist natürlich unsere Schnelligkeit von der Konzeption, über die Produktion bis zur Umsetzung ein echter Vorteil für Radiowerbung …

medianet:
Und auch die Reichweiten, die man beim Radio einfach kaufen kann.
Feher: Absolut. Wir haben 75 Prozent Tagesreichweite und wir erreichen 95 Prozent der Menschen, die zumindest ein Mal in der Woche Radio hören. An diese Leistungswerte kommen andere Gattungen nicht heran.

medianet:
Welche Vorteile gibt es noch?
Feher: Neben vielen anderen Faktoren ist es sicherlich auch das hohe Maß an Flexibilität, die wir als RMS schon immer bieten konnten, und auch unser hoher Anspruch, unseren Kunden auch den bestmöglichen Service anbieten zu können. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen sich die Werbebotschaften, quasi dem Tagesgeschehene angepasst, fast täglich ändern mussten, bietet Radiowerbung mit seiner hohen Flexibilität unschlagbare Vorteile.

medianet:
Wie entwickelt sich das Portfolio, welches die RMS Ihren Kunden anbieten kann?
Feher: Das Schöne am Umstand, dass Radio Rückenwind hat, ist, dass dadurch auch das Angebot wächst – nicht nur bei den Sendern, sondern auch die Empfangswege werden mehr, was wiederum den Werbekunden zugutekommt.

medianet:
Zu den Empfangswegen: Gerade beim Thema Vermarktung von Podcasts & Co ist die RMS auch sehr aktiv.
Feher: Um es mit den Worten von Life Radio-Geschäftsführer Christian Stögmüller zu sagen: Wir machen Radio, aber nicht nur. Die Digitalisierung bietet hier den Vorteil, dass wir die Hörerinnen und Hörer auf verschiedenen Devices quasi lückenlos durch den Tag begleiten können – Werbebotschaften inklusive.

medianet: Einer dieser Verbreitungswege, DAB+, feiert dieser Tage seinen zweiten Geburtstag. Wie ist hier die Situation aktuell?
Feher: Großartig. Gerade in den letzten Wochen sind etliche Sender on Air gegangen. Der Multiplex in Wien ist voll, und mittlerweile ist auch jeder Sendeplatz beim österreichweiten Multiplex besetzt. Das heißt für viele Sender, die bisher nur lokal oder regional empfangbar waren, dass sie und damit auch ihre Werbepartner bundesweit zu empfangen sind.

medianet:
Und welche Rolle spielt DAB+ bei den Erlösen? Sind das schon für die RMS relevante Summen?
Feher: Vor allem ist es ein Segment, das kontinuierlich an Bedeutung gewinnt. Das sieht man allein daran, dass am Multiplex kein Platz mehr frei ist.

medianet:
Welche Bedeutung für den Erfolg von Radiowerbung spielt der Umstand, dass im Gegensatz zu anderen Werbeformen das Werberformat im Radio quasi bis auf variable Spotlängen immer gleich ist?
Feher: Das ist sicherlich auch ein Grund für die Stabilität in unserem Sektor. Egal welches Ausspielgerät am anderen Ende der Leitung steht, das gesendete Signal ist immer gleich. Und was hinzukommt: Radio ist dank der Digitalisierung ein Medium, dessen Content du immer und überall 24/7 und immer in seiner aktuellsten Form verfügbar hast. Und dank der Themenkanäle unserer Sender, die ja immer mehr werden, kann ich mir als Konsument sogar eine eigene, thematisch an meine jeweilige Situation angepasste, audiophone Umgebung schaffen. Welche andere Medium kann das?

medianet:
Es gibt ein Thema, welches derzeit Eingang in alle Wirtschaftsgebiete und Branchen findet: Nachhaltigkeit. Wie sieht es damit beim Radio aus?
Feher: Mit Green GRP und Admosfy haben wir nun auch in Österreich zwei Initiativen, die den CO2-Ausstoß der einzelnen Werbeformen transparent machen. Und wer bei seiner Planung auch ein Auge auf den CO2-Footprint seiner Kampagne hat, für den ist Radio unverzichtbar. Ich sage nur: 17fach geringerer CO2-Ausstoß als TV und um den Faktor 59 geringer als Online- Display.

medianet:
Kommen wir zum Schluss zu einem sowohl für Auftraggeber als auch Agenturen wichtigen Thema. In Zeiten von immer mehr möglichen Kanälen, in denen meine Werbung ausgespielt werden kann, gewinnt die Thematik Brand Safety immer mehr an Bedeutung. Was bietet die Gattung Audio hier an?
Feher: Als Auftraggeber kann ich bei Radiowerbung immer sicher sein, dass meine Botschaft und meine Kommunikation immer in einem Umfeld zu hören sein wird, das meiner Marke schmeichelt. Gerade in Zeiten, wo Werbung über digitale Kanäle eine wesentliche Rolle bei der Vermittlung von Werbebotschaften einimmt, wird dieses Thema immer wichtiger. Was nutzt es mir als Unternehmen, wenn ich irgendwo im Netz möglichst viel Werbepräsenz zu möglichst billigen Preise bekomme und sich dann mein Produkt in einer mehr als zweifelhaften Umgebung wiederfindet und mir am Ende die Aktion mehr schadet als nutzt.

Im Gegensatz dazu ist Radio immer safe. (mab/fej)

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