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RSF launcht Digital Security Lab © pixabay
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Redaktion 15.07.2022

RSF launcht Digital Security Lab

Das digitalforensische Labor, mit dem den Gefahren der Online-Überwachung besser begegnet werden kann, richtet sich an Journalisten und Journalistinnen

BERLIN. Auf den Tag genau ein Jahr nach den Enthüllungen über den massenhaften Einsatz der Spähsoftware Pegasus auch gegen Medienschaffende stellt Reporter ohne Grenzen (RSF) sein neu gegründetes Digital Security Lab vor: ein digitalforensisches Labor, durch das den Gefahren der Online-Überwachung besser begegnet werden kann. Es richtet sich an Journalistinnen und Journalisten, die befürchten, dass ihr Telefon oder ihr Computer digital ausgespäht werden, mit einem Virus infiziert sind oder dass einer ihrer Accounts übernommen wurde.

„Die digitale Bedrohung Medienschaffender ist real; das hat die Pegasus-Affäre eindrücklich vor Augen geführt“, sagt RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Mit dem RSF-Digital Security Lab können wir endlich angemessen auf die vielen Hilfsanfragen von Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt reagieren, die befürchten, dass sie ausgespäht werden oder von anderen digitalen Übergriffen betroffen sind.“

Prinzipiell können sich alle Journalistinnen und Journalisten an das Digital Security Lab wenden, die einen plausiblen Verdacht haben, aufgrund ihrer Arbeit online ausspioniert worden zu sein. Begründet ist die Sorge zum Beispiel, wenn eine Person ausgefeilte Phishing-Nachrichten erhalten hat. Weitere Verdachtsmomente sind unerklärbare Informationslecks oder allgemeine Repressionen durch einen autoritären Staat. Die Bedrohung ist potenziell umso größer, je mehr die journalistische Arbeit mächtigen und einflussreichen Menschen missfällt.

Digitale Spurensuche auf den Endgeräten
Das Digital Security Lab ist ein internationales RSF-Projekt mit drei Mitarbeitenden in Berlin. Sie prüfen die Endgeräte Medienschaffender auf Spuren bekannter Spähtechnologie. Viele Angreifer verwenden Phishing-Tricks, um Betroffene dazu zu bewegen, einen Link anzuklicken oder einen Anhang zu öffnen. Deshalb beginnt die Spurensuche etwa bei verdächtigen Nachrichten, um herauszufinden, ob sich dahinter Spyware verbirgt. Des Weiteren untersucht das Team installierte Programme und sichtet sonstige Datenspuren, die Hinweise auf zuvor ausgeführte Programme oder Aktivitäten geben. Zudem kann das Verhalten von Endgeräten Aufschluss geben, also zum Beispiel, welche Internetverbindungen von dem Gerät ausgehen.

Bereits 2019 hatte Reporter ohne Grenzen den Digital Helpdesk ins Leben gerufen. Dieser ist Teil des Berliner Stipendienprogramms zur Stärkung von Journalistinnen und Journalisten im digitalen Raum, das von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gefördert wird. Im Rahmen dieses Programms werden Medienschaffende aus aller Welt eingeladen, um sie zu Themen der digitalen Sicherheit zu schulen. Der Helpdesk übersetzt dies in die Breite. Seine Kernaufgaben bestehen darin, Informationen über digitale Sicherheit auf die Webseite zu stellen und aktuell zu halten und Lehrvideos zu produzieren, um das Thema greifbarer und einfacher zugänglich zu machen.

Ermöglicht durch private Spenden geht RSF mit der Einrichtung des Digital Security Labs nun einen weiteren Schritt, indem es Beratung bei speziellen Problemen bietet. Seit es den Helpdesk gibt, hatten sich immer wieder auch einzelne Medienschaffende mit individuellen Problemen hilfesuchend an RSF gewendet.

Pegasus wohl nur die Spitze des Eisbergs
Am 18. Juli 2021 wurde durch Recherchen eines internationalen Medienverbunds bekannt, dass Telefone von zehntausenden Politikern, Menschenrechtsaktivistinnen und Journalisten potenziell durch die Spionage-Software Pegasus der israelischen NSO Group überwacht wurden. Auf der Liste der Telefonnummern fanden sich auch die von mehr als 200 Medienschaffenden wieder. Am 20. Juli 2021 reichte RSF zusammen mit zwei Journalisten aus Marokko und Frankreich eine Klage bei der Pariser Staatsanwaltschaft ein. Dieser schlossen sich wenig später zahlreiche weitere Medienschaffende aus sieben verschiedenen Ländern an. Zudem sprach sich ein breites Bündnis aus gemeinnützigen Organisationen und Fachleuten für Sanktionen gegen die israelische NSO Group aus. (red)

 

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