RTL AdAlliance: „Total  Video ist das A und O“
© medianet
MARKETING & MEDIA Redaktion 03.04.2026

RTL AdAlliance: „Total Video ist das A und O“

Elisabeth Frank und Ricarda Lederle im medianet TV-Talk über die neue plattformübergreifende Strategie.

•• Von Chris Radda  und Jakob Klawatsch

Mit 1. Januar 2026 hat Elisabeth Frank bei der RTL AdAlliance Austria die Rolle der Local Managing Director von Walter Zinggl übernommen, der noch bis Ende 2026 als Management Advisor im Unternehmen bleibt. Neben dem Führungswechsel gab es zum Jahresanfang auch eine strategische Neuausrichtung. Dazu waren Frank und Multichannel Sales Director National & International Ricarda Lederle zu Gast im mediadome press­club bei Herausgeber Chris Radda. Im Gespräch ging es um die Transformation und die Zukunft der Bewegtbildvermarktung. Der Grundtenor: Bewährtes soll bleiben, das Geschäftsmodell wird aber breiter, digitaler und internationaler. Nach 13 Jahren an der Spitze hatte Walter Zinggl mit Anfang 2026 das Zepter an Elisabeth Frank weitergegeben. Sie hat nun als Local Managing Director die Geschäftsführung der Wiener RTL AdAlliance GmbH inne.

Kontinuität statt Bruch
Die Übergabe sieht sie aber nicht als Bruch, sondern vielmehr als eine Weiterentwicklung: „Wir werden die partnerschaftliche, hochqualitative Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden so weitermachen, wie es uns Walter Zinggl schön vorgelebt hat.“ Neben der Fortsetzung von Zinggls Arbeit sieht Frank ihre Aufgabe darin, das Unternehmen in Richtung Zukunft auszurichten. „Mit unserem Broadcaster-Background können wir sehr gut unsere Partnerinnen und Partner unterstützen, ihre Themen und Marken zu den Konsumentinnen und Konsumenten zu bringen“, erklärt die Managing Director.

„Total Video“ als Kern
Im Zentrum der Neupositionierung der RTL AdAlliance Austria steht ein Begriff, der sich durch das gesamte Gespräch zieht: „Total Video“. Gemeint ist die gebündelte Vermarktung aller Bewegtbildangebote, von klassischem linearen Fernsehen über Streaming bis hin zu Addressable TV und weiteren digitalen Videoangeboten.

Multichannel Sales Director National & International Lederle bringt es so auf den Punkt: „Total Video ist genau das, was wir uns auf die Fahne schreiben. Dafür stehen wir – nicht nur in Österreich, sondern auch europäisch. Total Video ist das A und O.“ Durch die Einbindung des Wiener Standortes in die internationale Struktur der RTL AdAlliance sei ein „großes Ganzes“ entstanden, von dem schließlich auch der österreichische Markt profitiere.

Konkret bedeutet das: Werbekunden sollen nicht mehr in einzelnen Kanälen denken müssen. Stattdessen rückt nun die Zielgruppe in den Mittelpunkt. „Du verkaufst jetzt gar nicht einen Sender, eine Zeitschiene, oder eine Website, sondern du sagst: Hier erreichst du deine Audience“, so die Multichannel Sales Director National & International.

Europäische Ausrichtung
Ein wesentlicher Vorteil der neuen Strategie sei die internationale Vernetzung: Kampagnen könnten nun einfacher länder-übergreifend geplant und umgesetzt werden. „Wenn österreichische Kunden international, über die Landesgrenzen hinaus, buchen wollen“, erklärt Lederle, „dann ist das jetzt aus einer Hand in Wien bei uns möglich. Als Kunde kann man Österreich buchen, Deutschland buchen oder auch Frankreich buchen. Das macht Total Video für ganz Europa sehr sinnvoll.“ Gerade für international tätige Unternehmen sei das ein entscheidender Vorteil. Zugleich funktioniere das von Lederle skizzierte Modell auch in die andere Richtung: Internationale Kunden können über Wien den österreichischen Markt erschließen. Damit werde der Standort stärker in die europäische Gesamtstrategie der RTL AdAlliance integriert.

Wachstumstreiber Streaming
Parallel dazu verändere sich die Mediennutzung rasant, und damit auch das Geschäft. Frank verweist im Gespräch mit media­net-Herausgeber Radda auf die rasch wachsende Bedeutung von Streaming. „Wir haben alleine in Österreich aktuell 77% der Seherinnen und Seher und Konsumentinnen und Konsumenten, die Streamingangebote nutzen“, so Frank.
Deshalb komme RTL+ in der Strategie der RTL AdAlliance eine zentrale Rolle zu. Die hauseigene Streamingplattform soll zu Europas größter Entertainment-Plattform ausgebaut werden. „Wir hatten im Jänner rund 900.000 Active Users auf RTL+ und es wächst kontinuierlich“, unterstreicht die Managing Director die Relevanz.

Außerdem stehe die Streamingplattform RTL+ exemplarisch für die neue Konvergenz: Neben klassischen TV-Inhalten umfasst das Angebot dort auch Audio, Gaming und weitere digitale Formate. „Wir versuchen, mit RTL+ ein Angebot für die werbetreibende Wirtschaft zu schaffen, das wirklich allumfassend die Mediennutzung der Konsumentinnen und Konsumenten in der heutigen Zeit abbildet und auch zur Verfügung stellt“, unterstreicht Frank.

Targeting-Möglichkeiten
Mit der fortschreitenden Digitalisierung wächst auch die Bedeutung von Daten und Technologie: Addressable TV, HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV; ein Standard, der Fernsehen über klassische Sender mit Online-Diensten wie Mediatheken oder Apps verbindet) und datenbasierte Zielgruppenmodelle eröffnen etwa neue Möglichkeiten der Kampagnensteuerung.
Frank beschreibt die Entwicklung so: „Wir haben mittlerweile die Möglichkeit, über die HbbTV-Daten auch wirklich Datenpunkte anzusprechen.“ Kampagnen könnten dadurch „wirklich regional runtergebrochen“ und „dynamisch angesteuert“ werden.

Für Werbekunden bedeute das mehr Präzision und gleichzeitig mehr Komplexität. Genau hier sieht Lederle eine zentrale Aufgabe des Vertriebs: „Unsere Challenge ist, dass du den Kunden glücklich machst und ihm genau das anbietest, was er braucht, wo er seine Zielgruppe erreichen kann.“

„Simplicity“ notwendig
Trotz wachsender Komplexität bleibt auch hier das Ziel klar: Die Buchung soll einfacher werden. „Die Leute brauchen diese Simplicity“, betont Lederle. Die Erwartungshaltung der Kunden sei geprägt von großen Plattformen wie Amazon oder Meta, wo Kampagnen schnell und unkompliziert gebucht werden können.  Hier will die RTL AdAlliance „anknüpfen“ und gleichzeitig ihre eigenen Stärken ausspielen.

Reichweite bleibt zentral
Stichwort eigene Stärken: Die Reichweite der RTL AdAlliance bleibt auch in Zukunft ein entscheidender Vorteil. „Wir haben ein Riesenportfolio“, unterstreicht die Multichannel Sales Director National & International. Dieses gelte es in Zukunft stärker zu kommunizieren, insbesondere im digitalen Bereich. Denn die Wahrnehmung als reiner TV-Vermarkter greife bei der RTL AdAlliance längst zu kurz.

Vielmehr gehe es darum zu zeigen, dass Bewegtbild heute plattformübergreifend funktioniert: „Es ist nicht nur der lineare TV-Sender, sondern es ist so viel mehr im Hintergrund.“

Vorsichtiger Optimismus
Trotz eines herausfordernden Marktumfelds blicken Frank und Lederle vorsichtig optimistisch auf das laufende Jahr 2026. Die Multichannel Sales Director National & International erwartet eine Verschiebung der Budgets: „TV geht zurück, aber umso wichtiger ist es, hier im digitalen Bereich aufzufangen.“ Frank sieht die RTL AdAlliance hierfür gut positioniert. „Wir sind auf jeden Fall auf Wachstumskurs.“ Die neue Struktur rund um „Total Video“ eröffne zusätzliche Potenziale – insbesondere durch techno­logische Weiterentwicklungen und die internationale Integration.

Gleichzeitig bleibe die Dynamik hoch. „Ich habe den Eindruck, es beschleunigt sich ­alles“, so Frank. Umso wichtiger sei es, relevante und leicht zugängliche Angebote zu schaffen, sowohl für Werbekundinnen und -kunden als auch für Konsumentinnen und Konsumenten.

Das gesamte Interview sehen Sie auf: tv.medianet.at

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL