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"Stadl": Nach 35 Jahren nur noch zu Silvester dpa/Bodo Schackow

Andy Borg

dpa/Bodo Schackow

Andy Borg

Redaktion 12.01.2016

"Stadl": Nach 35 Jahren nur noch zu Silvester

"Musikantenstadl" sorgte seit 1981 für mediale Aufbereitung der Volkstümlichen Musik; Neuauflage mit "Stadlshow" floppte bei Zusehern.

Wien. Viele können sich an eine Welt ohne ihn gar nicht erinnern: Seit bald 35 Jahren hat der "Musikantenstadl" Volkstümliche Musik und Schlager in die Wohnzimmer von Millionen Zuschauern gebracht. Nach zuletzt aber einbrechenden Quoten sollte eine Verjüngung der Show nochmals Schwung und Anziehungskraft geben. Das schlug allerdings fehl: Die "Stadlshow" wird künftig nur noch zu Silvester stattfinden

Die gemeinsame Produktion von ORF, Bayerischem Rundfunk und SRF gilt als eine der langlebigsten Sendungen im Fernsehen. Anfang 1981 erstmals ausgestrahlt, sorgte Moderator Karl Moik mit seinem Sidekick Hias (eigentlich Erich Mathias Mayer) für unterhaltsame Stunden in den Hallen und vor den Bildschirmen. Neben den musikalischen Darbietungen basierte die Show maßgeblich auf den kurzen Gesprächen dazwischen und lebte nicht zuletzt von der Atmosphäre vor Ort, wo die Besucher das Geschehen auf Bierbänken sitzend und eifrig mitklatschend verfolgten.

 Mehr als 180 Folgen wurden in den vergangenen Jahrzehnten produziert, wobei der "Stadl" lange Zeit als Quotengarant galt. Der Charme der Sendung schien viele zu begeistern, was nicht zuletzt an doch ausgefallenen Locations abzulesen war. So war der "Stadl"-Tross auch in Melbourne, Kapstadt und Dubai zu Gast und sorgte für stets schunkelnde Unterhaltung. Und sogar neben Mickey Mouse ging Moik auf Sendung, als man aus der Disney World Florida on Air ging. Auf seiner Idee beruhte die Show auch, die am 5. März 1981 im oberösterreichischen Enns Premiere feierte. In den 1980ern waren in Österreich bis zu drei Mio. Fernsehzuschauer dabei.

Die im "Stadl" gezeigte heile Welt musste zwischendurch aber auch einige Kratzer verkraften, als Moik etwa in einer Sendung 2004 die Italiener als "Spaghetti-Fresser" bezeichnete und dafür heftige Kritik erntete. Im Herbst desselben Jahres fanden Reporter des RTL-Magazins "Explosiv" angeblich Spuren von Kokain auf der Künstlertoilette. Im Jahr 2005 verließ Moik seine Show schließlich, und zwar nicht ganz freiwillig. ARD und ORF hatten ihn zu einem Rücktritt bewogen, auch weil die Quoten zurückgegangen waren.

Es folgte die Ära von Andy Borg, der die Sendung bis zum Sommer des Vorjahres präsentierte. Aber ähnlich wie beim "Stadl"-Erfinder, gab es zuletzt schwächer werdende Seherzahlen, weshalb sich die Partnersender für eine Neuausrichtung der Show entschieden - sehr zum Unmut vieler Borg-Fans, dem sie allen voran via Facebook und Co Luft machten. Borg selbst bezeichnete seinen Abschied als "eine bittere Pille, die es zu schlucken gilt". Im kroatischen Pula ging im Sommer 2015 schließlich sein letzter "Musikantenstadl" über die Bühne, bei dem das obligatorische "Adios Amor" den Schlusspunkt bildete. "Ich bin stolz, Moderator dieser legendären Sendung gewesen zu sein", sagte Borg. "Servus" und "san's meinetwegen nicht traurig"

Doch auch die kurz darauf präsentierte "Stadlshow" konnte den quotentechnischen Sinkflug nicht stoppen - ganz im Gegenteil. Die Premiere mit dem Moderationsduo Francine Jordi und Alexander Mazza, die Mitte September 2015 im deutschen Offenburg über die Bühne ging, brachte einen Minusrekord in Deutschland. Nur 2,46 Mio. Zuseher waren bei einem Marktanteil von 9,6 Prozent dabei. Etwas besser lief es in Österreich, wo immerhin 526.000 Zuschauer (22 Prozent Marktanteil) zuschalteten. Die Verantwortlichen machten daraufhin deutlich, noch bis zur Silvesterausgabe mit einer Entscheidung über die weitere Zukunft abwarten zu wollen. Nun ist es fix: 2016 und 2017 soll die "Stadlshow" nur noch zu Silvester über die Bildschirme flimmern. Der langsame Abschied nach 35 Jahren Fernsehgeschichte wird also prolongiert. (APA)

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