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„Start spreading the news, I’m leaving today“ © Martina Berger

Fabian Winkler (JMC), Robert Napoli, Philip Delvecchio (beide Hapday Group) und Josef Mantl (JMC) waren für ein Interview zu Gast bei medianet.

© Martina Berger

Fabian Winkler (JMC), Robert Napoli, Philip Delvecchio (beide Hapday Group) und Josef Mantl (JMC) waren für ein Interview zu Gast bei medianet.

Redaktion 03.10.2019

„Start spreading the news, I’m leaving today“

Die New Yorker Manager Philip Delvecchio und Robert Napoli über die Unternehmensexpansion in die USA.

••• Von Nadja Riahi

Es ist die Stadt des Big Apple, über die Frank Sinatra und Alicia Keys in ihren Songtexten schwärmen und wo es an der Wallstreet kräftig klingelt. Die Rede ist natürlich von New York City. Wer beim Gedanken an die Brooklyn Bridge, den Central Park und die Skyline von Manhattan allerdings Udo Jürgens’ Worte „Ich war noch niemals in New York“ ausruft, sollte das ändern. Zumindest wenn es nach Philip Delvecchio und Robert Napoli geht. Die beiden Manager der New Yorker Hapday Group, einem Accelerator, der Unternehmen bei der Expansion in den US-Markt hilft, gastierten vor Kurzem in Wien.

Ein großer Austro-Event
Auf Einladung des Moving Forward Conference-Veranstalters Josef Mantl (JMC) sprachen die beiden bei einem Round Table im Hotel Le Méredien, um so österreichischen Start-ups und Unternehmern die Scheu vor dem Sprung über den Atlantik zu nehmen. Die Moving Forward Conference fand heuer zum zweiten Mal neben Wien auch in New York statt. „Als größter Austro-Event in den Vereinigten Staaten ist die Moving Forward Conference ein Motor der wirtschaftlichen Vernetzung zu Digitalisierungs- und Technologie-Themen. Wir möchten innovative Unternehmen aus Österreich bei ihrer Expansion in die USA ermutigen, begleiten und mit den führenden Köpfen aus New York City vernetzen“, sagt Josef Mantl.
medianet nutzte die Gelegenheit und bat die Experten aus New York City, Delvecchio und Napoli, zu einem Interview.

medianet: Herr Delvecchio, Herr Napoli, Sie beide arbeiten mit Unternehmen zusammen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen auch in den USA anbieten wollen. Warum sollten sich Unternehmer dafür entscheiden, ausgerechnet nach New York, Chicago, in das Silicon Valley oder andere amerikanische Städte zu expandieren?

Robert Napoli: Da gibt es einige Gründe. Der Markt ist groß und attraktiv; es gibt viele lukrative Angebote, dort ist – sagen wir es mal so – viel Geld zu holen. Dennoch finde ich, dass Unternehmen einen Einzug in den US-Markt nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten, sondern mit einem richtigen Ziel vor Augen diesen großen Schritt machen. Einfach zu sagen ‚Wir gehen in die USA und verdienen dort eine Menge Geld‘ – das macht keinen Sinn.
Philip Delvecchio: Ich denke außerdem nicht, dass jedes Unternehmen in die USA expandieren sollte. Wie Robert schon sagte, Unternehmer können hier aus einem großen Pool an Möglichkeiten und Kapital schöpfen, jedoch ist der Markt übersättigt und sehr kompetitiv. Andererseits sollte sich unserer Meinung nach heutzutage jedes Unternehmen globaler aufstellen. Die Markteintrittsbarrieren sind zum jetzigen Zeitpunkt niedrig, und die Welt verändert sich ständig – da macht ein lokaler Zugang für den Unter­nehmenserfolg keinen Sinn. Wo sich das Unternehmen in den USA dann aufstellt – also in welcher Stadt –, ist eine andere Frage; auch da gibt es viel zu berücksichtigen.

medianet: Und da kommt die Hapday Group ins Spiel …

Delvecchio:
So ist es. Wir sprechen ständig mit den verschiedensten Unternehmen über den Markteintritt in die USA, letztendlich arbeiten wir jedoch nur mit einigen wenigen ausgewählten zusammen. Wenn wir sehen, dass sich die Unternehmer wirklich ernsthafte Gedanken darüber gemacht haben, wie und wann sie ihr Unternehmen expandieren wollen – und auch werden –, dann helfen wir ihnen, die Kosten zu minimieren und die Herausforderungen bestmöglich zu meistern.
Napoli: Wir nennen diesen Übergang ‚Build – Train – Transition‘. Wir helfen den Unternehmen unter anderem, Kundenkontakte zu knüpfen und sich langfristig ein Netzwerk aufzubauen. Beim ‚Training‘ kümmern wir uns um den Einstellungsprozess von neuen Mitarbeitern vor Ort und schließlich lassen wir die Unternehmen mit unseren Learnings im Gepäck los. Dieser Übergang ist uns sehr wichtig: Wir wollen nicht, dass die Unternehmen von der Hapday Group abhängig sind. Im Gegenteil: Wir wollen, dass sie wachsen und ­selbstständig das implementieren, was sie von uns gelernt haben.

medianet: Machen wir ein kleines Gedankenspiel … Angenommen, ich habe ein Unternehmen und will in die USA expandieren. Was wären für mich die ersten Schritte?

Delvecchio:
Als Erstes müssten Sie sich darüber im Klaren sein, welche Ziele Sie mit einem Markteintritt in die USA verfolgen. Das hilft wiederum uns, herauszufinden, ob Sie sich in dem richtigen Mindset befinden. Die Hapday Group muss das Produkt und seine Kunden verstehen.

Napoli:
Das Produkt muss auch in dem Heimatland funktionieren. Wenn alle diese Punkte gegeben sind, dann werden wir ein betriebsinterner Partner in dem Unternehmen und bauen mit Ihnen Ihren Markenwert auf. Wir sind wirklich am Prozess beteiligt und nicht nur ausgelagerte Berater.

medianet: Wer länderübergreifend arbeitet, wird häufig mit kulturellen Differenzen konfrontiert. Welche, würden Sie sagen, bestehen zwischen den USA und Österreich?
Delvecchio: Ein großer Unterschied ist die Risikofreudigkeit. Die Angst vor dem Scheitern wird in Österreich unserer Meinung nach sehr großgeschrieben. In Amerika ist es genau umgekehrt – es werden Misserfolge gefeiert, da treiben wir es fast ein bisschen zu weit, wenn Menschen auf Bühnen stehen, von ihren, wie wir es nennen, ‚failures‘ erzählen und ihnen zujubelt wird. Jedoch muss man – das stimmt schon – um Erfolg zu haben, ein gewisses Risiko eingehen. In der österreichischen Kultur werden Misserfolge eher verurteilt, die Menschen trauen sich nicht, zu scheitern und fühlen sich schlecht, wenn etwas nicht klappt …

Napoli: Außerdem haben die Amerikaner ein großes Ego. Wir reden gern über uns und unsere Errungenschaften. Die Europäer prahlen nicht, dabei haben sie viel zu bieten und sollten ihre Produkte lauter bewerben. ­Gerade am amerikanischen Markt, der so riesig ist, darf man keine Angst haben, sich einzubringen. Schließlich ist deine Nachricht dort eine von einer Million …

Delvecchio: Die Menschen in Europa sind auch sehr reserviert, was ihre Erfolge betrifft. Erfolg wird eher erwartet als gefeiert. Außerdem entschuldigen sich Österreicher oft für ihre Talente und Fähigkeiten, anstatt diese hervorzuheben. Das sollte sich ändern.

medianet: Sie beide raten Unternehmen dazu, global zu denken und sich nicht an nur einen Standort zu binden. In Zeiten wie diesen sollte die Wirtschaft jedoch auch die Umwelt im Blick haben. Schließlich gehen so viele Menschen raus, um für Klimagerechtigkeit zu kämpfen. Wie passt das zusammen?
Delvecchio: Es ist sogar zwingend erforderlich, Nachhaltigkeit bei wirtschaftlichem Handeln mitzudenken. Auch Konsumenten haben hier eine große Verantwortung, denn sie treffen die Entscheidungen und können so die Welt ein Stück weit verändern. Alles, was wir Menschen tun, hinterlässt einen CO2-Fußabdruck. Andererseits gibt es noch die Investoren; ihre Aufgabe ist es, die Unternehmen, in die sie zu investieren gedenken, auf Nachhaltigkeit zu prüfen. Ich denke letztendlich, dass die Globalisierung nicht unbedingt gegen Nachhaltigkeit spricht. Dabei geht es mehr um das Bewusstsein.
Napoli: Je größer das Unternehmen, desto wichtiger die Corporate Social Responsibility. Du musst dir überlegen, was dein Impact auf die Welt ist. Große Macht bedeutet große Verantwortung. Es reicht nicht, ‚nur‘ nachhaltig zu denken, es muss auch gehandelt werden.

Delvecchio:
Genau. Dieser Nachhaltigkeitsdiskurs sollte auch länderübergreifend geführt werden. Die Globalisierung stellt die Umwelt sicher vor Herausforderungen, gleichzeitig bietet sie auch eine Möglichkeit zur Bildung von Einfühlungs­vermögen und zum Wachstum, indem man beispielsweise in ­andere Länder reist, neue Kulturen und Arbeitsweisen kennenlernt.

medianet: Welche Pläne hat die Hapday Group für die Zukunft?

Delvecchio: Wir möchten bei der Moving Forward Conference 2020 teilnehmen. Reisen ist – wie bereits vorher gesagt – eine unglaubliche Bereicherung. Wir möchten auch zusammen mehr Geschäftsreisen machen, denn das bereichert uns, haben wir gemerkt. Wir möchten weiterhin den Dialog für länderübergreifende Arbeit öffnen und offenlassen. Es ist uns ein großes Anliegen, Unternehmern den Übergang zu ihrem Business in den USA so nahtlos wie möglich zu gestalten. Wir möchten unsere Vision weiterverbreiten, sodass sie – auf sinnvolle Art und Weise – nachhaltig die Welt verändert.
Napoli: Wenn man sich die Hapday Group als Unternehmen ansieht, war und ist es immer noch so, dass wir Unternehmern helfen wollen. Wir verstehen uns auch als Networker, die ihr eigenes Business noch erweitern wollen. Und natürlich wollen wir mit unserer Leistung auch Geld verdienen, um uns das Leben in New York City leisten zu können (lacht). Die Hapday Group will ein Vermächtnis hinterlassen und für Menschen nachhaltig einen Mehrwert bieten. Darum freuen wir uns schon auf die Moving Forward Conference 2020 mit Josef. Wir haben ­wirklich genau das gleiche Mindset.

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