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Weniger Lifestyle, mehr Zeitgeist xdefxx

Franz J. Sauer (li.) und Gregor Josel sind seit mehr als 20 Jahren im Journalismus tätig, darunter 15 für den Wiener. Seit Jahresbeginn betreiben sie den Blog motorblock.at, der eine beeindruckende Erfolgskurve vorzuweisen hat. Mit aktuell rund 120.000 UC

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Franz J. Sauer (li.) und Gregor Josel sind seit mehr als 20 Jahren im Journalismus tätig, darunter 15 für den Wiener. Seit Jahresbeginn betreiben sie den Blog motorblock.at, der eine beeindruckende Erfolgskurve vorzuweisen hat. Mit aktuell rund 120.000 UC

Redaktion 10.09.2015

Weniger Lifestyle, mehr Zeitgeist

Die Motorjournalis­ten Franz J. Sauer und Gregor Josel sind die neuen Eigen­tümer des ­Wiener. medianet bat die Neo-Herausgeber zum Talk.

•• Von Reinhard Krémer

WIEN. Das Männermagazin Wiener hat zwei neue Eigentümer: Die Motorjournalisten Franz J. Sauer und Gregor Josel haben den Boliden aus dem Reich der Styria in ihren Stall überführt. medianet sprach mit den Neo-Herausgebern über Relaunchpläne – und Tageszeitverlängerung.

medianet: Andere Journalisten kaufen Weingüter – Sie legen sich gleich ein ganzes Magazin zu. War Ihr Leben bisher zu langweilig?
Sauer: Wer heute damit beginnt, Wein anzubauen, erntet die guten Früchte seiner Arbeit im nächsten oder übernächsten Leben. Da hoffen wir, doch schneller erfolgreich zu werden mit unserer Akquisition. Abgesehen davon, dass ich von Weinanbau null Ahnung habe, ich kann ihn gerade trinken. Dem ­Wiener bin ich nun schon seit 15 Jahren eng verbunden, ich betrachte ihn als meine journalistische Heimat und bilde mir ein, davon, wie ein gutes Magazin auszusehen hat, ein bisschen mehr zu verstehen als von Winzerei. Von Langeweile kann man in diesem Zusammenhang aber wohl kaum sprechen: Wir haben beide jüngst an höchster Stelle um Tageszeitverlängerung von 24 auf 36 Stunden angesucht. Mal sehen, ob das durchgeht …
Josel: Abgesehen davon, dass die Gelegenheit, diese tolle Marke aus dem Styria-Verbund zu übernehmen, aufgrund der dortigen Restrukturierungen eine günstige und einzigartige war, versprechen wir uns besonders von der Erweiterung des Wiener-Angebots auf den Online-Bereich eine Menge. Franz und ich, wir beschäftigen uns schon seit mehreren Jahren intensiv mit der Online-Welt, die für uns nicht nur das Betreiben eines Portals als Add-On zum Printangebot, sondern ein Ausspielen von redaktionellen Inhalten über viele Kanäle von Social Media bis Bewegtbild bedeutet. Und wir sind überzeugt, mit der Marke ‚Wiener‘ das beste Trägermedium für ein Bespielen dieser Kanäle gefunden zu haben.

medianet: Man hört von massiv eingebrochenen Anzeigenumsätzen – wie wollen Sie dies stoppen?
Josel: Obwohl die Anzeigenumsätze im Printbereich sicherlich zurückgehen, hat diese Entwicklung den Wiener in den letzten Jahren nicht wirklich substanziell betroffen, was einerseits an der nach wie vor starken Strahlkraft der Marke liegt, andererseits an der klaren Positionierung des Magazins im Männersegment.
Sauer: Die diesbezüglichen Einbußen, mit denen im Printgeschäft weiterhin zu rechnen ist, planen wir mit der Erweiterung des Angebots auf die Online-Kanäle wettzumachen, im Idealfall überzukompensieren. Dass dies funktionieren kann, sehen wir bei unserem Portal motorblock.at, wo wir in relativ kurzer Zeit mit Content Marketing und intelligenter Aktivierung verschiedenster Inhalte gute Erfolge verzeichnen konnten. Und was im Motorbereich gut klappt, sollte auch auf andere Branchen, die der Wiener seit Jahren inhaltlich fundiert bedient, auszuweiten sein.

medianet: Der Wiener hatte einst an die 700.000 Leser; die letzte Media-Analyse weist 126.000 aus (siehe Tabelle). Soll es dabei bleiben?
Sauer: Diese eindrucksvollen Fabelzahlen, mit denen wir in den letzten Wochen des Öfteren konfrontiert werden, stammen aus den frühen Neunzigerjahren, als die Magazinlandschaft hierzulande eine ganz andere war; darüber sind wir uns ebenso im Klaren wie wir bezweifeln, die einst zweistelligen Reichweitenwerte des Wiener im aktuellen Medienumfeld wieder erreichen zu können. Aber dass das bisher nicht stattfindende Bespielen multimedialer Welten schon Zuwächse bringen wird, davon gehen wir aus.
Josel: Abgesehen davon haben wir mit der Marke Wiener auch abseits von Print und Online einiges vor, Stichwort Events, Stichwort Markenwelten, etcetera.

medianet: Wie könnte eine Neuausrichtung aussehen? Mehr Motor, mehr nackte Haut – oder etwas ganz anderes mit Strickmustern?
Sauer: (zu Josel) … der Mann hat eingehend recherchiert – er meint sicher die legendäre, 16seitige Strickmoden-Strecke in der Wiener-Ausgabe 10/1988 …
Josel: … Sauer und das Archiv. Spaß beiseite. Nur weil wir Motorjournalismus betreiben, werden wir kein Motormagazin daraus machen. Obwohl es seinen Grund hat, warum der Wiener auch bislang als einziges Nicht-Motormagazin des Landes einen zehnseitigen Motorteil hatte, der durchaus Anklang fand. Insofern liegt die Idee, im nächsten Jahr über ein Themenheft mit Schwerpunkt Motor nachzudenken, nicht ganz weit weg …
Sauer: Wenn wir von Relaunch und Neupositionierung sprechen, meinen wir damit nicht zwingend eine thematische Neuausrichtung des Magazins. Wir meinen, dass der Themenmix schon in den letzten Jahren unter Chefredakteur Wolfgang Wieser ein guter war. Allerdings wollen wir den Wiener insofern nachschärfen, als dass er wieder mehr Meinung repräsentieren, mehr Stellung beziehen sollte. Weg vom Lifestyle-Coffeetable, mehr hin zum neuerdings wieder nicht mehr ganz so abgedroschenen Begriff ‚Zeitgeist‘.

medianet: Verraten Sie uns, was der Kauf gekostet hat? Wir sagen´s auch nicht weiter …
Sauer: (zu Josel) Sollen wir?
Josel: Na gut … (tippt etwas ins Smartphone und zeigt es dem Redakteur verdeckt unter dem Tisch)
Sauer: Aber bitte wirklich niemandem erzählen!
Josel: Wir möchten überdies betonen, dass wir beide in diesem Herbst unsere Eigentumswohnungen nur deshalb verkauft haben, weil der Immobilienmarkt hierfür gerade günstig steht …
Sauer: … womit wir wieder beim Weingut wären!
Am Display grinste ein Smiley …

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