MARKETING & MEDIA
Wenn der Kaiser kommuniziert © Karin Hackl Photos (2)
© Karin Hackl Photos (2)

Redaktion 17.01.2020

Wenn der Kaiser kommuniziert

„Ich habe mein Unternehmen gegründet, als ich es nicht gründen wollte”: Stefan Malzner von Franz im Gespräch.

••• Von Nadja Riahi

WIEN. Wer in der Kommunikationsbranche tätig ist, kommt um Franz nicht herum. Dabei handelt es sich nicht nur um den einstigen Kaiser von Österreich, sondern auch um eine Messaging App, die verschiedene Messenger Services und Chats in einem Programm vereint, gegründet in Wien von – wie er sich selbst nennt – „Product Hacker” Stefan Malzner. Mit medianet sprach er über die Entstehungsgeschichte, Monetarisierung und den Namen Franz. „Ich hab in der Vergangenheit sehr viel gemacht, habe mir immer wieder vorgenommen, jetzt eine Firma zu gründen.

Nach einiger Zeit kam dann immer die Erkenntnis: ‚Okay, das war nichts und ich habe nur Geld ausgegeben'”, schildert Malzner die Anfänger seiner unternehmerischen Karriere. „Ich war irgendwann nur mehr als Freelancer tätig und das vor allem in kommunikationslastigen Communities. Bei WhatsApp, Telegram, Facebook Messenger und verschiedenen Slack Accounts für jedes Unternehmen wusste ich irgendwann nicht mehr, wohin damit. Das Wechseln zwischen den verschiedenen Apps hat viel Zeit in Anspruch genommen”, erzählt Malzner. Der Franz-Gründer identifizierte damit ein Problem, das viele Menschen auf der ganzen Welt betrifft. Zunächst suchte Malzner nur nach einer Lösung für sich selbst: „Ich habe einen Artikel zu Skype für Desktop gelesen und durch Zufall eine Technologie gefunden, die es möglich macht, relativ simpel Desktop-Applikation zu bauen. Das war anfangs mehr ein Versuch, die Kommunikation für mich zu vereinfachen.” Innerhalb weniger Tagen baute Malzner einen kleinen Prototypen, der alle Services bündelte. „Nachdem ich die App mit ein paar Freunden geteilt habe, habe ich Franz testweise auf Product Hunt gelaunched. Im ersten Monat nach dem Launch habe ich einfach meinen Job ganz normal weitergemacht. Das ‚Problem' war, dass es relativ gut eingeschlagen hat – wir waren schon in der ersten Woche 10.000 User, nationale und internationale Medien haben über uns berichtet, Investoren haben an die Tür geklopft …Hätten wir es so geplant, wäre es der Traum gewesen”, erinnert sich der Franz-Gründer. „Eigentlich habe ich mein Unternehmen gegründet, als ich es nicht gründen wollte”, so Malzner weiter.

Ein Name als Name

Er sei nicht der klassische Business-Guy, sondern der, der Sachen zusammenstöpselt und ausprobiert. Seine Fähigkeiten reichen von technischem Wissen, über die Grafik bis zur Errichtung eines Kundensupports. „Ich habe sehr viele Hüte auf”, sagt Malzner. Auf die Frage, woher der Name Franz komme, antwortet er: „Namen funktionieren extrem gut, ein Name hat Lebensrealität. Wir spielen schon auch damit, dass Franz ein österreichischer Kaiser war. Jedoch achten wir darauf, dass wir in unterschiedlichen Kulturen die Franz-App anders vermarkten, denn in Ungarn beispielsweise hat der Kaiser Franz Josef nicht den besten Ruf, da haben wir auch schon E-Mails dazu bekommen. Im amerikanischen Raum funktioniert der Name Franz wiederum sehr gut – einerseits, weil alle Wien lieben, andererseits, weil die Amerikaner glauben, dass Franz eine Schreibweise von ‚Friends' ist”, sagt Malzner.

Im März dieses Jahres wird Franz vier Jahre alt. „Nach den ersten 10.000 Usern innerhalb einer Woche haben wir schnell 100.000 User gehabt. Das waren nur so ungefähre Zahlen, es gab noch kein klassisches User-Profil zum Download. Nach einem halben bis dreiviertel Jahr waren wir schon 250.000 bis 300.000 User. Bis dahin habe ich von meinem Ersparten gelebt, und da die App kostenlos war und viele Ausgaben erfordert hat, ist mir das Geld dann ausgegangen”, sagt Malzner.
Nach einer missglückten Finanzierungsrunde und privaten Veränderungen startete Franz im Frühling 2017 mit einem Spendenaufruf wieder neu durch: „Durch die Spenden konnte ich meine Freelancer-Tätigkeiten zurückschrauben und mich mehr auf Franz konzentrieren. Ich habe Franz optimiert und monetarisiert. Mittlerweile haben wir 750.000 registrierte User, Stand November 2019”, sagt Malzner. „Dadurch, dass das Franz-Team klein ist und es sehr viele Auf­gaben gibt, müssen wir uns auf die wichtigsten Dinge fokus­sieren.”

Der geeignete Plan

Franz wächst täglich – zwischen 600 und 900 neue User kommen derzeit rein organisch neu dazu. „Wir wachsen hauptsächlich über Mundpropaganda. Einer unserer Vorteile ist auch, dass wir im März 2016 die erste App waren, die das Problem versucht hat zu lösen. Das macht uns in der Sparte zum Leader und wir haben in den Suchmaschinen ein sehr gutes Standing”, so Malzner. Besonders Techblogs und Medien, die sich mit effizienterem Lifestyle beschäftigen, referenzieren Franz. In Zukunft möchte Malzner noch gezielter auf „User-Jagd” gehen.

„Wir haben sowohl kostenlose als auch Bezahlversionen von Franz. Während die B2B-Community auf subscription-Basis gern für die Pläne zahlt, sehnt sich unsere große B2C-Userbase nach einer one time licence. Als Privatperson kann ich das gut verstehen, schließlich ist ‚subscription fatigue' ein Begriff, aus unternehmerischer Sicht lässt sich mit monatlichen oder jährlichen subscriptions der Cashflow gut voraussehen.Ganz oben steht bei uns auch der User-Support”, so Malzner abschließend.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL