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Werbeverbot erfolgreich verhindert © Weinwurm

Jürgen Bauer, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien.

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Jürgen Bauer, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien.

Redaktion 25.11.2020

Werbeverbot erfolgreich verhindert

Bestimmte Werbungen zu verbieten, macht unsere Welt nicht besser, ist Jürgen Bauer, der die Wiener Werbewirtschaft vertritt, überzeugt.

Gastkommentar ••• Von Jürgen Bauer

Die Werbewirtschaft kann aufatmen. Gemeinsam mit Nahrungsmittelherstellern und Medienunternehmen ist es gelungen, das geplante Werbeverbot für bestimmte Lebensmittel zu verhindern. Der Hintergrund: Das Gesundheitsministerium wollte bei der Umsetzung einer EU-Richtlinie in nationales Recht weit übers Ziel hinausschießen. Die Intention, Kinder vor ungesunden Nahrungsmitteln zu schützen, hätte in der Praxis ein Werbeverbot für ganze Produktgruppen bedeutet. Also nicht nur für Süßigkeiten und Chips, sondern zum Beispiel auch für Salami oder Fruchtjoghurt.

Diese umfassende Regulierung ist Dank der Anstrengung unterschiedlicher Branchen nun vom Tisch. Die Vernunft hat gesiegt und man ist zu dem 2010 erfolgreich eingeführten Verhaltenskodex für Lebensmittelwerbung zurückgekehrt.

Generell stellt sich für mich die Frage, ob Werbeverbote der richtige Weg sind, um Verhaltensänderungen in der Gesellschaft zu erreichen. Ich denke, wir brauchen diese Oberlehrer-Politik nicht und sollten die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen. Schließlich wird nicht jeder zum Alkoholiker, der vor dem Spielfilm eine Bierwerbung sieht. Und obwohl die meisten österreichischen Wirtshausklassiker nicht gerade leicht sind, bin ich davon überzeugt, dass Werbung für Schnitzel, Kaiserschmarrn oder Punschkrapfen (aktuell in Wien sehr beliebt), keinen Einfluss auf unseren Body-Mass-Index hat.

Mit dem Werberat haben wir in Österreich übrigens ein sehr gut funktionierendes System der Selbstkontrolle. Dieses muss laufend weiterentwickelt werden, was wir auch tun, wie wir in der Vergangenheit bewiesen haben. Werbeselbstkontrolle statt überbordende staatliche Werbebeschränkungen muss die Devise sein.

 

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