• Von Dinko Fejzuli
Seit dem 1. November 2025 verstärkt Thomas Waldner als Geschäftsführer für den operativen Bereich die Geschäftsführung der Wiener Stadthalle und leitet seitdem gemeinsam mit Matthäus Zelenka die größte und bedeutendste Multifunktionsarena Österreichs. Damit wurde die Führung des Hauses gezielt erweitert, um den operativen Bereich weiter zu stärken.
Der Einstieg erfolgte, gemeinsam mit Horst Marterbauer, der für Premium Services, Gastronomie, Sponsoring sowie als Projektleiter für den Eurovision Song Contest verantwortlich ist, mitten in der intensivsten Phase des Jahres. „Wir sind am 1. November angedockt und eigentlich gleich von Null auf Hundert ins Geschäft eingestiegen, weil gerade die Phase im November und Dezember die High Season bei uns in der Wiener Stadthalle ist. Da war nicht viel Zeit zum Ankommen und zum Akklimatisieren, wir waren von Tag eins voll im Geschehen drin“, erinnert sich Waldner. „Das war möglich, weil das Team der Wiener Stadthalle top funktioniert. Die Abteilungen wissen, was zu tun ist, kennen ihr Geschäft und haben uns einen super Empfang bereitet.“
Psychologie des Publikums
Ein zentraler Aspekt der neuen Strategie ist der Ausbau der Positionierung der Wiener Stadthalle als unverzichtbare Plattform für B2B-Kooperationen. In einer Zeit, in der Marketingbudgets oft in digitale Kanäle fließen, setzen Waldner und Marterbauer auf den „Live-Charakter“ als Alleinstellungsmerkmal. „Das Besondere an unserem Job und an der Wiener Stadthalle ist, dass man dort als Besucher in der Regel nur mit positiven Emotionen konfrontiert ist. Wenn das Publikum zu einem Konzert in die Halle kommt, sehen wir, dass die Leute schon beim Reinströmen voller Vorfreude sind, und wenn sie gehen, sind sie ebenfalls bestens gelaunt. Die Kunst an dem Ganzen ist dann eben, aus dem Ganzen einen wirtschaftlichen Mehrwert zu ziehen“, so Waldner.
Horst Marterbauer ergänzt um einen wichtigen Aspekt, den nur Eventlocations wie die Wiener Stadthalle hervorbringen können: „Eine solche emotionale Bindung entsteht nur in einer Live-Location mit echten Shows und echten Menschen und all das kann auch auf Marken, die in der Wiener Stadthalle präsent sind, übertragen werden. Ich glaube, das ist der große Benefit und darum geht es in dem ganzen Thema Live-Marketing. Da gibt es definitiv noch Potenzial neue Partner an Bord zu holen. Die Stadthalle ist für solche Marketingaktivitäten der perfekte Ort.“
Eurovision Song Contest 2026
Mit dem Eurovision Song Contest 2026 rückt die Stadthalle einmal mehr ins internationale Rampenlicht. Für das Management ist der Event weit mehr als ein mediales Großereignis. Thomas Waldner sieht darin die Chance, der Welt die Wiener Stadthalle als Top-Location zu demonstrieren: „Wir wollen diesen Schwung mitnehmen und der ganzen Welt zeigen, dass die Wiener Stadthalle eine State-of-the-Art Arena ist. Wir können zum Beispiel über 100 Tonnen Nettogewicht ohne Stützpfeiler vom Dach hängen. So bleibt die Sicht bis zum letzten Sitz möglich. Es ist schon beeindruckend, was die Wiener Stadthalle alles kann und wie flexibel und wandlungsfähig sie ist.“
Der Eurovision Song Contest zählt zu den absoluten Highlights im Veranstaltungskalender, ist zugleich aber Teil eines insgesamt äußerst umfangreichen Spielbetriebs. Mit fast 1,3 Millionen Besuchern im letzten Jahr und einer Auslastung von 289 Spieltagen über alle Hallen hinweg ist der Hallenkalender extrem dicht gefüllt: „Allein in der großen Halle waren es 155 Tage. Das funktioniert nur, weil man so plant, dass Veranstaltungen, die in einem ähnlichen Setting stattfinden können, in einer Reihe stattfinden. Sonst schafft man das gar nicht mit dem Umbau und Rückbau“, verdeutlicht Horst Marterbauer.
Diese logistische Meisterleistung zeigt sich auch im nahtlosen Übergang zwischen den in der Wiener Stadthalle gastierenden Weltstars und dem gerade stattfindenden Aufbau der Bühne für den Eurovision Song Contest. Nachdem Acts wie Sarah Connor die große Halle D noch Ende März füllten, übernahm letzte Woche der ORF als Veranstalter das Kommando.
Verbindend unterwegs
Horst Marterbauer beschreibt seine Rolle als „Schnittstellenfunktion zwischen den einzelnen Gewerken & Abteilungen der Wiener Stadthalle, dem ORF als Veranstalter, sowie den Behörden und Blaulichtorganisationen der Stadt Wien. Hier gilt es viel zu vermitteln, viel zu kommunizieren und die Interessen aller Beteiligten aufzugreifen.“ Dabei kann man sich auch auf die hohe Inhouse-Kompetenz verlassen: „Wenn irgendwo etwas beschädigt wird, sind unsere Handwerker und Techniker sofort da und reparieren es. Nichts bleibt liegen, bis irgendein externer Dienstleister kommt. Das macht ja auch Sinn, einen Schlosser im Haus zu haben, einen Maler, einen Elektriker – es ist halt immer irgendwas“, so Waldner schmunzelnd.
Wien als Bühne für die Welt
Über den Eurovision Song Contest hinaus denkt die Geschäftsführung bereits an die Zeit danach: „Da überlegen wir uns jetzt schon Formate, wo man einen Interessenaustausch anbietet, bei dem man internationale Veranstalter zusammenholt und Wien noch mehr als relevante Plattform anbietet. Wenn man durch die Halle geht, gibt es keine Ecke, die nicht speziell ist, sei es die lange Mosaikwand oder der Teppich in der Ehrenloge. Diese Beständigkeit mit Innovationskraft zu verknüpfen, ist unser Ziel.“
Am Ende gehe es immer um den Kernauftrag des Hauses, der im Claim der Wiener Stadthalle „Verbindet seit 1958“ bestens dargestellt wird. So auch Waldner: „Im Eventgeschäft geht es ums Verbinden und darum, eine gemeinsame schöne Zeit über jegliche Grenzen hinweg zu haben und wir werden unseren Beitrag dazu leisten, dass die Wiener Stadthalle der richtige Ort dafür ist.“
