PRIMENEWS
Die vielen Facetten des „Lügenwetters”
12.02.2016

Die vielen Facetten des „Lügenwetters”

„Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird” (Bertold Brecht). Jetzt geraten jedenfalls die Meteorologen ins Zwielicht.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider


VERLOGEN. Die Lügenpresse hat Gesellschaft bekommen. Von den Meteorologen – Stichwort: „Lügenwetter”. Diese nämlich, die vormals recht angesehenen Wetterfrösche, haben den aufrechten Karnevalsgenossen in Düsseldorf und Mainz die Rosenmontagsumzüge verbockt. „Sturmtief”, „Orkanwarnung” … Und warum? Weil sämtlichen offiziellen Agendasettern – egal ob es um Politik, Wirtschaft, Chronik, oder eben auch um das Wetter geht – nicht mehr zu trauen ist. Den Journalisten nicht, die sich einer Verschwörung aus linksradikalem Gedankengut, wirtschaftlichen Interessen und finsteren politischen Networks beugen – und auch den Wetterleuten nicht, die unter der gleichen Decke kuscheln.

Münchhausen & Co

Die aktuelle Mär, die diesbezüglich weite Kreise zog: Um Kölner Verhältnissen vorzubeugen (und dem Druck, ehrlich und ungeschminkt darüber berichten zu müssen), hat man einfach den ­Fasching abgesagt.

Wenn das so weitergeht, dass man irgendwann nur mehr den eigenen – vornehmlich von individuellen Vorlieben, Vorurteilen und Interessen gesteuerten und liebevoll konzipierten – Nachrichtenalgorithmen vertrauen darf, wird sich, das steht schon fest, auch die Ausbildung der Journalistenzunft entsprechend verändern müssen: Vertiefte Programmierkenntnisse wären von Vorteil, eine ordentliche Ausbildung in den modernen Spielarten des Digitalmarketings; ausgebildete Neurologen sollten vorgereiht werden – und jene mit ausgeprägtem Münchhausensyndrom an verantwortungsvolle Positionen in den Medienhäusern gesetzt. Eine paranoide Zwangsstörung wiederum könnte die inhaltliche Themenwahl sehr leserfreundlich beeinflussen.
Den klassischen Gutmenschen, der in den Redaktionen quasi aus jedem Eck und unter jedem Schreibtisch herauslugt, müsste man anderweitig beschäftigen, ehrenamtlich halt im Notfall.
Nachdem auf Twitter unter dem Hashtag #Lügenwetter verschiedenste Theorien über angeblich tatsächliche Gründe für die Absagen der Karnevalsumzüge verbreitet wurden, die nichts mit dem Wetter zu tun hatten, aber viel mit allen möglichen bösen Absichten „derer da oben” und ihrer Sympathisanten, versuchte der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins, Michael Bonewitz, die Sache klarzustellen: „Es gab in unserer Entscheidungsphase keine Terrorwarnung, es sind auch keine Aliens gelandet” … Da hatte der gute Mann ins Schwarze getroffen, denn eben diese Vermutung, nämlich dass es „die da draußen waren”, die hatte zu dem Zeitpunkt nämlich noch keiner geäußert.

Alternative Ursachenforschung

Jedenfalls wurde in den von den Absagen betroffenen Städten wie etwa in Düsseldorf Windstärke 8 bis 9 (auf der Beaufortskala: „Sturm”)gemessen. In Mainz erreichten die Böen die Stärke 10 („schwerer Sturm”). Die Kölner hatten mehr Glück: Hier erreichten die Böen nur die maximale Windstärke 8. Allerdings sollte man sich nicht so einfach einlullen lassen … Denn wer kann schon im Nachhinein sagen, dass man diese regionalen Komponenten der Geophysik, Thermodynamik und Klimatologie nicht mittels trickreich angewandter Chemtrails ausgelöst hatte? Einfach zum Nachdenken.

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