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Manchmal ohne Sicherheitsgurt © TÜV Austria/APA-Fotoservice/Preiss

Hengstschläger: Zu viel Risiko ist gefährlich, zu viel Sicherheitsdenken macht träge …

© TÜV Austria/APA-Fotoservice/Preiss

Hengstschläger: Zu viel Risiko ist gefährlich, zu viel Sicherheitsdenken macht träge …

02.10.2015

Manchmal ohne Sicherheitsgurt

Ein guter Tag beginnt mit einer vernünftigen Ressourcenaufteilung zwischen „sicheren” und „riskanteren” Projekten. Das braucht auch eine ordentliche Fehlerkultur.

WIEN. „Wie stelle ich ein System auf, um auf der einen Seite innovativ zu sein und auf der anderen Seite sicher zu agieren?”, fragte Genetiker Markus Hengstschläger die Gäste aus Wirtschaft, Industrie und Medien, die Mitte September der Einladung der TÜV Austria-Gruppe in den Ziegelkeller der Villa Schubert im Steinzentrum Schubert Stone in Wien gefolgt waren. Denn: „Zu viel Risiko stellt eine Gefährdung dar. Setze ich aber nur auf Security, dann werde ich vom Mitbewerb überholt.”

Entweder man hat’s …

Hengstschläger schlägt Unternehmen den Einsatz von interpersonaler und intrapersoneller Intelligenz vor. Es brauche Mitarbeiter, „die ihre Fähigkeiten gut einschätzen und zu den Schwächen und Stärken auch stehen”. Bei der interpersonalen Intelligenz stehe das Verständnis der Motive und Stimmungen anderer Menschen im Vordergrund. Im besten Fall gelte es, beide Varianten systematisch im Management oder auch in der Qualitäts­sicherung einzusetzen.

Entscheidungsträger, so Hengstschläger, und Manager sollten sich täglich vor Arbeitsbeginn überlegen, wie viel Prozent der Ressourcen auf „sichere” und wie viel auf „riskantere” Projekte verwendet werden sollten. Ein wichtiger Hebel dafür sei das Etablieren einer „Fehlerkultur”. Es müsse mehr dafür getan werden, individuelle Talente zu fördern, so der Wissenschaftler, der mit seinem Bestseller „Durchschnittsfalle” die gesellschaftliche Fokussierung auf Durchschnittskriterien eindringlich hinterfragt hat. Hengstschläger: „Es handelt sich hier nicht um ein elitäres Konzept. Ich habe den Begriff Elite verwendet, aber mit einem Nachsatz: Jeder Mensch kann Elite sein.” Könnte er einen Tag lang die Wissenschaftsgeschicke Österreichs lenken, würde er, sagt Hengstschläger, als erste Amtshandlung das Forschungsbudget der Unis erhöhen: „Die universitäre Grundlagenforschung ist das Rückgrat der ­Innovationskraft Österreichs.”
Markus Hengstschläger leitete Forschungsarbeiten an der Yale University und wurde 2003 zum Universitätsprofessor für Medizinische Genetik an der Uni Wien berufen. (red)

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