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Trionow: „2017 war ein sehr erfolgreiches Jahr” © Hutchison Drei Austria/APA-Fotoservice/Jacqueline Godany

Jan Trionow

© Hutchison Drei Austria/APA-Fotoservice/Jacqueline Godany

Jan Trionow

Skender Fejzuli 23.03.2018

Trionow: „2017 war ein sehr erfolgreiches Jahr”

„Drei”-CEO Jan Trionow beschreibt, warum man alle Ziele 2017 erreicht und den Umsatz gesteigert hat.

••• Von Skender Fejzuli

Das letzte Jahr war für die Telekommunikationsbranche geprägt von dem Ende der Roaminggebühr innerhalb der Europäischen Union, welche von der EU 2015 beschlossen wurde und mit 15. Juni 2017 in Kraft trat. Damit gehörte diese Erlösquelle für alle Mobilfunkbetreiber der Vergangenheit an. Das zeigen auch die Auswertungen des „RTR Telekom Monitoring”. Immerhin setzten die Telekommunikationsunternehmen im dritten Quartal 2016, laut RTR, insgesamt 17,3 Mio. € mit den Roaming-Diensten um. Dieser Umsatz sank im dritten Quartal 2017 laut „RTR Telekom Monitoring” deutlich auf eine knappe halbe Million und hinterließ bei den Mobilfunkbetreibern eine deutliche Lücke. „Drei” führte infolge der Roamingumstellung 2017 die neuen „Top”-Tarife ein und richtete sich zusätzlich intern neu auf die Kundensegmente Business Units private, Vertragskunden, Business, Prepaid und 3Digital Solutions (die neue Geschäftsfelder aufbauen soll) aus. Damit kann sich das Unternehmen laut Trionow besser, schneller und flexibler auf den Markt und die Kundenwünsche einstellen.

Tele2 Übernahme

Einer der wichtigsten Meilensteine war für „Drei” der Kauf von Tele2 für 95 Mio. €. „Wie Melange zur Sachertorte oder Milch zum Kaffee”, bezeichnete der Mobilfunker sogar die Ergänzung seines bestehenden Portfolios durch die Übernahme des auf Festnetztelefonie und Internet spezialisierte Unternehmens. „Drei” erweiterte damit aber nicht nur sein Portfolio im Festnetzbereich, in dem es bis dahin, laut Trionows Aussage im November, nur ein Nischenplayer war, sondern erweiterte auch seinen Kundenstock von 3,7 Mio. um 217.000 Tele2-Kunden. Damit stieg gleichzeitig der Anteil an Geschäftskunden von „Drei” von zwölf auf 22%. Tele2 soll jedoch nur bis zum Sommer 2018 als Tochtergesellschaft unter eigenen Namen weitergeführt werden, denn die gesellschaftsrechtliche Verschmelzung unter der „Hutchinson Drei Austria GmbH” und das Rebranding von Tele2 auf „Drei” soll im zweiten Quartal 2018 abgeschlossen werden. Der Integrationsplan sieht auch gemeinsame neue Telekom- und IT-Komplettlösungen für seine Businesskunden sowie innovative kombinierte Angebote für seine Privatkunden vor. Außerdem soll die Kombination von Festnetz und Mobilfunk für Kunden ein noch schnelleres und stabileres Internet ermöglichen. Erste gemeinsame Produkte sollen ebenfalls im zweiten Quartal 2018 auf den Markt kommen. „Was wir bisher nur mit Partnern anbieten konnten, bieten wir künftig komplett aus eigener Hand. Speziell in Wachstumsbereichen wie Smart Home-Anwendungen, IoT und M2M-Lösungen ergeben sich für uns dadurch völlig neue Möglichkeiten”, so Trionow. Damit kann 2018 für das zusammengeführte Telekommunikationsunternehmen mit dem Anwachsen des Umsatzes auf über eine Milliarde Euro gerechnet werden.

„Wir liegen voll im Plan und werden noch im Sommer als gemeinsames Unternehmen am Markt auftreten. Auf einem hart umkämpften Markt muss man besonders smart agieren, um nachhaltig profitabel zu wachsen. Das ist uns mit dem Tele2-Deal und unseren gezielten Investitionen in den Netzausbau eindrucksvoll gelungen. Wir sind damit optimal aufgestellt, um noch in diesem Jahr mit Pre5G und hybriden Internet-Angeboten die nächsten Schritte zu setzen.”, betont der CEO den Wachstumskurs des Mobilfunkbetreibers.

Anhaltender Preisverfall

Getrieben wird der Mobilfunkmarkt aktuell vom Bedarf an Bandbreite, durch die in den letzten Jahren explodierende Datennutzung, bei der „Drei” weltweit pro SIM-Karte an zweiter stelle liegt, und dem anhaltenden Preisverfall. In nur drei Jahren haben sich laut RTR die Preise für Power-User im österreichischen Mobilfunk halbiert. Trionow zeigte aber, dass er damit leben kann und betonte, dass er, rückblickend auf 2017 sehr zufrieden ist, denn „Drei” hatte ein sehr erfolgreiches Jahr. „Auch den Wegfall des EU-Roamings haben wir teilweise kompensiert, indem wir verstärkt internationale Gäste auf unser Netz bringen konnten.” Trotz anhaltend sinkender Markttarife hat „Drei” den Umsatz 2017 um fünf Prozent auf 812 Mio. € gesteigert. Die Zahl der 3Kunden blieb 2017 mit 3,7 Mio. de facto stabil. Am Papier reduzierte sich die Zahl aufgrund einer Bereinigung der Kundenbasis um 100.000 inaktive Wertkartenkunden. Unter Einbeziehung von Tele2 hält „Drei” nun in Summe bei 3,9 Mio. Kunden (exkl. MVNO) und 1.500 Mitarbeitern. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBITDA) lag 2017 konstant bei 342 Mio. €, und das Betriebsergebnis (EBIT) sank leicht um ein Prozent auf 242 Mio. €. Investitionen blieben aber auch nicht aus.

2 Mrd. Euro investiert

In den vergangenen fünf Jahren hat „Drei” über 2 Mrd. € in die heimische Digitalisierung investiert und damit das erste österreichweite LTE-Netz des Landes geschaffen. Im nächsten Schritt plant „Drei” noch in diesem Jahr den kommerziellen Rollout von Pre5G. Pre5G basiert auf Mas­sive MIMO, einem Kernbestandteil der nächsten Mobilfunkgeneration, kann jedoch bereits mit den bestehenden 4G-Smartphones und -Modems genutzt werden.

5G-Ausbau

Der eindeutige Marktführer bei mobilem Internet mit 38,6% Marktanteil steht aber auch schon in den Startlöchern für die nächste Entwicklungsstufe der für Herbst 2018 geplanten Auktion der 5G-Netze. Das neue Netz wird ein Frequenzspektrum von 390 Megahertz im Bereich zwischen 3,4 und 3,8 Gigahertz belegen. Ein so großer Frequenzbereich wurde zuvor noch nie versteigert.

Das Mindestgebot für das volle Frequenzspektrum beträgt 30 Mio. €. Das klingt nach einem Schnäppchen, wenn man bedenkt, das im Jahr 2013 für die LTE-Frequenzen das Mindestgebot bei 526 Millionen lag. Doch was sich die Mobilfunk­betreiber bei der 5G-Auktion einsparen, soll laut RTR in den raschen Netzausbau fließen, denn die Mindestgebote sind auch an verschiedene Bedingungen gebunden.
Im Gegenzug erwartet der 3CEO für den weiteren 5G-Ausbau vernünftige Rahmenbedingungen und rechtliche Sicherheit: „Das Rennen um die globale 5G Marktführerschaft hat längst begonnen, Österreich hinkt aber derzeit hinterher. Deshalb benötigen wir jetzt eine nationale 5G-Strategie, die ihren Namen verdient, sowie eine 5G-Frequenzvergabe, die investitionsfreundlich und komplexitätsmindernd wirkt.”

Shop-Offensive

Außerdem investiert „Drei” in den weiteren Ausbau seiner Shops. Mit aktuell 83 3Shops hat das Unternehmen das dichteste Filialnetz des Landes. In den nächsten drei Jahren erhalten alle Standorte ein neues, offenes Shop-Design: „Wir verwandeln unsere 3Shops ist Lounges, in denen unsere Kundinnen und Kunden in Zukunft unser gesamtes Produktportfolio – von 3TV bis zu neuesten Smartphones und VR-Lösungen – erleben und ausprobieren können”, so Trionow.

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