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Zwischen ­Manhattan und Klagenfurt
sabine bretschneider 16.06.2015

Zwischen ­Manhattan und Klagenfurt


In Sachen Skandalaufarbeitung wurden in den letzten Jahren Riesenfortschritte erzielt. Unterm sprichwörtlichen Teppich wird es sauberer. Allein: Das reicht nicht.

Lösungsmittel Das Verhalten der Finanzprofis an der New Yorker Wall Street hat sich seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 zwar verändert, aber nicht unbedingt verbessert, heißt es in der Aussendung zu einer aktuellen Umfrage unter Wall Street-Bankern. Strengere Ethikregeln hätten, so die Kurzfassung, schlicht nichts gebracht. Die Angst vor negativen Konsequenzen eines Fehlverhaltens ist gering. Man warnt ergo vor der nächsten Blase, dem nächsten Crash. Dieser Ansatz ist bezeichnend für all die Skandale, die da aufgebrochen sind zwischen Klagenfurt und Manhattan. Die Ursachenforschung wird mit Verve und Sinn fürs Detail angegangen; allein die Schlussfolgerungen lassen auf sich warten.

Die Aufarbeitung endet in vielen Fällen damit, dass letztendlich alle, die irgendwann mit einem Konstrukt wie – sagen wir – der Kärntner Hypo in Kontakt gekommen ist, deutliche Schmutzspuren davontragen. Innerhalb dieser Graustufen ist dann irgendwann nicht mehr erkennbar, wer den meisten Dreck am Stecken hatte. War die Hypo zu Anfang ein Problem der Freiheitlichen unter Jörg Haider und damit klar zuweisbar, wurde inzwischen deutlich, dass alle mutmaßlich kontrollierenden Instanzen aller Couleurs durch Wegschauen genauso viel Schaden angerichtet haben wie die eigentlichen Verursacher. Der U-Ausschuss zum Thema dient der Darstellung eines Sittenbilds, nicht mehr, nicht weniger.
Retour an die Wall Street: Knapp jeder Fünfte glaubt, dass es im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld oft gar nicht möglich ist, erfolgreich zu sein, wenn man sich stets streng an die entsprechenden Regeln hält …
EZB-Präsident Draghi bekräftigte kürzlich die Fortsetzung des Wertpapierkaufprogramms. Es geht, Sie erinnern sich, um ein Programm in Höhe von über 1.000 Milliarden Euro. Die einstweiligen Auswirkungen auf die Wirtschaft sind marginal. Die Mittelständler, jene, die für ein Ankurbeln der Realwirtschaft sorgen könnten, klagen nach wie vor über unzureichende Finanzierungsbedingungen. Die Banken, die das Geld distribuieren sollten, haben allerdings, auch das ist bekannt, andere Sorgen als die Stimulierung der Konjunktur. Ein ähnlicher Sachverhalt also: Problem erkannt, heißt nicht Gefahr gebannt. „Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen”, um wieder einmal Henry Ford als Ratgeber heranzuziehen. Klingt banal, sollte inzwischen aber ein mehrheitsfähiger Tipp sein.

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