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Brexit trübt Kauflaune © APA/dpa/Wolfgang Kumm

Analyse „Die weitere Entwicklung hängt von der endgültigen Entscheidung ab”, sagt Roland Schmid, Eigentümer und Geschäftsführer der IMMOunited GmbH.

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Analyse „Die weitere Entwicklung hängt von der endgültigen Entscheidung ab”, sagt Roland Schmid, Eigentümer und Geschäftsführer der IMMOunited GmbH.

Redaktion 18.01.2019

Brexit trübt Kauflaune

IMMOunited hat sich aus Anlass der Brexit-Abstimmung angesehen, welche Immobilien Briten in Österreich derzeit kaufen und besitzen.

WIEN. Das britische Parlament hat am Dienstagabend das mit der Europäischen Union vereinbarte Austrittsabkommen mit einer großen Mehrheit von 432 zu 202 Stimmen abgelehnt.

Was diese Entscheidung für britischen Immobilienbesitz in Österreich bedeuten könnte, hat der Grundbuchtransaktionsspezialist IMMOunited schon im Vorfeld der Abstimmung einer Analyse unterzogen und die britischen Besitz- und Transaktionszahlen in Österreich unter die Lupe genommen.
Die Ergebnisse: Derzeit befinden sich laut Grundbuch insgesamt 7.673 Immobilien in britischem Besitz. Die überwiegende Mehrheit davon gehört Privatpersonen; lediglich acht Prozent der Immobilien entfallen auf juristische Personen. Eine Analyse der dazugehörigen Fläche ergibt, dass britisches Eigentum insgesamt 20 km² in Österreich einnimmt.
Die größten Anteile der Gesamtfläche entfallen auf das Burgenland (29,3%), Niederösterreich (25,6%) und die Steiermark (24,2%). Zusätzlich befinden sich rund 130 Objekte im Besitz österreichischer Firmen mit britischen Eigentümern. Diese Immobilien nehmen weitere 4,5 km² Fläche ein; der Großteil davon befindet sich in Kärnten (46,1%).

Mehrheit kauft Wohnungen

Eine Analyse der Transaktionszahlen zeigt, dass natürliche und juristische Personen aus Großbritannien im Beobachtungszeitraum 2016–2018 insgesamt 690 Transaktionen durchgeführt haben. 96% und somit die entschiedene Mehrheit aller Käufe wurde von natürlichen Personen getätigt. Diese Transaktionszahl ist im Vergleich mit anderen Ländern jedoch eher gering. So gab es beispielsweise im selben Zeitraum insgesamt 9.421 Transaktionen, die von natürlichen und juristischen Käufern aus Deutschland getätigt wurden.

Beim überwiegenden Großteil der britischen Käufe handelt es sich um Wohnungen (ca. 56%). Dahinter folgen mit deutlich geringeren Prozentanteilen Einfamilienhäuser (14%), Grundstücke (8%) und Dachgeschoßwohnungen (5%). „Da es sich bei den britischen Käufern in Österreich fast ausschließlich um Privatpersonen handelt, ist dieser hohe Anteil an Wohnimmobilien nicht überraschend”, sagt Roland Schmid, Eigentümer und Geschäftsführer der IMMOunited GmbH.

Transaktionen rückläufig

Eine Betrachtung des zeitlichen Verlaufs zeigt, dass die Transaktionsanzahl über die Jahre konstant zurückgeht. 2016 waren es noch knapp 300 Geschäfte mit britischen Abnehmern, 2017 insgesamt 219 und 2018 nur noch 180 (Stand: 13.12.2018). „Die Entscheidung über den EU-Austritt Großbritanniens wurde 2016 gefällt. Seitdem gehen die Transaktionszahlen kontinuierlich zurück. Ich vermute, dass der Brexit den Transaktionsverlauf beeinflusst”, so Schmid am Montag dieser Woche.

Die Schweizer Bank UBS riet nach der Ablehnung des Brexit-Deals durch das Unterhaus bereits von Investitionen in dem Land ab.

Transaktionen rückläufig

Mit dem näher rückenden Brexit ist auch der Häusermarkt auf der Insel schon merklich abgekühlt. Die Preise legten etwa von September bis November zum Vorjahreszeitraum nur noch um 0,3% zu, der schwächste Anstieg seit sechs Jahren. Experten gehen davon aus, dass nur die Wohnungsknappheit auf der Insel dafür sorgt, dass die Preise nicht ins Trudeln geraten. In der Finanzmetropole London sind sie einigen Studien zufolge bereits abgebröckelt.

Das Votum der Briten für einen EU-Austritt vom Juni 2016 sorgt seitdem für Unsicherheit in der Wirtschaft und bei den Verbrauchern. (red)

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