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Der Schrumpf-Boom © EHL

Teure Mieten Ausgehend von einem guten österreichischen Mittelschichtsgehalt von monatlich 2.000 € netto muss aktuell bereits rund die Hälfte des verfügbaren Einkommens für die Miete eingeplant werden.

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Teure Mieten Ausgehend von einem guten österreichischen Mittelschichtsgehalt von monatlich 2.000 € netto muss aktuell bereits rund die Hälfte des verfügbaren Einkommens für die Miete eingeplant werden.

Redaktion 16.11.2018

Der Schrumpf-Boom

Mit zehn Jahresnettoeinkommen kann sich der Mittelstand heute um 20 bis 55 m² weniger Wohnung als vor einem Jahrzehnt leisten.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Von den steigenden Belastungen hierzulande ist nun auch die Mittelschicht immer stärker betroffen. Georg Spiegelfeld, Präsident des Immobilienring Österreich: „Die Preise fürs Wohnen entkoppeln sich immer stärker vom verfügbaren Einkommen.”

Konnte sich die Mittelschicht 2006 mit zehn Jahresnettogehältern noch locker eine etwa 120 m²-Wohnung in der Stadt leisten, sind es 2018 nur noch rund 75 m². „Die benötigten Finanzierungsmittel für Wohneigentum sind in den letzten zehn Jahren um rund 100.000 Euro angewachsen”, erklärt Spiegelfeld. Rund die Hälfte ihres monatlichen Einkommens muss die Mittelschicht für die Miete einer 70 m²-Wohnung mit guter Ausstattung in mittelguter Lage bereitstellen.

Weniger Wohnung ums Geld

Wer in Österreich um die 3.000 € brutto verdient – das sind jährlich etwa 29.000 € netto nach Abzug der Steuern –, zählt zur guten Mittelschicht.

Das Einkommen dieser hat in den letzten zehn Jahren stagniert oder sogar einen Reallohnverlust erlitten. Dazu kommt die Entkoppelung der Preise für Wohnen, der finanzielle Aufwand in Relation zum Einkommen hat enorm zugenommen. Spiegelfeld: „Die Immobilienpreise sind auf breiter Front gestiegen und die Eigentumsquote, die in Österreich mit 48% ohnehin schon niedrig ist, weiter rückläufig.”
Anstatt einer 117 m²-Wohnung in Wien 2006 kann man sich 2018 durchschnittlich laut Statistik Austria- und WKO-Daten nur mehr 77 m² in der Bundeshauptstadt leisten. In St. Pölten (das massiv von der verbesserten Anbindung an Wien profitiert) sind es um etwa 40 m² weniger Wohnung bei gleich hohem finanziellem Einsatz, ebenso wie in Innsbruck.
Immer noch 150 m², aber um 55 m² weniger als 2006, bekommt man in Eisenstadt, allerdings ausgehend von einer niedrigen Preisebene.
In Bregenz sind aktuell um 29, in Graz um 26, in Klagenfurt um 24 und in Linz um 20 m² weniger Wohnung zu kaufen.
Salzburg liegt mit einem Minus von 18 m² zwar am unteren Ende der Skala, aber auf sehr hohem Niveau. Bereits 2006 waren in der Mozartstadt um zehn Jahresnettogehälter nur 90 m² Wohnung erhältlich, aktuell sind es noch 72 m².

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