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Immobilien-Markt nach der Krise © WGA ZT

Die stabilsten Aussichten bestehen derzeit für Wohninvestments, da die Nachfrage nach Wohnraum nur in geringem Maß von der Konjunkturentwicklung abhängt.

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Die stabilsten Aussichten bestehen derzeit für Wohninvestments, da die Nachfrage nach Wohnraum nur in geringem Maß von der Konjunkturentwicklung abhängt.

Redaktion 17.04.2020

Immobilien-Markt nach der Krise

Wie geht es jetzt mit Wohnungen und Büros weiter? Auch beim krisensicheren Betongold glänzt nicht alles

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Krise sind die Anfragen hinsichtlich Anmietung oder Kauf einer Wohnung drastisch zurückgegangen und liegen zwischen 30 und 40% des Normalniveaus. Bei Eigentumswohnungen kommt es wegen der wirtschaftlichen Verunsicherung zu vereinzelten Rücktritten von Kaufangeboten, es gibt aber auch in geringerem Ausmaß neue Kaufangebote.

Geringer fällt der Rückgang bei Vorsorgewohnungen aus: Die Zahl der Anfragen liegt bei etwa 50% des Normalniveaus. Hier steht den offensichtlichen negativen Einflussfaktoren ein steigendes Interesse seitens Investoren gegenüber, die nach dem Aktiencrash die vergleichsweise hohe Stabilität von Immobilieninvestitionen suchen.
Die längerfristigen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt werden voraussichtlich geringer ausfallen als auf den gewerblichen Immobilienmarkt, da die Nachfrage nach Wohnraum weniger stark von der konjunkturellen Situation abhängig ist als beispielsweise die Nachfrage nach Einzelhandels- oder Büroflächen.

Büromarkt im Fokus

Steigende Arbeitslosigkeit kann allerdings im Wohnungsbereich einen dämpfenden Effekt auf die Nachfrage haben. Andererseits wird die Suche nach möglichst sicheren Veranlagungen bei solventen Käufern eine steigende Nachfrage nach Eigentums- und Vorsorgewohnungen bewirken.

Covid-19 hat zu einer deutlichen Reduktion der Nachfrage nach Büroflächen geführt.
Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die meisten Unternehmen mit Maßnahmen zur Bewältigung der Krise beschäftigt sind.
Darüber hinaus verzeichnet der Markt auch Absagen für bereits geplante Anmietungen. Von weiter fortgeschrittenen Mietvertragsgesprächen, bei denen es schon eine Einigung über die wesentlichen wirtschaftlichen Parameter gibt, wird voraussichtlich ein Großteil weitergeführt und im Regelfall sollten diese auch tatsächlich erfolgreich abgeschlossen werden können. Büroanmietungen, die sich noch in einem frühen Stadium befinden, werden entweder sistiert oder mit mäßiger Geschwindigkeit fortgeführt.
Zahlreiche Unternehmen werden nach Überwinden der Krise ihre Expansionspläne kritisch hinterfragen. Das wird teilweise zur zeitlichen Verschiebung von Anmietungen führen, und bei Unternehmen, die durch die Krise nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen wurden, wird es auch zur Absage von Umzugs- und/oder Expansionsplänen kommen.

Kein Überangebot an Flächen

Insgesamt wird es entscheidend sein, wie die staatlichen Stützungsmaßnahmen wirken und wann sich ein Ende der Pandemie abzeichnet. Bis sich die konjunkturelle Situation wieder entspannt hat, werden Mieter tendenziell eher Mietvertragsverlängerungen anstreben.

Aktuell ist jedenfalls in Wien kein nennenswerter Leerstand zu verzeichnen (Q1 2020; 4,7%) und auch die heuer auf den Markt kommenden Objekte sind bereits großteils vorverwertet. Ein starkes Überangebot an Flächen ist daher nicht zu erwarten, da die Fertigstellung von in Bau befindlichen Bürogebäuden deutlich verspätet erfolgen wird.

Die Folgen des Virus

Die langfristigen strukturellen Auswirkungen der Coronakrise auf den Büromarkt sollten keinesfalls unterschätzt werden.

Ereignisse wie diese Pandemie könnten zu einer tiefgreifenden Umwälzung der Arbeitswelt führen; die Digitalisierung wird deutlich rascher voranschreiten, und analog zum Onlinehandel wird auch die Bedeutung des virtuellen Büros bzw. Heimarbeitsplatzes deutlich zunehmen.
Als weitere Auswirkung für den Büromarkt ist eine geringere Nachfrage nach Co-Working-Flächen zu erwarten und es ist davon auszugehen, dass Finanzierungen für neue Büroprojekte künftig noch penibler geprüft und Projekte von den Banken nur mit entsprechendem Vorvermietungsgrad finanziert werden.

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