Vier-Punkte-Bauplan
© Blaue Lagune/Thomas M. Laimgruber
Blaue Lagune-Eigentümer und Geschäftsführer Erich Benischek fordert die Politik zum Handeln auf: „Dieses 4-Punkte-Programm ist nahezu kostenneutral, schafft dringend gebrauchten Wohnraum, Aufträge für die Baubranche und sichert den Erhalt von Arbeitsplätzen.”
FINANCENET REAL:ESTATE Redaktion 26.01.2024

Vier-Punkte-Bauplan

Eine aktuelle Studie sieht den Wohnbau im freien Fall und wartet mit einem gangbaren Weg aus der Misere auf.

WIEN. Die Baubewilligungen für den Wohnbau gehen laut Branchenradar Marktanalyse seit 2020 massiv zurück: Wurden 2020 noch insgesamt 63.600 Wohneinheiten in neuen Gebäuden bewilligt, sind es 2023 magere 33.900 Einheiten. Davon ist naturgemäß auch das Ein- und Zweifamilienhaus betroffen: Mit rd. 11.200 bewilligten Häusern in 2023 habe sich die Anzahl im Vergleich zu 2020 (19.400) um 42% reduziert. Für das Jahr 2024 könne noch mit keiner Trendwende gerechnet werden.

Eine detaillierte Studie von Branchenradar im Auftrag der Blauen Lagune, Europas größtem Fertighauszentrum, zeigt die prognostizierte Entwicklung des Wohnbaus in den nächsten drei Jahren auf und bietet konkrete Ansätze zur Ankurbelung des Marktes.

Grausliche Gemengelage

Der Bauproduktionswert im Wohnungsneubau ist bereits 2023 auf 15 Mrd. € (–1,1 Mrd. im Vergl. zu 2022) gesunken. Dieser Negativ-Trend werde sich noch verstärken, so die Studie: In den Folgejahren (2024-26) gehen kumuliert weitere 10,3 Mrd. € an Neubau-Volumen verloren, davon 4,8 Mrd. € im Bereich Ein- und Zweifamilienhaus. Infolgedessen werde sich die Zahl der Beschäftigen im Wohnungsneubau bis 2026 von knapp 90.000 (Jahresschnitt 2020-22) auf rd. 55.000 reduzieren. Erschwerend komme hinzu, dass steigende Material- und Personalkosten die Unternehmen zu Optimierungsmaßnahmen nötigen, zumal der Markt keine weitere Teuerung mehr akzeptiere.

Für den Bereich des Eigenheim-Neubaus errechneten die Branchenradar-Marktanalysten, wenn von der Politik keine Maßnahmen ergriffen werden, in den Jahren 2024–26 (bezogen auf das Referenzjahr 2023) einen Verlust von 4,8 Mrd. € an Bauproduktion – mit fatalen Effekten: Waren im Durchschnitt von 2021 bis 2023 rd. 65.000 Arbeitnehmer dem Ein- und Zweifamilien-haussektor (Bauunternehmen sowie vorgelagerte Wertschöpfungssegmente wie Baustoffhandel und Baustoffindustrie) zurechenbar, wird diese Zahl bis 2026 auf rd. 42.000 Beschäftigte fallen, was wiederum zu einem massiven Einbruch von Steuern und Abgaben sowie einem substanziellen Mehraufwand für die Arbeitslosenunterstützung nach sich ziehen wird – ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehr als 3,2 Mrd. € droht.

Wege aus den Unbillen

Für das Segment Ein- und Zweifamilienhaus konnte Branchenradar Marktanalyse ein 4-Punkte-Förderprogramm bis 2026 entwickeln, das kurzfristig die Wohnbauproduktion ankurbelt und somit auch weitere Arbeitslosigkeit verhindert: Partielle, einkommensabhängige Lockerung der KIM-Verordnung, Gewährung einer Investitionsprämie von 20% der Baukosten (gedeckelt und zeitlich gestaffelt), Bonus für Gemeinden für Baubewilligungen im Bereich Ein- und Zweifamilienhaus sowie eine verbindliche Absenkung der Baupreise in Relation zu den Baukosten. Erich Benischek, Eigentümer und Geschäftsführer des Ausstellungszentrums Blaue Lagune und Auftraggeber der Studie, fordert die Politik zum Handeln auf: „Dieses 4-Punkte-Programm ist nahezu kostenneutral, schafft jedoch dringend gebrauchten Wohnraum, Aufträge für die Baubranche und den Erhalt von Tausenden Arbeitsplätzen.”

Weitreichende Auswirkungen

Bis 2026 wäre mit zusätzlich 15.000 bewilligten Wohneinheiten zu rechnen, wovon 13.000 innerhalb des Programmzeitraums in Bau gesetzt werden könnten. Die Folge: Erhöhung des Bauproduktionswerts um insgesamt 4,8 Mrd. € und Erhalt von 13.200 Arbeitsplätzen (Jahresmittelwert) im Bausektor (Bauwirtschaft, Baustoffhandel, Zulieferindustrie). Die Netto-Programmkosten dafür beliefen sich auf rd. 143 Mio. € – hierbei wäre noch kein Kaufkraftverlust von Personen in Arbeitslosigkeit und dessen Auswirkungen auf den Konsum berücksichtigt. (hk)

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