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Ausstellerrekord bei der Bio-Weltleitmesse © NuernbergMesse/Thomas Geiger
© NuernbergMesse/Thomas Geiger

Redaktion 21.02.2020

Ausstellerrekord bei der Bio-Weltleitmesse

Standing Ovations für Jane Goodall, viel Rot-Weiß-Rot und rege Kongressteilnahme – das war die Biofach 2020.

••• Von Paul Hafner

Von einer Angst vor Covid-19, vulgo Coronavirus, war bei der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel in Nürnberg nicht viel zu sehen. Viel mehr punktete die Messe mit einer Reihe von Bestmarken: 3.792 Aussteller aus 110 Ländern beim Messeduo Biofach und Vivaness bedeuteten ebenso einen Rekord wie eine Nettofläche (ohne Sonderschauen) von rd. 57.600 m².

Das Verhältnis zwischen deutschen und ausländischen Ausstellern hielt sich nach Angaben der NürnbergMesse die Waage. Auch Österreich war bei der Messe im Nachbarland stark vertreten: 130 heimische Aussteller bedeuteten Platz fünf unter den Ausstellernationen.
Bei den Besucherländern lag man hinter Italien und vor Frankreich und den Niederlanden auf Platz zwei; insgesamt wurden über 47.000 Facheinkäufer aus 136 Ländern gezählt.

Österreichstand der WKÖ

Fast die Hälfte der heimischen Stände präsentierte sich auf dem Österreichstand der Wirtschaftskammer Österreich/Aussenwirtschaft Austria. Auf 886 m² fanden 62 Aussteller Platz, fünf mehr als im Vorjahr; 13 Firmen, darunter fünf Start-Ups, waren Neuaussteller.

Viel Andrang gab es beim traditionellen Wiener Bio-Café der Aussenwirtschaft Austria, wo die Aussteller mit delikaten Kostproben verköstigten. Auch der Stand der Argrarmarkt Austria und Bio Austria sorgten für einen regelrechten Ansturm; beim Österreich-Abend wurden 350 Gäste begrüßt.
Am zweiten Tag sei die Messe besonders gut besucht gewesen, so Franz Ernstbrunner von der Aussenwirtschaft Austria; die österreichischen Austeller hätten vor allem „die Qualität der Geschäftskontakte hervorgehoben”. Nicht nur im Hinblick auf den Export nach Deutschland und Europa sei die starke Präsenz der österreichischen Betriebe wichtig gewesen, „auch die Bearbeitung der internationalen Wachstumsmärkte in Asien, Ozeanien und im Nahen Osten” seien zentrale Anliegen heimischer Aussteller.

Eröffnung durch Jane Goodall

Zum Messeauftakt sprachen die deutsche Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, und die berühmte Verhaltensforscherin Jane Goodall.

Die Keynote der Umweltaktivistin und UN-Friedensbotschafterin über die Rolle des Einzelnen in der Bewältigung der globalen Umweltprobleme evozierte Standing Ovations, Petra Wolf von der Geschäftsleitung der NürnbergMesse sprach später vom „emotionalen Highlight” der Messe.
„Wir schicken Roboter auf den Mars, aber haben vergessen, dass wir ausschließlich auf diesem Planeten existieren können”, erklärte Goodall. Darum sei es unumgänglich, auf die Umwelt zu achten, insbesondere bei unserem Konsum. Ob Lebensmittel oder Kleidung: Bio sei alternativlos.

Kongress bestätigt seinen Ruf

Mit fast 10.000 Teilnehmern und Diskutanten in 149 Einzelterminen konnte der Biofach- und Vivaness-Kongress heuer einen neuen Höchstwert erreichen und wurde seinem Ruf als international bedeutendste Wissens- und Informatioonsplattform der Branche gerecht.

Als Besuchermagneten erwiesen sich allen voran die Überblicksveranstaltungen „Die neuen Bio-Regeln: Was gilt ab 2021 für Bauern und Hersteller?” und „Naturkosmetikmarkt 2019: Daten, Fakten und Prognosen”. Zum Schwerpunkt und Motto des Kongresses „Bio wirkt!” wurden in zehn Terminen je über 70 Teilnehmer angelockt.
Für ein positives Echo sorgte auch die Erweiterung der Messe um die für ihre Nachhaltigkeit ausgezeichneten Hallen 3A und 3C, die nach Angaben der NürnbergMesse „durchwegs gut” ankamen – und die Vergrößerung der Ausstellungsfläche um 17% gegenüber 2019 auf 57.000 m² und somit das Ausstellerplus erst ermöglichten.

Österreich im Fokus

Über viele Besucher dürfte sich etwa der in Pressbaum ansässige Direktsaftspezialist Höllinger freuen. Vor allem mit dem neuen Iso-Sportdrink „Bio Sport” in den Sorten Johannisbeere und Apfel punktet er neben seiner Eignung für Sportler auch mit seiner Hülle: Zu 100% aus rePET, ist die Flasche eigens für Flaschenhalter entwickelt – eine Produktinnovation, die vor allem für Radfahrer interessant sein dürfte. Die Idee dahinter stammt von Geschäftsführer Gerhard Höllinger höchstpersönlich, der selbst passionierter Radler ist.

Innovativ präsentierte sich auch das Wiener Start-up Green Panda, hinter dem mit Paul Pallweber ein ehemaliger Rewe Category Manager steht. Die Organic Raw Bars und Superfood in Pulverform finden sich bei Interspar, Bipa und im eigenen Onlineshop; besonders fleißig exportiert wird nach Deutschland und Italien.
Neu am Markt und bis dato nur in einzelnen Edeka-Märkten gelistet ist die Knusper-Marke Hipf Naturals, die mit einem üppigen Portfolio zum Verkosten einlud: Linsen-Sticks, gesalzene „Green Pea Balls”, Hummus-Cerealien mit Zimtgeschmack und proteinreiches Knusperbrot aus Hülsenfrüchten stellen eine gesunde und nährstoffreiche Alternative zu Standardknabbereien wie Chips und Erdnüssen dar.
Mit der Salzburger Brauerei Die Weisse, die mit dem ersten glutenfreien Hefeweizen Free-From-Gefilde betritt, und der Destillerie Farthofer, die neben Gin auch ihren Premium-Wodka und edle Schnäpse ausstellte, wurden bei der Messe auch heimische Bio-Spezialitäten aus dem Alkoholsegment dargeboten.

Best New Product Awards

Auch bei den „Best New Product Awards” schnitt Österreich formidabel ab und holte in drei der sieben Kategorien . Die Fachbesucher kürten den „Bio Vulkan Rebell” der Vorarlberger Käserebellen zum Champion unter den Frischeprodukten, bei den Tiefkühlprodukten wurde das Bio-Schafmilcheis im Glas von Eisl Eis am Wolfgangsee zum Gewinner erkoren.

Die in Sprögnitz bei Zwettl ansässige Firma Sonnentor, Vorreiter und heimischer Marktführer im Biofachhandel und vor allem bekannt für Tees und Gewürze, reüssierte mit den „Ätherischen Gewürzölen” in der Kategorie Trockenprodukte, Kochen & Backen.
In den restlichen Kategorien gab es mit Hans Brainfood (Hanf Bites, Trockenprodukte, Snacks & Süßigkeiten), Rettergut (Bio-Suppen, weitere Trockenprodukte) und Voelkel (Haferdrink glutenfrei, Getränke), Biobaula (Reinigungstabs, Non-Food) vier deutsche Heimsiege.
Insgesamt spiegelte die Messe gesellschaftliche Trends und Entwicklungen im LEH in Richtung Nachhaltigkeit und Regionalität wider; der Markt für vegane Produkte ist weiter am Wachsen, die von Ernährungsexpertin Hanni Rützler ausgerufene Snacification weiter im Gange, Hanfprodukte (immer noch) der Trend der Stunde. Der Termin für die nächste Auflage der Biofach ist übrigens schon fix: Sie findet von 17. bis 20. Februar 2021 statt.

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